Freytags-Frage: Wem nützt ein schwacher Euro?

kolumneFreytags-Frage: Wem nützt ein schwacher Euro?

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Es gibt bereits einige Prognosen, die den Dollar demnächst in der Parität zum Euro sehen. Für die Eurozone ist das langfristig keine gute Nachricht.

Kolumne von Andreas Freytag

Die EZB setzt ihre Geldschwemme fort. Manche Unternehmen könnten nun leichter Geld verdienen. Langfristig dürfte der schwache Euro aber allen schaden – den Unternehmen und den krisengeplagten Euro-Ländern. Eine Kolumne.

Am gestrigen Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine weitere geldpolitische Expansion angekündigt; der Strafzins für Einlagen der Banken bei der EZB ist angestiegen (auf -0,3 Prozent), und die Anleihekäufe werden bis mindestens bis März 2017 verlängert sowie auf regionale und lokale Bonds ausgeweitet. Der Grund ist, dass die EZB weiterhin beunruhigt über die geringen Inflationsraten in der Eurozone und – weniger dringend formuliert – die geringe Kreditvergabe ist. Die Banken haben allerdings Schwierigkeiten, risikoarme und renditestarke Anlagen und somit Abnehmer für ihre Gelder zu finden, was vermutlich nicht am Zins liegt, sondern wohl eher mit den Angebotsbedingungen in zahlreichen Mitgliedsländern der Eurozone liegt.

Die Maßnahmen waren zu erwarten. Sie reduzieren die Unabhängigkeit der EZB weiter und werden die Strukturkrise wohl verstetigen und vielleicht sogar verschärfen. Jedenfalls scheint kaum jemand zu erwarten, dass die Inflationsrate nach den gestrigen Maßnahmen anziehen wird. Also nichts Neues. Dennoch lohnt sich ein Blick in die kürzere Frist.

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Denn ein Nebeneffekt der weiteren Geldmengenexpansion und Zinssenkung könnte eine weitere Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar sein. Es gibt bereits viele Prognosen, die den Dollar demnächst in der Parität zum Euro sehen; andere sogar darüber, d.h. ein Dollar würde dann mehr als einen Euro kosten. Aus Sicht der EZB scheint eine weitere Abwertung des Euros durchaus willkommen zu sein.

Diese Abwertung – so die Theorie – dürfte der lahmen Wirtschaft Europas unter die Arme greifen und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Das Argument kann im Massengeschäft überzeugen. Standardisierte und relativ homogene Produkte werden über den Preis verkauft. Sinkt dieser dank einer Abwertung, kann in der Tat der Umsatz gesteigert werden. Dieser Befund wirft mehrere Fragen auf:

Erstens muss geklärt werden, ob damit das Geschäftsmodell der meisten europäischen Unternehmen adäquat beschrieben ist.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

  • Die deutschen, skandinavischen und norditalienischen (um nur einige zu nennen) Exportunternehmen – insbesondere die sogenannten “hidden champions“ – verkaufen ihre Produkte eher wegen der guten Qualität als wegen des günstigen Preises. Für sie bedeutet eine Abwertung keine Ausweitung der Produktion, weil sich eine Dollarpreissenkung nicht lohnt.

  • Für einige Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus dem Süden mag es aber von Vorteil sein, wenn der Preis fällt. Sie verkaufen tatsächlich mehr.

  • Ob allzu viele griechische Unternehmen davon profitieren können, ist offen. Deren Wettbewerbsfähigkeit scheint so gering zu sein, dass die Abwertung sehr massiv ausfallen muss, damit sie Umsatzsteigerungen erzielen können. Aber es mag positive Beispiele geben.

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