kolumneFreytags-Frage: Wie wird Europa wieder wettbewerbsfähig?

14. Februar 2013
Obwohl die Wettbewerbsfähigkeit seit langem ein europäisches Kernthema ist, bleibt die Frage, was man in der EU unter Wettbewerbsfähigkeit versteht und ob die Politikmaßnahmen zu einer Steigerung derselben führen können, größtenteils unbeantwortet. Quelle: dpaBild vergrößern
Obwohl die Wettbewerbsfähigkeit seit langem ein europäisches Kernthema ist, bleibt die Frage, was man in der EU unter Wettbewerbsfähigkeit versteht und ob die Politikmaßnahmen zu einer Steigerung derselben führen können, größtenteils unbeantwortet. Quelle: dpa
Kolumne von Andreas Freytag

Brüssel zeichnet ein romantisches Bild von Europa und investiert an den falschen Stellen. Was ist zu tun?

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In seiner europapolitischen Rede hat der britische Premierminister David Cameron das Thema Wettbewerbsfähigkeit hervorgehoben. Er sieht eine Divergenz zwischen diesem Ziel und den Maßnahmen zu Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der EU. Dabei ist die Wettbewerbsfähigkeit seit langem ein europäisches Kernthema; schon der legendäre Lissabon-Vertrag wollte aus der EU bis zum Jahre 2010 die wettbewerbsfähigste Region der Welt machen.

Was versteht man eigentlich unter Wettbewerbsfähigkeit? Die Definitionen streuen weit; eine davon schließe ich gleich aus: Wettbewerbsfähigkeit meint nicht Handelsbilanzüberschüsse. Diese sind ein Spiegel der Kapitalflüsse und müssen von Fall zu Fall sorgfältig analysiert werden. Unter Wettbewerbsfähigkeit wird hier die Fähigkeit der Regionen, komplementäre, d.h. zu den Menschen passende Faktoren anzuziehen, die Fähigkeit der Menschen, attraktive Arbeitsplätze zu erhalten, und die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Produkte mit Gewinn zu verkaufen, verstanden.

Vor diesem Hintergrund kann man feststellen, dass die Lissabon-Strategie nicht aufging. Dennoch steht die Wettbewerbsfähigkeit im Zentrum zahlreicher Diskussionsstränge in Europa. Es lohnt sich, diese kurz anzureißen, um die Frage zu beantworten, was man in der EU unter Wettbewerbsfähigkeit versteht und ob die Politikmaßnahmen zu einer Steigerung derselben führen können.

Wettbewerbsfähigkeit taucht neuerdings auch wieder in der währungspolitischen Diskussion auf. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte aus der EWU – genauer: aus Frankreich – zu steigern, verlangt der französische Präsident Hollande, dass die EZB für eine Abwertung des Euros sorgt; es geht also um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, nicht um eine nachhaltige Betrachtungsweise. Dies kann nur via Notenpresse funktionieren; eine Nebenwirkung könnte Inflation sein. Da die anderen Länder, allen voran Japan und die Vereinigten Staaten, bereits angefangen haben, die Märkte mit ihrem Geld zu fluten, droht überdies ein Währungskrieg – früher auch bekannt als "beggar-thy-neighbour". Dort gibt es allerdings nur Verlierer. Von erhöhter Wettbewerbsfähigkeit kann dann keine Rede mehr sein.

Die zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

  • Platz 1

    Hongkong

  • Platz 2

    USA

  • Platz 3

    Schweiz

  • Platz 4

    Singapur

  • Platz 5

    Schweden

  • Platz 6

    Kanada

  • Platz 7

    Taiwan

  • Platz 8

    Norwegen

  • Platz 9

    Deutschland

  • Platz 10

    Katar

  • Quelle

    IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

    Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Auch die Verhandlungen zur kommenden Budgetperiode der EU standen im Zeichen der Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings sind die Ergebnisse eher bedrückend. Es fließen immerhin noch 40 Prozent des EU-Budgets der nächsten sieben Jahre in die Landwirtschaft. Der Kompromiss der letzten Woche sieht sogar noch mehr vor als der gescheiterte Kompromiss vom November. Dafür wurde ordentlich bei Infrastruktur und Forschung abgespeckt.

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Kommentare | 17Alle Kommentare
  • 15.03.2013, 18:52 UhrPequod

    Mit der Einstellung der Aktivitäten der Subventionsmaschine Brüssel, die Milliarden sinnlos in den Agrarsektor ver-
    verpulvert, würde diese ihre Machtposition einbüßen.
    Wie ein Land wieder wettbewerbsfähig wird, hat das auf
    der Agrarwirtschaft basierende Neuseeland gezeigt,
    dem sämtliche staatliche Subventionen für den Agrarsek-
    tor gestrichen wurden. Trotz der Verbarrikadierung der
    europ. Märkte durch die sinnlosen Subventionen aus Brüssel,
    hat es das kleine Land geschafft, sich neue Märkte in
    Ostasien zu erschließen und steht heute mit einer pros-
    perierenden Landwirtschaft besser da, als jedes auf der
    Landwirtschaft basierende subventionierte Land in dieser
    EUdSSR! Um das in dieser Schuldenunion zu erreichen wird
    es einen langen Weg mit der Wahl der AfD - Alternative
    für Deutschland - brauchen!

  • 16.02.2013, 06:59 Uhrsteuerhilfe.net

    Richtig, die EUDSSR und deren Sozialismus ist für das Großkapital und ihrer Helferlein inder korrupten, politischen Kaste Europas.

    Für den einfachen Bürger bleibt es beim Kapitalismus mit einer kleinen Prise Demokratie, damit der Pöbel nicht auf dumme Gedanken kommt.

    Schließlich soll er nur zahlen und das Maul sonst halten.

  • 16.02.2013, 02:42 UhrSteuerzahler

    Die Linken waren zwar einstimmig gegen den ESM, sind aber trotzdem für die EU und würden am liebsten Eurobonds einführen - also ebenfalls absolut unwählbar!
    Bei den Linken denken viele nicht zu Ende!

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