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Fußball-EM 2012: Ukraines Machthaber drängen das Land ins Abseits

von Florian Willershausen

Das Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft könnte ein prima Standort für deutsche Investoren sein. Wenn nur die Politiker wie Präsident Viktor Janukowitsch mitspielen würden.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch steht durch die Vorbereitungen zur Fußball-EM 2012 im besonderen Licht der Öffentlichkeit - Und macht keine gute Figur Quelle: dpa
Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch steht durch die Vorbereitungen zur Fußball-EM 2012 im besonderen Licht der Öffentlichkeit - Und macht keine gute Figur Quelle: dpa

Zu Hause auf der Anrichte liegen Fahne, Schal und DFB-Trikot schon bereit. Ein paar Tage muss der Münchner IT-Berater Torsten Gründer noch Kunden betreuen, dann wird er den seriösen Anzug gegen den Fußballfummel tauschen. Der 47-Jährige reist am Freitag nach Lemberg, wo für die deutsche Nationalelf die Fußball-EM beginnt. Gründer ist bei allen drei Spielen der Gruppenphase dabei – so wie meistens, wenn Deutschland auswärts spielt.

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Eigentlich nimmt sich Gründer für sein Hobby frei, dieses Mal stehen aber auch Geschäftstermine auf dem Programm. Der Münchner ist Experte für IT-Outsourcing, die Ukraine will er als möglichen Standort für seine Kunden unter die Lupe nehmen: „Dieses Land lockt mit guten Leuten zu günstigen Tagessätzen, aber wegen fehlender Rechtssicherheit sind bisher alle vorsichtig.“ Bei einer 2.500 Kilometer langen Reise durchs Land will der Münchner Geschäftspartner finden, die er guten Gewissens seinen Kunden empfehlen kann.

Politischer EM-Boykott

Während des Fußballfests sind die Flutlichter der europäischen Öffentlichkeit für vier Wochen auf die Gastgeber Polen und Ukraine gerichtet. Gerade die Ukraine, die viele im Westen immer noch als Protektorat Russlands sehen, hat diese Öffentlichkeit bitter nötig – auch um sich als Standort für Investitionen zu empfehlen.

Bisher aber ist für die Regierung so ziemlich alles schiefgelaufen. Dass der autokratische Präsident Viktor Janukowitsch seine Gegnerin Julia Timoschenko und einige ihrer früheren Kabinettskollegen aus fadenscheinigen Gründen inhaftieren ließ, führte zu Boykotten durch die EU-Kommission und deutsche Politiker. Auch Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) stornierte seine Reise, um ein „politisches Signal“ zu setzen, „dass man sich so der Europäischen Union nicht annähert“.

Das Potential ist vorhanden

Abseits der politischen Grabenkämpfe, die auch unter Ex-Ministerpräsidentin Timoschenko üblich waren, gilt die Ukraine durchaus als Standort mit Potenzial: Das Ausbildungsniveau ist gut, die Löhne sind günstig, geografisch liegt das Land an Europas Pforten – und mit 46 Millionen Einwohnern zählt die Ukraine nicht zu den kleinsten Absatzmärkten des Kontinents. Vor allem der Westen um die Stadt Lemberg gilt als interessante Region für Investoren. Der Kabelhersteller Leoni aus Nürnberg lässt eine knappe Autostunde südlich von Lemberg Kabelsätze für die Autoindustrie zusammenbauen. Hauptkunden sind Opel und VW, deren Werke in Deutschland und Polen von der Ukraine beliefert werden. Kabelproduktion sei bis heute mit viel Handarbeit verbunden, sagt Werksleiter Werner Geillinger. „Die Handgriffe am Band kann keine Maschine nachstellen.“ Das macht die Ukraine so attraktiv: Die Nettolöhne in der Region liegen im Schnitt bei 200 Euro pro Monat.

Ukraine in Zahlen

Geillinger ist seit zehn Jahren vor Ort, politisch bestens vernetzt, kein Premierminister in zehn Jahren, der seine Fabrik nicht besucht hat. Leoni ist mit rund 6.000 Mitarbeitern der größte ausländische Investor im Westen der Ukraine – weshalb es sich Geillinger leisten kann, die Regierung offen zu kritisieren. „Die Leute hier hoffen auf weitere Investoren, aber erst muss die Regierung bessere Gesetze schaffen.“ Damit meint er ein transparenteres Steuersystem und Vereinfachungen beim Grunderwerb – aber auch ein Freihandelsabkommen mit der EU, das die Zölle purzeln lassen würde.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.06.2012, 12:19 UhrBrathering

    Was interessieren mich die vermeintlichen Despoten sonstwo auf der Welt. Wer heute noch von Demokratie und Menschenwürde faselt, der hat intellektuell doch den abgefahrenen Zug noch nicht bemerkt.
    Wir leben in Europa - dort verteigt man Demokratie und den ganzen anderen lästigen "Müll" nur noch am Hindukusch (mit zukünftig 100 Mio. Euro jährlich!!). Aber welcher Politiker in Europa will schon Demokratie und Freiheit im eigenen Land. Hier wird man per se als Verbrecher behandelt, der Staat will wissen, was man hat, vedient, wo man es hat, mit wem man gesprochen hat und was man geschrieben hat - der gläserner Bürger ist aber sicher nötig für den Erhalt der multikulturellen Gesellschaft, denn schließlich muss man ja vermeiden, dass der von Hartz4 umsorgte Islamist frühzeitig ins Märtyrer-Paradies will. Was für eine perverse Politik!!!

  • 07.06.2012, 11:01 Uhrmathias

    @Knusperfisch
    Vielen Dank für die Bestätigung,das ich mit meiner Vermutung VOLL
    ins "Schwarze" getroffen habe.

    Übrigens- verlogenere Statistiken über AL-Zahlen als in Deutschland
    kann es gar nicht geben.

  • 06.06.2012, 23:22 UhrKnusperfisch

    Noch dazu ist hier von Ausbeutung keine Rede.

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