kolumneFreytags-Frage: Warum nicht mal ein paar Oligarchen retten?

28. Dezember 2012
Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission und der zypriotische Präsident Dimitris Christofias. Quelle: dapdBild vergrößern
Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission und der zypriotische Präsident Dimitris Christofias. Am Beispiel Zypern zeigt sich wie irrational die bisherige Rettungspolitik war Quelle: dapd
Kolumne von Andreas Freytag

Seit drei Jahren wird in Europa gerettet, was das Zeug hält. Alles unter dem Deckmäntelchen der Solidarität. Doch mit der Absurdität der Rettungslogik muss endlich Schluss sein.

Unter der fachkundigen Anleitung führender Ecofin-Mitglieder und der EU-Eliten haben die Regierungen der Eurozone die von der Staatsschuldenkrise am heftigsten Betroffenen vor größeren Problemen bewahrt:

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  • Deutschen Rüstungsbetrieben drohte griechischer Zahlungsausfall – gerettet!

  • Griechischen Steuerpflichtigen drohten Steuerbescheide – gerettet!
  • Hedgefondsmanagern und Bankmanagern drohte ein Rückgang auf einstelliges Millionengehalt – gerettet!
  • Bankaktionären drohten Verluste – gerettet!
  • Großanlegern drohten Verluste – gerettet!

Verständnis herrscht nur im Parlament

Somit gelang es den EU-Eliten, die soziale Gerechtigkeit hochzuhalten und die europäische Solidarität zu stärken. Das Ganze ging allerdings mit einigen kleineren Kollateralschäden einher, für die aber zumindest in Parlamenten ein hohes Maß an Verständnis herrscht:

  • Millionen Sparer werden durch "financial depression" enteignet – Kleinigkeit!
  • Millionen Steuerzahler müssen einspringen – na und!
  • Millionen griechischen Rentnern wurden die Renten gekürzt – unvermeidbar!
  • Hunderttausende irische, spanische, griechische und portugiesische junge Menschen müssen auf der Suche nach Arbeit auswandern – woanders ist es doch auch schön!

Dieses sorgfältig austarierte Gleichgewicht droht jetzt zu kippen, weil ernsthafte Zweifel daran zu bestehen scheinen, Zypern unter den Rettungsschirm schlüpfen zu lassen. Auch dort droht die Insolvenz verschiedener Banken, die einerseits zypriotische Staatsanleihen halten und auf der andern Seite der Bilanz Einlagen russischer Großeinleger verzeichnen, die dem Vernehmen nach zu einem erheblichen Teil aus Schwarzgeld bestehen. Droht eine Staatspleite, sind diese Einlagen ernsthaft gefährdet.

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Kommentare | 5Alle Kommentare
  • 30.12.2012, 17:51 UhrEurowatcher

    Ein fantastischer Artikel von Herrn Freytag, in Zukunft werde ich die Wiwo kaufen,weil sich Qualitätsjournalismus auszahlen muß!Die Wiwo hebt sich wohltuend von den öffentlich-rechtlichen Zwangsgebührenanstalten ab,die im Interesse der Politik in der Eurofrage gegen die detschen Steuerzahler in Stellung gebracht sind.

  • 28.12.2012, 13:58 UhrChronokrator

    Auch wenn Zypern aufgrund des russischen Schwarzgeldes sicherlich ein herausragender Fall ist, ist das Grundproblem bei allen Retungsaktionen das Gleiche: Investoren, welche Risiken eingegangen sind und dafür bezahlt wurden, müssen die negativen Konsequenzen ihrer Investitionen nicht tragen, sobald sich die Risiken materialisieren. Die Verluste werden sozialisiert. Da die Investoren meist zum reicheren Teil der Bevölkerung gehören, ist das Ganze nichts anderes als eine Umverteilung von unten nach oben. Dass dies auch noch grenzüberschreitend erfolgt ist ein weitere Skandal. Begriffe wie Eurorettung, Bankenrettung und Griechenlandhilfe sind pure Euphemismen für die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten.

  • 28.12.2012, 11:41 UhrPequod

    Märkte lügen nicht!
    Da kann noch soviel gedreht und gerettet werden, dieses Desaster
    des europäischen Finanzzusammenbruchs wird kommen wie das Amen
    in der Kirche und als der ''Große Eurocrash'' als bisher größ-
    ter Finanzskandal in die Geschichte eingehen.
    Zum jetzigen Zeitpunkt des ''point of no return'' der Eurosion
    muß das Ende im Führerbunker noch wie eine fröhliche Party
    angemutet haben!

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