Gastbeitrag: Bei Anruf Geld: Das Weltkartell der Gelddrucker

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Gastbeitrag: Bei Anruf Geld: Das Weltkartell der Gelddrucker

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Im Kasino der Zentralbanken leihen sich die weltgrößten Notenbanken untereinander unbefristet Geld und heizen damit die globale Geldvermehrung an.

Mit dem ausgeweiteten Liquidität-Swap-Abkommen haben die weltgrößten Zentralbanken beschlossen, sich untereinander unbefristet Geld zu leihen. Das birgt gefährliche Risiken, eine einheitliche Weltgeldpolitik droht.

Am Donnerstag dieser Woche gab es eine Pressemitteilung: Die Bank von Kanada, die Bank von England, die Bank von Japan, die Europäische Zentralbank (EZB), das Federal Reserve System (Fed) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) gaben gemeinsam bekannt, dass sie ihre bestehenden, bisher befristeten „Liquidität-Swap-Abkommen“ in unbefristete Abkommen überführen.

Was sind „Liquidität-Swap-Abkommen“? Mittels dieser Abkommen leihen sich Zentralbanken untereinander Geld (und zwar vermutlich unbegrenzt, denn von Maximalgrenzen ist nicht die Rede). So ist die Fed zum Beispiel permanent bereit, der EZB US-Dollar zu leihen – und zwar neue, „aus dem Nichts“ geschaffene US-Dollar, versteht sich.

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Warum brauchen Zentralbanken Fremdwährungen? Sie selbst brauchen sie nicht, aber die Geschäftsbanken brauchen fremde Währungen. Euro-Banken etwa finanzieren ihre Geschäfte nicht nur mit Euro, sondern unter anderem auch mit US-Dollar. Sie nutzen zum einen dadurch günstige(re) Finanzierungskosten aus. Zum anderen vergeben sie Kredite nicht nur in Euro, sondern auch in US-Dollar und anderen Währungen.

Wie ein Liquiditäts-Swap funktioniert

  • Zwei Transaktionen

    Ein Liquidität-Swap erfolgt in zwei Transaktionen, sogenannten „Legs“.

  • Leg 1

    Die EZB „zieht“ ihre Swap-Linie, die ihr von der Fed eingeräumt wird. Das bedeutet, dass sie der Fed einen Euro-Betrag (z. B. 100 Mrd. Euro), den sie „aus dem Nichts“ schafft, zum gegebenen EUR/USD-Wechselkurs (z. B. 1,30) verkauft. Sie erhält dafür einen entsprechenden US-Dollar-Betrag (in diesem Beispiel 130 Mrd. US-Dollar), den die Fed ebenfalls „aus dem Nichts“ schafft.

  • Leg 2

    Die EZB verpflichtet sich, die 100 Mrd. Euro in der Zukunft (z. B. in drei Monaten) zurückzukaufen, und zwar zum unveränderten Wechselkurs, d. h., sie wird der Fed die 130 Mrd. US-Dollar zurückzahlen. Ein Wechselkursänderungsrisiko ist damit ausgeschlossen.

  • Dollar für Euro-Banken

    Die EZB verleiht die US-Dollar an Euro-Banken zu Konditionen (Zins, Absicherung, Laufzeit etc.), die sie selbst bestimmen kann. Die EZB (beziehungsweise letztlich der Euro-Steuerbürger) haftet dabei gegenüber der Fed für den US-Dollar-Betrag, den sie an die Euro-Banken verliehen hat. Die EZB (beziehungsweise der Euro-Steuerbürger) wird Schuldnerin der Fed.

  • Zinszahlung

    Am Ende des Liquidität-Swaps zahlt die EZB der Fed zudem den Zins, den sie den Euro-Banken für den US-Dollar-Kredit in Rechnung gestellt hat. Die Fed zahlt keinen Zins auf den Euro-Betrag, den sie von der EZB erhalten hat. Die Fed verpflichtet sich, den Euro-Betrag nicht zu investieren beziehungsweise auf einem Girokonto bei der EZB zu halten.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise gab es wiederholt ernste Probleme gerade auch für Euro-Banken: Investoren waren nicht mehr bereit, ihnen US-Dollar zu leihen. Den Euro-Banken drohte die Zahlungsunfähigkeit. Um das abzuwenden, griff die amerikanische Zentralbank bereits im Dezember 2007 zu Liquidität-Swap-Abkommen, zunächst mit der EZB und der SNB. Die Versorgung der Euro- und Schweizer-Banken mit US-Dollar war damit sichergestellt. Es folgten immer neue Liquidität-Swap-Abkommen mit immer mehr Zentralbanken sowie Verlängerungen auslaufender Abkommen – und endlich wurden auch bilaterale Abkommen abgeschlossen, in denen die beteiligten Zentralbanken versprachen, wenn nötig, sich gegenseitig jederzeit die eigene Währung zu leihen.

