Front National: Frankreichs Rechte profitiert von den Anschlägen

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Front National: Frankreichs Rechte profitiert von den Anschlägen

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Die rechte Front National und ihre Vorsitzende le Pen profitieren von der Verunsicherung nach den Anschlägen von Paris.

von Karin Finkenzeller

Seit den Pariser Attentaten steigt der rechtsnationale Front National in der Wählergunst. Wie die Partei die Stimmung in Frankreich für die Regionalwahlen nutzt.

Die Warnung kam ziemlich spät. "Warum ein Sieg des FN uns beunruhigt", titelte die Regionalzeitung "La Voix du Nord" aus Lille am Dienstag - fünf Tage vor der ersten Runde der Regionalwahl an diesem Sonntag.

Die Tatsache, dass die sechs Millionen Einwohner zählende Region Nord-Pas de Calais - Picardie im Norden des Landes mit einiger Wahrscheinlichkeit ab Januar von dem rechtsnationalen Front National (FN) regiert wird, war der Zeitung nun ein großes Dossier wert. Tenor: Der FN ist nicht so volksnah, wie er sich gibt. Er hat keinerlei Erfahrung in der Führung einer Region, und das Wirtschaftsprogramm einer Partei, die gegen Euro und EU wettert, wird in den Abgrund führen.

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Allerdings scheinen diese Argumente weder die Leser von "La Voix du Nord" noch den Rest des Landes wirklich abzuschrecken. Im Gegenteil. Umfragen zu Folge wird der FN bei diesen Wahlen so stark abschneiden wie nie zuvor. Landesweit kann sie demnach mit 28 Prozent rechnen.

Frankreich und der Terror

  • Juli 2016

    Am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli rast in der Hafenstadt Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Mindestens 84 Menschen werden getötet, mehr als 200 verletzt.

    Am 26. Juli haben in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie zwei Geiselnehmer einen Priester getötet, ein weiteres Opfer schwebt in Lebensgefahr. Die mutmaßlichen Täter wurden getötet. Der IS reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amak für sich.

  • Juni 2016

    Ein Mann ersticht in Magnanville westlich von Paris einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin. Die Polizei erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte.

  • Januar 2016

    Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

  • November 2015

    Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

  • August 2015

    Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Brüssel nach Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

  • Januar 2015

    Bei einem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris werden zwölf Menschen ermordet. Die beiden islamistischen Attentäter Chérif und Said Kouachi kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion nordöstlich von Paris um. Der Islamist Amedy Coulibaly, der die Brüder Kouachi kannte, erschießt bei Paris eine Polizistin und nimmt mehrere Geiseln in einem jüdischen Supermarkt. Er tötet dort vier Menschen, bevor er von der Polizei erschossen wird.

  • September 2014

    Die Gruppe Jund al-Khilafa („Soldaten des Kalifats“), ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat, enthauptet einen in Algerien entführten französischen Touristen.

  • November 2013

    In Mali werden zwei Mitarbeiter von Radio France Internationale (RFI) entführt und ermordet. Die Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb bekennt sich zur Tat. Zuvor hatte sich die Gruppe dazu bekannt, eine andere französische Geisel getötet zu haben.

  • März 2012

    Ein Serien-Attentäter erschießt sieben Menschen, darunter drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Er wird nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung erschossen. Zuvor hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

  • Oktober 2002

    Vor der Küste Jemens rammt ein mit Sprengstoff beladenes Boot den französischen Tanker „Limburg“. Ein Matrose kommt ums Leben. Al-Kaida bekennt sich zu dem Anschlag.

  • Dezember 1996

    Bei einem Anschlag mit einer Gasflaschen-Bombe im Pariser S-Bahnhof Port Royal kommen vier Menschen ums Leben. Bereits 1995 waren bei einer Serie von Terroranschlägen, die islamischen Fundamentalisten aus Algerien zugeschrieben werden, in Frankreich insgesamt acht Menschen getötet worden.

  • September 1989

    Bei einem Absturz eines französischen Flugzeugs in Folge einer Bombenexplosion an Bord über dem afrikanischen Staat Niger sterben 170 Menschen. Ein französisches Gericht verurteilt sechs Libyer in Abwesenheit zu lebenslanger Haft, unter ihnen einen Schwager des damaligen libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi.

Das ist ein weiterer Zustimmungsgewinn im Vergleich zu den Europa-Wahlen von 2014. Damals wurde der FN bereits stärkste Partei in Frankreich.

Neben der Region Nord-Pas de Calais, wo die FN-Vorsitzende Marine le Pen selbst als Spitzenkandidatin antritt, werden die Wähler des FN wahrscheinlich auch große Teile der Côte d'Azur und des südfranzösischen Hinterlandes auf dem Silbertablett servieren. Und laut den aktuellsten Umfragen könnte es sogar an der Grenze zu Deutschland zu einem Sieg reichen: in der Region Elsaß-Lothringen-Champagne-Ardennen. Frankreichs Regionalräte, nach einer Gebietsreform in diesem Jahr noch 13 an der Zahl, sind in etwa vergleichbar mit den deutschen Landtagen. Sie haben zwar in dem auf Paris zentralisierten Politiksystem weniger Mitspracherecht, aber vor allem bei der wirtschaftlichen Entwicklung große Macht.

Profiteure der Angst

Die Frage nach den Gründen für den Rechtsruck lässt sich zumindest für die vergangenen drei Wochen ziemlich zweifelsfrei beantworten. Seit den Terroranschlägen am 13. November ist die Zustimmung für die Rechtsnationalen weiter gestiegen. "Der FN ist tatsächlich die Partei, die von diesen Ereignissen profitiert", sagt Jean-François Doridot, Direktor des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Deren Kandidaten könnten sich vor die Wähler stellen und sagen: "Seht her, wir haben es euch doch immer schon gesagt."

Wahlen in Frankreich Der Terror öffnet Frankreichs Rechter Tür und Tor

Die Attentate in Paris werden politische Folgen haben. Bei den Regionalwahlen im Dezember wird die Rechte wegen der Sicherheitsdebatte großen Zulauf bekommen. Aus Paris berichtet Karin Finkenzeller.

Ein Meer von Blumen und Kerzen ist vor dem Restaurant in der Rue de Charonne zu sehen. Quelle: AP

Das Programm der Front-National-Partei, die sich gegen Einwanderung ausspricht, EU und Euro als schädlich für Frankreich bezeichnet und die Grenzen zu Frankreich wieder dicht machen möchte, trifft seit den Attentaten mehr denn je den Nerv der Bevölkerung. Bereits zuvor waren 79 Prozent der Franzosen der Meinung, dass die Aufnahme vieler Flüchtlinge erst recht einen Ansturm bewirke. 69 Prozent befürchteten, dass sich unter die Flüchtlinge auch Terroristen mischten. Das ist Wasser auf die Mühlen des FN, der Bundeskanzlerin Angela Merkel vorwirft, mit ihrer Politik der offenen Grenzen Frankreich zu gefährden. Dass tatsächlich zwei der Attentäter von Paris Anfang Oktober zusammen mit Flüchtlingen aus Syrien nach Europa gelangten, gilt der Partei nun als Beweis für diese These.

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