Frankreich: Statt Merkozy bald Gabrollande

Frankreich: Statt Merkozy bald Gabrollande

Bild vergrößern

Francois Hollande sucht Schützenhilfe aus Deutschland - und macht Wahlkampf mit SPD-Chef Sigmar Gabriel

von Benjamin Reuter

Heute reist der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel nach Paris, um François Hollande zu treffen. Sarkozy dagegen wünscht sich keine weitere Wahlkampfunterstützung von Kanzlerin Merkel.

Die Absage kam über das Radio. Am Mittwoch kündigte Nicolas Sarkozy in einem Interview mit dem Sender Europe 1 an, Kanzlerin Angela Merkel werde an keiner seiner Wahlkampfveranstaltungen teilnehmen. „Denn der Wahlkampf ist Sache der Franzosen“, sagte der französische Präsident. Dabei hatte sich die CDU ausdrücklich bereit erklärt, ihre Chefin nach Frankreich zu entsenden, um Sarkozy zu unterstützen. Schon im Februar hatte Merkel in einem gemeinsamen Fernsehinterview mit Sarkozy für den Präsidenten geworben.

Seit Sarkozy aber im Wahlkampf mit europakritischen Tönen Stimmen holen will, passt die Hilfe von der anderen Rheinseite nicht mehr in sein Konzept. Einige seiner Berater hatten schon länger davor gewarnt, dass eine zu große Nähe zu Merkel mehr Schaden als Nutzen könne. Das Duo Merkel-Sarkozy, kurz „Merkozy“, wird sich im Wahlkampf also nicht mehr öffentlich zeigen.

Anzeige

Ganz anders François Hollande, der Rivale Sarkozys. Der Kandidat der Sozialistischen Partei empfängt am heutigen Freitag den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel in Paris zu „bilateralen Gesprächen“. „Der Besuch ist als klare Unterstützung für den Kandidaten Hollande zu werten“, sagt die stellvertretende SPD-Sprecherin Karin Nink.

Aus Anlass des Besuchs veröffentlichte die Tageszeitung Le Monde gestern Nachmittag ein großes Interview mit Gabriel. Darin bezeichnet der SPD-Chef es als „großen Fehler“ und „skandalös“, dass Angela Merkel und die Vorsitzenden anderer konservativen Parteien in Europa den Kandidaten Hollande nicht empfangen möchten. „Die Kanzlerin darf nicht den Eindruck erwecken, dass die deutsch-französischen Beziehung davon abhängen, wie die Franzosen wählen“, so Gabriel.

Auch über die Ankündigung von François Hollande, den europäischen Fiskalpakt neu zu verhandeln, spricht Gabriel in dem Interview: „Hollande hat absolut Recht damit, dass der Fiskalpakt nur ein Teil der Lösung für die europäischen Probleme ist.“ So fehle im Pakt eine Beteiligung der Finanzmärkte an der Krisenbewältigung und Initiativen, um Arbeit und Wachstum zu schaffen.

Genau solche Initiativen will Hollande im Falle eines Wahlsieges in den Pakt aufnehmen. Falls die SPD die Bundestagswahlen 2013 gewinne, so Gabriel, würden auch die deutschen Sozialdemokraten dem Fiskalpakt einen zusätzlichen „Pakt für Wachstum und Solidarität“ hinzufügen.

Die Zukunft Europas wird Gabriel am Freitag bei einem Abendessen mit den französischen Kandidaten besprechen. Bevor der SPD-Vorsitzende Samstag Mittag wieder nach Deutschland fliegt, um an der Wahl des Bundespräsidenten teilzunehmen, werden er und Hollande dann auf einer Konferenz ihre Pläne für die Zukunft der Europäischen Union präsentieren.

Das Ziel für Europa, das Gabriel im Interview mit Le Monde vorgibt: „Märkte, die sich der Demokratie anpassen“ und „nicht eine Demokratie, die sich den Märkten anpasst“. Dieses Ziel will Gabriel gemeinsam mit Hollande verfolgen. „Deshalb setzen wir sehr große Hoffnungen in seinen Sieg.“

Schuldenkrise Euro-Retter zittern vor der Frankreich-Wahl

Der Sozialist François Hollande hat beste Chancen, die französischen Präsidentschaftswahlen im April zu gewinnen. Für Frankreichs Wirtschaft und den Euro wäre sein Sieg fatal.

Quelle: dpa

Bei so vielen netten Worten in Richtung des französischen Sozialisten könnte in Europa bald von einem Duo „Gabrollande“ die Rede sein. Ob der erste Teil des Duos demnächst an die Macht kommt, entscheiden die französischen Wähler am 6. Mai.

Aus SPD-Kreisen ist zu hören, dass während des Wahlkampfes durchaus weitere Parteiprominenz nach Paris reisen könnte. Allerdings wurde Hollande in dieser Woche das erste Mal seit Monaten von seinem Rivalen Sarkozy in einer Wähler-Umfrage überholt. Vielleicht überlegt auch er sich bald, ob die Unterstützung aus Deutschland ihm eher schadet als nützt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%