Freytags Frage: Wem dient die Geldpolitik?

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kolumneFreytags Frage: Wem dient die Geldpolitik?

Kolumne von Andreas Freytag

Die Notenbanken kämpfen angeblich gegen die Inflation. Dabei sorgen alle ihre Maßnahmen für die Finanzierung unsolide gerechneter Haushalte und der Verschleppung von Reformen. Das schließt auch die EZB mit ein.

Studenten der Volkswirtschaftslehre lernen früh, dass es in der Wirtschaftspolitik ein sog. Assignment-Problem gibt. Damit ist die Aufgabe gemeint, dem einzelnen wirtschaftspolitischen Zielen Instrumenten und Verantwortliche zuzuordnen. Die Lösung kann rein logisch nur widerspruchsfrei gelingen, wenn es genauso viele Ziele wie Instrumente gibt. Also: Wenn wir Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum anstreben, brauchen wir drei Instrumente. Diese könnten Geldpolitik, Tarifpolitik und Fiskalpolitik sein.
Dabei liegt es nahe, der Geldpolitik für die Inflationsbekämpfung zu nutzen. Und es ist richtig, dass die EZB – wie zuvor die Deutsche Bundesbank und zum Teil erfolgreicher als diese – in den letzten Jahren dieses Ziel erreicht hat. Inflation in der Eurozone ist seit ihrer Gründung sehr niedrig gewesen. In Deutschland dauert diese Phase der relativen Preisniveaustabilität jetzt schon rund 65 Jahre an, und die Deutschen haben die Vorteile niedriger Inflation sehr zu schätzen gelernt. Die Phasen davor sowie vielfältige Erfahrungen aus Hochinflationsländern haben gelehrt, wie verheerend Inflationsprozess wirken.

Eigentlich sollte das Politikern und Bürokraten auch einleuchten, zumal wenn sie sich als Sachwalter der Bevölkerung verstehen. Dennoch sind diese Fokussierung und der damit verbundene Erfolg der Geldpolitik keineswegs selbstverständlich. Dies lehrt die Praxis der vergangenen Jahrtausende. Geldpolitik war auch immer ein Instrument der Regierenden, andere Ziele zu erreichen. Dahinter steht vor allem die mangelnde fiskalische Disziplin. Die Geschichte der Inflation ist schrecklich und faszinierend zugleich. Immer wieder haben Regierungen – und zwar unabhängig davon, ob es sich um demokratische oder autokratische Regierungen handelt – mit allen Mitteln versucht, den Geldwert zu reduzieren. Natürlich geht dies im Papiergeldstandard viel leichter, als wenn Edelmetall als Währung verwendet wird.
Ein gutes frühes Beispiel bietet die Entwicklung des Währungssystems im Römischen Reich von der Einführung der Münzen im dritten vorchristlichen Jahrhundert bis hin zur Auflösung des Reiches. Die permanente Kriegsführung Roms und der teure Lebensstil der Konsuln in Verbindung mit deren hohen Aufwendungen, um das Amt überhaupt zu erringen, führte einerseits dazu, dass viel Gold – zumeist als Kriegsbeute – importiert wurde und dass andererseits der Edelmetallanteil der umlaufenden Münzen beständig verringert wurde. Zwischen 14 n.Chr. und 275 n.Chr. sank der Feingehalt des Denars von 97 Prozent auf 2 Prozent.

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Auf diese Weise wurden die Schulden weginflationiert, natürlich mit der Folge sozialen Elends. Die Regierenden versuchten, diesem Problem mit Höchstpreisen Herr zu werden. Die Folgen in Rom waren die Verarmung breiter Massen und hohe Vermögensverluste ehemals reicher Patrizier, was oftmals auch in Gewalt und Chaos mündete.
In den letzten zweitausend Jahren hat sich die Geschichte permanent wiederholt. Im heutigen Venezuela, dem Land mit der gegenwärtig höchsten Inflationsrate, sehen wir ähnliche Verwerfungen. Hier zeigt sich recht klar, wie ein Teufelskreis aus Inflation und Chaos in Gang gesetzt werden kann.

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