Freytags-Frage: Wann gibt es die überfälligen Reformen?

ThemaBildung

kolumneFreytags-Frage: Wann gibt es die überfälligen Reformen?

Kolumne von Andreas Freytag

Nie war die Jugendarbeitslosigkeit, speziell in den südeuropäischen Ländern, höher als heute. Dennoch scheint es an einer Bereitschaft zu mangeln, die längst überfälligen Strukturreformen durchzusetzen.

Bild vergrößern

Nie war eine Generation besser ausgebildet als die heute 30-jährigen. Nie allerdings war die Jugendarbeitslosigkeit, speziell in den südeuropäischen Ländern, höher als heute.

Moderne hochentwickelte (und alternde) Volkswirtschaften wie diejenigen Europas brauchen vor allem Innovationen und Investitionen in Bildung ihrer Jugend, um ihren Wohlstand zu sichern. Diese Erkenntnis kann inzwischen als Binsenweisheit gelten. Sie ist auch recht überzeugend in Europa umgesetzt worden: Nie war eine Generation besser ausgebildet als die heute 30-jährigen. Nie allerdings war die Arbeitslosigkeit unter genau dieser Generation höher als heute. Ein Hohn?

Anzeige

Auf keinen Fall. Die Situation der Jugend speziell in den südlichen Ländern Europas - die dort hohe Jugendarbeitslosigkeit - hat mit der Bildung nichts zu tun. Die Ursachen sind in verkrusteten Arbeitsmärkten mit Insider-Outsider-Problemen und Überregulierungen auf Güter- und Dienstleistungsmärkten, kurz in der mangelnden Standortqualität in den Ländern zu suchen. Der eigentliche Skandal ist die Unfähigkeit und die fehlende Bereitschaft der Eliten im Süden, die nötigen Strukturreformen durchzusetzen. Diese Haltung wird durch den Rettungswahn in der Eurozone nur bestärkt. Denn dank der wiederholten Milliardeninjektionen können sich Regierungen weiter durchwurschteln. Darin liegt die eigentliche Tragik.

Ohne die guten Bildungsstandards wäre alles noch schlimmer, denn dann wären die jungen Leute nicht einmal in der Lage, ihr Glück anderswo zu versuchen. Gut ausgebildet, wie sie sind, werden sie gute Jobs zum Beispiel in den ehemaligen Kolonien (Spanier und Portugiesen), Australien (Iren und Griechen) oder auch in Deutschland finden. Natürlich ist diese Situation gesamtwirtschaftlich unbefriedigend und auch für die Betroffenen selber – sofern sie nicht ohnehin im Ausland arbeiten wollen - ein Ärgernis. Etwas Gutes hat die Wanderung, sie erhöht den Druck auf die Zurückbleibenden - in der Regel die weniger gut Ausgebildeten - für Reformen zu stimmen, damit die dynamischen Kräfte wiederkommen. Sollte dies bald gelingen, kann man sogar eine zusätzliche Bildungsdividende erwarten, da die eventuellen Rückkehrer im Ausland wertvolle Erfahrung sammeln können, die in der Heimat vielen Menschen zu Gute kommen könnten.

Tabelle Die besten Unis und Fachhochschulen

Übersicht: Welche Universitäten und Fachhochschulen bei Personalberatern vorne liegen.

Quelle: dpa

Insofern kann man Investitionen in Bildung nicht hoch genug einschätzen, Eurokrise hin oder her. Nur gut ausgebildete Menschen können sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft ihren Beitrag zur Bewältigung des wachstumsnotwendigen Strukturwandels erbringen. Nur sie können die Innovationen anstoßen, die gerade eine alternde Gesellschaft braucht, um den Lebensstandard halten zu können. Nur sie können die hohen Einkommen erzielen, aus denen Renten, Pensionen und andere Sozialleistungen finanziert werden können.

Außerdem ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, allen jungen Menschen Bildungschancen einzuräumen. Niemandem darf es verweigert werden, aus eigener Kraft sozialen Aufstieg zu meistern. Bildung ist der Schlüssel zur Chancengerechtigkeit.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%