Für mehr Produktivität: Spanien will die Arbeitszeit drosseln

Für mehr Produktivität: Spanien will die Arbeitszeit drosseln

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Gute zwei Stunden Mittagspause sind in spanischen Unternehmen üblich. Die langen Arbeitstage der Spanier haben negativen Einfluss auf deren Produktivität

Der lange spanische Arbeitstag, oft von 9 bis 21 Uhr, gilt als einer der Gründe für die geringe Produktivität Spaniens. Wirtschaftsminister De Guindos will das ändern und dafür die Uhr wieder zurückstellen, von deutscher auf englische Zeit.

Móncia Bautista trinkt gemächlich ihren café con leche. Es ist 11.45 Uhr. Sie steht am Tresen einer Madrider Bar. Sie liest die Zeitung, redet gleichzeitig mit Arbeitskollegen und verdrückt dabei auch noch eine tostada (Toast). Ja, das spanische Frühstück findet in der Regel statt, wenn die Arbeiter in Deutschland schon anfangen, in die Kantine zu gehen. Dort gehen die Spanier selten hin, sie treibt es eher in die Restaurants, aber erst so gegen 14. Die Mittagspause dauert offiziell bei den meisten Firmen bis 16.30 Uhr. “Natürlich ist das nicht wirklich eine Pause, man macht Geschäfte”, sagt die Verlagsmitarbeiterin. Gegessen werde mit jemanden, der für einen beruflich wichtig sein kann.

Von wegen “faule Spanier”

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Durch diesen langgezogenen Tag arbeiten die Spanier im Durchschnitt rund 330 Stunden im Jahr mehr als die Deutschen. Denn nach dem meist üppigen Drei-Gänge-Menü mit Wein und Bier setzt sich Bautista noch mal drei Stunden oder auch vier Stunden an den Schreibtisch. Wenn die Spanierin dann völlig erschöpft gegen 20 Uhr den Griffel fallen lässt, dann geht die Arbeit für sie erst richtig los: “Ich muss die Hausaufgaben der Kinder kontrollieren, mit ihnen zu Abend essen und dann auch noch meinem Mann “versorgen”. Vor 1 Uhr bin ich fast nie im Bett.” Die Folgen: Übermüdung bei allen Beteiligten.

Engelmanns Eigenhandel Spanien-Renditen: Draghis Meisterstück

Nur mit Worten hat der Präsident der EZB es geschafft, die Märkte über ein Jahr lang in Schach zu halten. Spanien befindet sich weiter in einer Wirtschaftskrise. Die Rechnung für Draghi und den Euro kommt später.

Man übertreibt wohl nicht, wenn man die Hausse der Anleihen aus Staaten der Euro-Land-Peripherie als das Meisterstück Mario Draghis bezeichnet. Quelle: dpa

Am Ende des Jahres fehlen jedem Spanier rund zwei Wochen Schlaf, bewies Nuria Chinchilla, Leiterin des International Center on Work and Family an der IESE Business School in Barcelona, in einer Studie: “Das hat unter anderem in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Arbeitsproduktivität in Spanien enorm geschrumpft ist.” In den 90er Jahren ist das Pensum nach verschiedenen Studien zwar gestiegen, die Produktivität aber anders als in Deutschland oder Irland deutlich gefallen.

Nachdem auch die Gleichberechtigungs-Kommission des spanischen Parlaments zum Schluss gekommen ist, dass die Spanier zu viel arbeiten, denkt jetzt auch der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos über neue Arbeitszeiten in seinem Land nach, am liebsten nach europäischem Rhythmus und nach britischer und nicht mehr länger nach der deutschen Zeitrechnung. Damit würde Spanien auch wieder gleich mit den Kanarischen Inseln ticken, die 1942 ausgeschlossen wurden von Francos Entscheidung, sich zeitlich nach Nazi-Deutschland und nicht mehr länger nach England zu richten.

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