Französischer Gewerkschaftsboss: Frankreich hat zu lange die Zukunft ignoriert

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von Karin Finkenzeller

Der Chef der französischen Gewerkschaft CFDT, Laurent Berger, fordert für Frankreich grundlegende Reformen und bietet Präsident François Hollande Unterstützung an.

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Laurent Berger

„Allen ist im Prinzip klar, dass wir uns anstrengen müssen, dass Reformen notwendig sind“, sagt Berger im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Ich persönlich bin überzeugt, dass wir grundlegende Strukturreformen brauchen. Bei Steuerfragen, bei der Wettbewerbsfähigkeit, auch was den Arbeitsmarkt angeht.“

Dass Europas zweitgrößte Volkswirtschaft wankt, ist laut Berger ein hausgemachtes Problem: „Man hat sich zu lange auf einmal erworbenen Positionen ausgeruht und nicht nach einer Zukunftsstrategie gefragt.“ Als Beispiel führt Berger die Energiewirtschaft an: „Schauen Sie sich nur mal die erneuerbaren Energien an. Da sind wir hoffnungslos im Rückstand gegenüber Deutschland. Es wurde nicht genügend in Forschung und Entwicklung investiert.“
Berger mahnt, die Regierung müsse ihre Ziele für alle nachvollziehbar verfolgen: „Sie muss dann zum Beispiel genauso streng mit den Arbeitgebern sein, wie sie es mit den Gewerkschaften ist. Es kann nicht angehen, dass die Unternehmer nur mehr Flexibilität einfordern, aber im Gegenzug keine Sicherheiten anbieten.“ Laut Berger haben drei von vier Arbeitsverträgen, die in Frankreich abgeschlossen werden, eine Dauer von weniger als einem Monat. „Da wird nicht in Kompetenz investiert, nicht in Ausbildung und ganz allgemein gesprochen nicht in die Zukunft“, kritisiert der CFDT-Chef.
Berger ist seit November 2012 Vorsitzender der französischen Gewerkschaft CFDT mit rund 800.000 Mitgliedern. Im 
Gegensatz zu der den Kommunisten nahestehenden CGT hat die CFDT in der Vergangenheit bereits wiederholt gesellschaftlich umstrittene Reformen mitgetragen.

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