Es gab in 2009 nur kurzzeitig Rückgriffe auf US-Zentralbankkredite; in der Spitze beliefen sie sich auf etwa 550 Mrd. US-Dollar. Nachdem die Marktakteure gelernt hatten, dass die Zentralbanken die Geschäftsbanken zahlungsfähig halten, entspannte sich die Lage. Investoren liehen Banken wieder Geld. Allein schon die Aussicht auf eine jederzeit gesicherte Liquiditätszufuhr im Interbankenmarkt hat also die Sorgen vor Zahlungsausfällen vertrieben.

Es wäre jedoch vorschnell, diese Politiken als Erfolg zu feiern. Vielmehr stehen sie für eine Entwicklung, die nichts Gutes verspricht. Das wird deutlich, wenn man sich die Auswirkungen beziehungsweise die (politisch gewollten) Nebeneffekte vor Augen führt, die das Einrichten permanenter Liquidität-Swap-Abkommen nach sich ziehen dürften.

Die Auswirkungen

(1) Permanente Liquidität-Swap-Abkommen tragen dazu bei, die Marktzinsen zu verzerren und Fehlentwicklungen in Gang zu setzen. Euro-Banken und ihre Kunden können sich zu künstlich niedrigen Zinsen zum Beispiel US-Dollar beschaffen und damit (bei einer erwarteten Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar) amerikanische Wertpapiere kaufen. Das weitet die US-Dollar-Geldmenge aus und führt zu Spekulationsblasen oder offener Inflation in den USA, die nachfolgend auch in anderen Währungsräumen für Preisauftrieb sorgen dürfte. Einem Inflationierungskarussell wird Vorschub geleistet. 

(2) Durch die Liquidität-Swap-Abkommen verlieren die nationalen Zentralbanken die Hoheit über die heimische (Basis-)Geldmenge. Sie werden jeden Betrag in heimischer Währung zur Verfügung stellen (müssen), der ihnen von ausländischen Geschäftsbanken abgefordert wird, also von Banken, die eigenen Gewinnzielen nachgehen. Mit permanenten Liquidität-Swap-Abkommen wird die nationale Währungssouveränität de facto aufgehoben; die Zentralbanken sind vollends im Schlepptau der Bankenindustrie.  

Überblick über Swap-Abkommen

  • 2007

    US-Dollar-Liquidität-Swap-Abkommen: Zwischen dem 12. Dezember 2007 und dem 29. Oktober 2008 vereinbarte die Fed US-Dollar-Liquidität-Swap-Abkommen mit 14 ausländischen Zentralbanken. Die Abkommen liefen am 1. Februar 2010 aus.

  • 2009

    Fremdwährung-Liquidität-Swap-Abkommen: Am 6. April 2009 schloss die Fed Fremdwährungs-Liquidität-Swap-Abkommen mit vier ausländischen Zentralbanken, Laufzeitende 1. Februar 2010.

  • 2010

    Im Mai 2010 „reauthorisierte“ die Fed US-Dollar-Liquidität-Swap-Abkommen mit fünf ausländischen Zentralbanken bis zum Januar 2011. Diese Kreditlinien wurden dann bis zum 1. Februar 2014 verlängert.

  • 2011

    Am 30. November 2011 schloss die Fed für Fremdwährungen Liquidität-Swap-Abkommen mit der Bank von Kanada, der Bank von England, der Bank von Japan, der Europäischen Zentralbank und der Schweizer Nationalbank. Alle Zentralbanken vereinbarten zudem bilaterale Liquidität-Swap-Abkommen, Laufzeitende 1. Februar 2014.

  • 2013

    Am 10. Oktober 2013 schlossen die EZB und die People’s Bank of China ein bilaterales Währung-Swap-Abkommen in Höhe von maximal 350 Mrd. Yuan und 45 Mrd. Euro: Die EZB kann nun Euro-Banken Yuan-Kredite bereitstellen, die PBoC chinesischen Banken Euro-Kredite.

    Am 30. Oktober 2013 gaben die Bank von Kanada, die Bank von England, die Bank von Japan, die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Schweizerische Nationalbank bekannt, dass sie ihre bestehenden befristeten liquiditätszuführenden Swap-Vereinbarungen in unbefristete Vereinbarungen überführen, die bis auf weiteres in Kraft bleiben.

     

  

(3) „Moralische Wagnisse“ (oder auch: „Moral Hazard“) werden befördert: Für die Geschäftsbanken wird der Zugang zu Fremdwährungen, bereitgestellt zu den attraktiven Konditionen eines in der Regel politisch gesetzten Zinses, attraktiver. Dadurch werden Transaktionen wie Kreditvergabe oder Wertpapierkäufe ermutigt, die bei normalen Zinsen aus Risikoerwägungen nicht vollzogen würden. 

(4) Die Zentralbanken können aus Liquidität-Swap-Abkommen kaum mehr aussteigen (und wollen es vermutlich auch nicht). Die Finanzmärkte und insbesondere die Banken richten sich auf die ultralockere Geldpolitik ein. Ein Ausstieg aus dieser Politik würde folglich die Turbulenzen hervorbringen, die man mit Liquidität-Swap-Abkommen zu verhindern sucht.

