Freytags-Frage: Wie lange wird die Euro-Krise noch dauern?

kolumneFreytags-Frage: Wie lange wird die Euro-Krise noch dauern?

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Ein Ende der Euro-Krise ist nicht in Sicht. Wird sie in Zukunft unser ständiger Begleiter sein?

Kolumne von Andreas Freytag

Viele hatten gehofft, die Euro-Krise sei mit den Rettungsmaßnahmen der vergangenen drei Jahre zu beenden. Das Gegenteil ist der Fall, es gibt kaum Gründe, optimistisch zu sein.

Viele hatten gehofft, die Euro-Krise sei mit den Rettungsmaßnahmen der vergangenen drei Jahre zu beenden. Vollmundig wurde immer wieder erklärt, man habe den Finanzmärkten die Unsicherheit genommen und die Erwartungen stabilisiert. Es werde Zeit gekauft, um Europa wettbewerbsfähiger zu machen. Die EZB erklärte vor 10 Monaten, sie werde alles unternehmen, um die Eurozone zu stabilisieren ("Whatever it takes").

Trotzdem geht die Krise weiter. Griechenland hat mal wieder nicht reformiert, in Irland wackelt die Erholung, in Portugal drohte ein Ende der Regierung, Spanien müht sich nach Kräften und wird nebenbei von einem Korruptionsskandal bedroht, in Italien passiert auch nicht viel, und in Frankreich sieht man offenbar nicht ein, dass wirtschaftlicher Aufschwung etwas mit funktionierenden Märkten zu tun hat. Schuld sind natürlich die Deutschen, die starrsinnig Sparsamkeit und Solidität einfordern und kleinkariert auf ihrem Geld sitzen, das man doch so gut gebrauchen könnte.

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Im Ernst: Kann man überhaupt absehen, wann die Rezession und die mangelnde Bereitschaft der Investoren und Kapitalanleger, sich wieder in der Peripherie der Euro-Zone zu engagieren, enden? Im Grunde kann man eine Vorhersage treffen, die allerdings nicht sehr optimistisch ist. Denn die Anreizstrukturen in der Eurozone liegen relativ deutlich offen.

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  • Die Regierungen der Peripherieländer haben vermutlich wenig Interesse daran, ihre Bevölkerung durch einschneidende Reformen zu verärgern und als Konsequenz gar die Ämter zu verlieren. Reformen bedeuteten nämlich vor allem, dass Besitzstände angetastet werden müssten. Deutlich wird dies auf dem Arbeitsmarkt, wo flächendeckend ältere Arbeitnehmer geschützt und junge Menschen diskriminiert werden. Starke Gewerkschaften werden alles tun, um ihre Klientel zu schützen.

  • Diese Regierungen – wie auch andere in der Eurozone einschließlich der deutschen – sind zudem von den niedrigen Zinsen abhängig, die ihnen die EZB gemeinsam mit dem ESM zugesichert haben. Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto geringer werden die Zinslasten relativ zum Budget sein und desto schwieriger wird es dann politisch sein, höhere Zinsen zu schultern.

  • Deswegen wird sich der Finanzbedarf der Peripherie nicht verringern. Die auslaufenden Hilfszahlungen müssen durch neue ersetzt und gegebenenfalls ergänzt werden.

  • Das wiederum dürfte das Interesse der Peripherie an Gemeinschaftshaftung weiter wachsen lassen – und damit den Reformeifer weiter erlahmen lassen. Der Druck auf die Nordländer wird – spätestens nach der Bundestagswahl – erheblich steigen, endlich eine der vielen gehandelten Versionen der Gemeinschaftshaftung einzuführen.

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