Freytags-Frage: Wie gestalten wir unser wachsendes Europa?

kolumneFreytags-Frage: Wie gestalten wir unser wachsendes Europa?

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Am Montag, den 1. Juli 2013, tritt Kroatien als 28. Mitglied der Europäischen Union bei.

Kolumne von Andreas Freytag

Der Balkanstaat wird am Montag als 28. Mitglied der EU beitreten. Doch brauchen wir tatsächlich ein brachiales "Mehr" an Europa?

Am kommenden Montag, den 1. Juli, begrüßt die europäische Union mit Kroatien das 28. Mitglied. Damit sind es immer weniger Länder in Europa, die nicht zur EU gehören. Anders ausgedrückt intensiviert sich die Integration und damit die Gültigkeit der vier Freiheiten für europäische Bürger. Der Binnenmarkt wird immer größer. Dieses Ereignis wird zwar durch den permanenten Krisenmodus, in den sich die Europäische Union, vor allem natürlich die Eurozone manövriert hat, etwas überlagert, hat aber trotzdem eine große Bedeutung, insbesondere für das Beitrittsland selbst.

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Allerdings nicht nur für das Beitrittsland, denn auch die anderen Länder und ihre Bürger sind durch Integration betroffen. Die Vielfalt erhöht sich, der Wettbewerb nimmt zu, die Chancen für Arbeitsteilung steigen. Insgesamt sind positive Effekte zu erwarten, nimmt man noch das friedensstiftende Potential von politischer und ökonomischer Integration hinzu. Das ist ein Grund zu feiern, wenn auch mit Bedacht.

Überhaupt bietet die siebte Erweiterung des europäischen Integrationsprojektes einmal mehr die Gelegenheit, Luft zu holen und sich darüber klar zu werden, was eigentlich die große Stärke Europas ist: Es ist seine Vielfalt. Diese gilt es weiterhin nutzbar zu machen.

Denn die hohen Erträge der europäischen Integration, die Europa erstens den längsten Frieden seiner Geschichte, zweitens ein hohes Maß an gegenseitigem Verständnis und drittens nie zuvor dagewesenen Wohlstand eingebracht haben, sind gerade nicht durch eine Vorab-Harmonisierung und das Einstampfen der Unterschiede der Europäer entstanden. Vielmehr war es der Wettbewerb und die Unterschiedlichkeit, die die Arbeitsteilung intensivierten und für alle Beteiligten Vorteile mit sich brachten.

Wissenswertes über Kroatien

  • Wo liegt Kroatien überhaupt?

    Kroatien liegt am Mittelmeer gegenüber von Italien. Das Land grenzt an Slowenien, Ungarn, Serbien und Bosnien-Herzegowina, hat eine Gesamtfläche von 56.542 Quadratkilometer, einschließlich 1.246 Inseln. Rund 4,5 Millionen Kroaten wurden zuletzt gezählt, die meisten von ihnen sind Katholiken.

  • Ist Kroatien ein Urlaubsland?

    Die fast 1800 Kilometer lange Küstenlinie mit zahlreichen vorgelagerten Inseln, sowie Weltkulturerbe-Stätten und Nationalparks machen Kroatien zu einem attraktiven Reiseziel. Fast zwölf Millionen Touristen zog Kroatien 2011 an, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Tourismussektor bildet damit ein Fünftel des Bruttoinlandsproduktes.

  • Wird man in Kroatien nass?

    Kroatien zählt zu den 30 wasserreichsten Staaten der Welt, in Europa steht das wässrige Land gar auf Platz drei mit 32.818 Kubikmetern an erneuerbaren Wasserreserven pro Kopf und Jahr. Abgesehen von den vielen Flüssen und Seen, wird es sonst eher in der Küstenregion nass, wo die Niederschlagsmenge doppelt so hoch ist wie im Landesinneren.

  • Wie steht es um Kroatiens Wirtschaft?

    Das BIP-Wachstum betrug 2011 0,2 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 2,8 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 11,3 Prozent. Die wichtigsten Handelsgüter Kroatiens sind Erdöl, Nahrungsmittel, Maschinen und Elektrotechnik.

  • Was können Kroaten besser als Deutsche?

    Lebkuchenherzen backen. Diese süße Spezialität stammt nämlich ursprünglich aus Kroatien: seit dem 16. Jahrhundert werden die Herzen in Klöstern gebacken, verziert und zu besonderen Anlässen verschenkt.

Mit der Ost- und der Südosterweiterung verbreitert sich auch die kulturelle und institutionelle Vielfalt des Integrationsraumes. Viel ist von Mentalitätsunterschieden die Rede, die sehr unterschiedliche Konsequenzen für den Alltag und die Bewältigung seiner Probleme mit sich brächten. Kennzahlen zu Governance, z.B. mit Blick auf Regulierungen, ökonomische Freiheitsrechte, Korruption und anderes sind in der Tat sehr unterschiedlich innerhalb der Europäischen Union. Der Norden schneidert meist etwas besser ab, d.h. Korruption ist geringer, ökonomische Freiheit und Pressefreiheit höher. Der Süden überzeugt mit Gastfreundschaft und Lebensfreude.

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