US-Dollar-Liquidität-Swaps in Mrd. Dollar. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

(5) Wie die Basis-Geldmenge, die im Zuge von Liquidität-Swaps geschaffen werden kann, letztlich verwendet wird, lässt sich nicht kontrollieren. Wer kann garantieren, dass zum Beispiel neu geschaffene Euro nicht ausländischen Industrieunternehmen zugänglich gemacht werden, die sich so Finanzierungs- und Wettbewerbsvorteile sichern, und dann letztlich doch die umlaufende Euro-Geldmenge aufgebläht wird?

(6) Liquidität-Swap-Abkommen ebnen den Weg zur einheitlichen Weltgeldpolitik. Der (bisher zumindest in Ansätzen noch bestehende) internationale Währungswettbewerb wird zusehends ausgeschaltet: Für Sparer und Investoren schwindet die Möglichkeit, sich dem Missbrauch mit der elektronischen Notenpresse entziehen zu können. Bei einer Vereinheitlichung der Geldpolitik wird überall die gleiche Politik verfolgt: Tiefstzinsen und Geldmengenausweitung. Indem die Zentralbanken ihr Handeln immer enger koordinieren, steigt auch die Möglichkeit eines geldpolitischen Machtmissbrauchs: Eine Inflationspolitik im Gleichschritt zu betreiben, wird attraktiv(er), gerade in Zeiten einer akuten Überschuldung von Staaten und Banken.

Amerika führt

Die permanenten Liquidität-Swap-Abkommen werden die Geldpolitiken stärker denn je unter die amerikanische Vorherrschaft stellen. Der US-Dollar ist nach wie vor die dominierende und abgesehen von Gold auch die unangefochtene Reservewährung der Welt. Diese finanzwirtschaftliche Vormachtstellung Amerikas lässt sich vor allem durch drei Faktoren erklären:

Warum die USA weiter das sagen haben

(1) Die US-amerikanischen Finanzmärkte sind die weltweiten größten und bedeutendsten. Sie geben die Richtung für die weltweite Zins- und Finanzmarktpreisbildung vor.

(2) Die Geschehnisse auf den US-Finanzmärkten, die entscheidend von der amerikanischen Geldpolitik beeinflusst werden, haben in der Regel Rückwirkungen auf die internationalen Konjunkturen. Folglich verursacht die US-Geldpolitik „Zwänge“ für die Geldpolitiken in anderen Währungsräumen.

(3): Die Finanzbranche hat sich unter der Führung des US-Dollar zusehends globalisiert. Vor allem für Geschäftsbanken ist die amerikanische Zentralbankpolitik „lebenswichtig“, und so fordern die Banken von ihren heimischen Zentralbanken eine Geldpolitik ein, wie sie von der US-Zentralbank praktiziert wird.

Die Größe der Geschäftsbanken- und Zentralbankbilanzen im Euroraum. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

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In den USA, in Japan, in China, in Großbritannien und in der Schweiz ist es mit den bisher eingeleiteten Politiken gelungen, die Bilanzsumme von Geschäfts- und Zentralbanken wieder ansteigen zu lassen. Der Euroraum und Großbritannien hinken hinterher. In Großbritannien hat der Gouverneur der Bank von England daher signalisiert, die englische Zentralbank werde mit allen Mittel verhindern, dass der Banken- und Finanzsektor schrumpft; man will, dass er wieder anschwillt.

Als nächstes dürfte die EZB beginnen, den Anstrengungen der anderen nachzueifern. Denn ähnlich wie in Großbritannien schrumpft der Euro-Bankensektor – und das würde, wenn sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, absehbar zu einer Deflation führen.

Die Größe der Geschäftsbanken- und Zentralbankbilanzen in den USA. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Eine Deflation aber dürfte den Interessen der weltweit ausgerichteten Bankenindustrie und vielen Regierungen im Euroraum zuwiderlaufen. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn die EZB ganz bald zu Maßnahmen greift, die auch im Euroraum für ein Anwachsen der Geschäfts- und Zentralbankbilanzen sorgen – dazu zählen neben Zinssenkungen vor allem Aufkäufe von Wertpapieren.

Endergebnis

Die Zentralbanken können drohende Zahlungsausfälle von großen Schuldnern, allen voran Banken und Staaten, abwenden, indem sie die Geldmenge ausweiten: Die Zentralbanken sind in der Lage, jederzeit die Geldmenge um jeden politisch erwünschten Betrag auszuweiten, gewissermaßen auf „Knopfdruck“.

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Wenn Rezession und Arbeitslosigkeit stärker gefürchtet werden als Inflation – was heutzutage der Fall ist –, wird gerade in Krisensituationen die Geldmenge unbegrenzt ausgeweitet, wenn es gilt, Wirtschaftsprobleme abzuwehren.

Und wird erst einmal in einer Geldmengenvermehrung die Politik des kleinsten Übels erblickt, um den Problemen zu entkommen, die eine zuvor zu lockere Geld- und Schuldenpolitik verursacht hat, wird eine Inflationspolitik die absehbare Folge sein. Die Liquidität-Swap-Abkommen permanent zu machen, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.    

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