Gbureks Geld-Geklimper: Der heimliche Herrscher über Europa

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Der heimliche Herrscher über Europa

Kolumne von Manfred Gburek

EZB-Chef Mario Draghi steht vor scheinbar unlösbaren Aufgaben. Also müssen unkonventionelle Instrumente her, Tricks inbegriffen.

Was unternimmt ein Mann im höchsten Amt mit enormer Verantwortung für mehr als einen halben Kontinent, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht und von allen Seiten bedrängt wird wie jetzt Mario Draghi aus Anlass der Sitzung des EZB-Rats an diesem Donnerstag?

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Bisher hat er versucht, die Drängler vor allem mit Worten zu beruhigen. Hier folgen fünf von seinen 2013/14 vielfach verabreichten Beruhigungspillen in offizieller EZB-Übersetzung: „Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen.......Das geldpolitische Ziel der EZB ist Preisstabilität auf mittlere Sicht.......Dem Bankensystem sollte die nötige Liquidität bereitgestellt werden, aber das sollte kein Ersatz für mangelndes Kapital sein.......Wir schließen keine Option aus.......Der EZB-Rat hat sich einstimmig verpflichtet, sowohl konventionelle als auch unkonventionelle Instrumente einzusetzen.“

Draghi ist mit seinem EZB-Rat Hoffnungsträger, ja er ist mangels effizienter gesamteuropäischer Führung in Sachen Wirtschaftspolitik so etwas wie der heimliche Herrscher über Europa mit dem Kern Eurozone – nur dass er sich kraft Mandat theoretisch nicht in die Fiskalpolitik der Euroländer einmischen darf, sondern auf die Geldpolitik beschränken muss. Dazu gehören seit geraumer Zeit und wohl auch in nächster Zukunft extrem niedrige Zinsen. Was folgt daraus? Nicht wie erhofft hohe Investitionen in produktive Anlagen, sondern Anlageblasen: bei Anleihen, Aktien, in Deutschland der Mietpreisbremse zum Trotz immer noch bei Immobilien, je nach Entwicklung von Inflationserwartungen und Konjunktur demnächst womöglich wieder bei Edelmetallen und Rohstoffen.

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Morgen will sich die Europäische Zentralbank langfristig auf eine expansive Geldpolitik festlegen, mit Zinsen nahe der Nulllinie. Was bedeutet das für Konjunktur, Unternehmen, Anleger – und das Geldsystem?

Quelle: rtr

Draghis unlösbare Aufgaben

Draghis Zinsproblem ist bekannt: Mit dem Leitzins einschließlich begleitender Instrumente muss er es den schwachen wie den starken Euroländern recht machen – eine unlösbare Aufgabe. Derzeit orientiert er sich an den schwachen. Daraus folgt, dass es in den starken Ländern zu Blasen kommt. Würde er dagegen einen für schwache und starke Länder gleichermaßen geltenden höheren Durchschnittszins bevorzugen, bestünde die Gefahr, dass die schwachen in eine Wirtschaftskrise gerieten und die starken mitzögen oder dass die schwachen sich sogar vom Euro verabschieden müssten.

Eine weitere unlösbare Aufgabe besteht für die EZB darin, die Inflationserwartungen derart zu schüren, dass ihr eine Punktlandung bei etwas unter 2 Prozent gelingt, ihrem seit Jahren verfolgten Ziel. Das ist verrückt, weil es nicht funktionieren kann. Denn Inflation ist ein dynamischer Prozess, der sich nicht einfach stoppen lässt, sobald die 2 Prozent näher rücken. Nach den Mai-Daten beträgt die Inflation in der Eurozone 0,5 Prozent, in Deutschland 0,9 Prozent. Um das Ziel von annähernd 2 Prozent in absehbarer Zeit aus dem Hut zu zaubern, müsste Draghi tatsächlich die eingangs zitierten „unkonventionellen Instrumente“ einsetzen. Am Donnerstagnachmittag wissen wir mehr.

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