Freytags Frage: Wie kommt Europas Jugend in Arbeit?

kolumneFreytags Frage: Wie kommt Europas Jugend in Arbeit?

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Proteste in Madrid: Die Jugendarbeitslosigkeit ist in den Krisenländern auf einem Rekordhoch angelangt.

Kolumne von Andreas Freytag

Die Jugendarbeitslosigkeit befindet sich in weiten Teilen Südeuropas auf Rekordniveau. Die Betroffenen dürften bald aufbegehren oder abwandern. Was können wir tun?

Inzwischen haben es auch die europäischen Eliten bemerkt: In der stark steigenden Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern der EU und vor allem der Eurozone steckt viel politischer Sprengstoff. Die Arbeitslosigkeit unter einer gut ausgebildeten Jugend ist gerade im Süden Europas und in Frankreich auf Rekordniveau, zum Teil - wie in Griechenland - bei über 60 Prozent. Diese Jugendlichen dürften bald aufbegehren - oder abwandern. Beides kann keiner wollen.

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Deshalb haben sich in dieser Woche europäische Politiker auf einer hochrangig besetzten Konferenz über die Möglichkeiten gesprochen, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Details kann man in einem in einem Gastbeitrag für die SZ nachlesen. Dort haben die deutschen und französischen Arbeits- und Finanzminister von der Leyen, Schäuble, Moscovici und Sapin ihre Vorstellungen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorgelegt, die sie als New Deal bezeichnen. Was ist geplant? Wie muss man es bewerten?

Positiv ist festzuhalten, dass die Politik das Thema jetzt endlich auf die Agenda setzt. Ebenfalls positiv ist die klare Aussage, dass der europäischen Staatsschuldenkrise mit Konsolidierung und Strukturreformen anzugehen ist. Erfreulich ist auch die Feststellung, dass Bildung wichtig ist. Dabei betonen die Minister zu Recht, dass die duale Ausbildung deutscher Provenienz eine bedeutende Stellschraube darstellt. Schließlich fällt positiv ins Gewicht, dass die Minister die Mobilität erwähnen - in der Tat scheint hier kurzfristig ein Ventil zu bestehen. Den hohen Arbeitslosenzahlen im Süden steht nämlich eine steigende Nachfrage nach Fachkräften im Norden, namentlich in Deutschland gegenüber.

Weniger positiv - aber politisch nachvollziehbar - sind die Jubelarien über den Fortschritt der Reformen und der Haushaltskonsolidierung sowie die Betonung der europäischen Solidarität, wie sich in den Rettungspaketen und der Bankenunion ausdrücke. Von Solidarität kann keine Rede sein, wenn Banken gerettet und Eliten davor bewahrt werden, ihr Vermögen zu verlieren. Die griechische, spanische oder portugiesische Jugend hat gerade nicht vom Rettungswahn profitiert. Von Einigkeit, die im Beitrag auch beschworen wird, kann wohl kaum die Rede sein.

Jugendarbeitslosigkeit Die gute Frau von der Leyen

Deutschland will nur sparen in Europa? Ursula von der Leyen setzt bei einem Kurzbesuch in Madrid gezielt auf kümmern, werben, fordern. Das ist – nicht ganz uneigennützig –  die Paraderolle der Bundesarbeitsministerin.

Rund 56 Prozent der jungen Spanier haben keine Arbeit. Ein ganzes Land - und mit ihm eine Generation von hochqualifizierten Ingenieuren, Krankenschwestern, Lehrern, Naturwissenschaftlern - ächzt unter der Wirtschaftskrise. Quelle: dpa

Auch sind die anderen geplanten Remeduren nur wenig zielführend. Insgesamt 60 Milliarden Euro soll die Europäische Investitionsbank in die Hände nehmen, um Unternehmen, die junge Leute beschäftigen wollen, finanziellen Spielraum zu geben. Es mangele gerade kleinen und mittleren Unternehmen im Süden und in Frankreich an Finanzierungsmöglichkeiten. Ist dies wirklich ein Finanzierungsproblem? Geld ist ja dank der großzügigen Ausstattung der Banken mit Liquidität durch die EZB genug vorhanden; allein sie reichen es nicht weiter. Dieses Verhalten kann nicht mit Irrationalität sondern vielmehr mit einem politisch bedingten Mangel an Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erklärt werden. Vielleicht müssten die Unternehmen etwas mehr Flexibilität in der Vertragsgestaltung mit Arbeitnehmern aller Altersstufen haben, vielleicht sehen sie sich ja auch zu hohen Lohnkosten gegenüber. In diesen Fällen wäre die Knappheit an Finanzmitteln nicht mit mehr billigem Geld zu heilen. Unternehmerische Spielräume sind dann zu erhöhen.

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