Gbureks Geld-Geklimper: Die große Retterin EZB

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Die große Retterin EZB

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Mario Draghi betätigt sich bis auf Weiteres als Geldpsychologe auf internationalem Parkett, um die Gemüter zu beruhigen

Kolumne von Manfred Gburek

Das internationale Schuldenproblem erfordert eine Radikallösung. Die wird allerdings noch lange auf sich warten lassen. Derweil ist besonders die EZB gefordert.

Wenn Analysten schon Monate vor dem Platzen der amerikanischen Häuserblase massiv auf die daraus entspringenden Gefahren hingewiesen haben, wenn sie danach ihrer Deflationsprognose konsequent treu geblieben sind und die Kundendepots entsprechend strukturiert haben, sind ihre aktuellen Studien zur europäischen Schuldenkrise mehr als nur einen Blick wert. Harter Stoff, den die Analysten der Vermögensverwaltung PSM aus Grünwald bei München uns da bieten, beginnend mit drei Vorschlägen zur Lösung der Schuldenkrise und endend mit dem Satz: „Erst muss es zu einer weiteren wesentlichen Verschärfung der Schuldenkrise kommen, bevor diese Lösungsvorschläge realisiert werden.“

  1. Die europäischen Länder lagern alle Staatsschulden, die über 60 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung hinausgehen, in einen Pool aus. Können sie ihre Schulden später bei noch so viel Haushaltsdisziplin und Reformeifer nicht mehr bedienen, springt die EZB für die Schuldentilgung ein.

  2. Die EZB – alternativ der Rettungsschirm ESM mit Banklizenz – kauft, ähnlich wie die USA und Japan es schon vorexerziert haben, Staatsanleihen auf, beispielsweise bis zu 3 Billionen Euro. Da alle Bemühungen zum Abbau von Haushaltsdefiziten der hoch verschuldeten europäischen Länder scheitern dürften, wird die EZB später auf die Begleichung der Forderungen aus ihren Staatsanleihenkäufen verzichten.

  3. Als „sinnvollste und gleichzeitig kostengünstigste Sofortlösung“ bezeichnet PSM eine befristete vollständige Rückzahlungsgarantie der EZB für alle Staatsanleihen der EU-Länder. Dadurch könnten die von der EZB garantierten Anleihen eine ernst zu nehmende Alternative zu amerikanischen und japanischen Anleihen werden. Die Folge: „Sofort würde die Zinsbelastung für neu emittierte Staatsanleihen bei den meisten Euro-Mitgliedsstaaten deutlich sinken.“
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Die Hilfsmittel der EZB

  • Billige Kredite

    Draghi senkte den Zinssatz für wöchentliche Kreditgeschäfte auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Banken, die dringend frisches Geld brauchen, können sich so leichter refinanzieren.

  • Unbegrenzte Liquidität

    Seit dem Herbst 2008 verleiht die EZB unbegrenzt Geld. Draghi setzte noch eins drauf: Die Institute durften sich zusätzlich mit dreijährigen Krediten von insgesamt einer Billion Euro eindecken.

  • Weniger Sicherheiten

    Die EZB hatte die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen dürfen, deutlich gesenkt. Draghi hat diese nun noch weiter gelockert.

  • Kauf von Pfandbriefen

    Die EZB hat für 70 Milliarden Euro Pfandbriefe gekauft und belebte so den Markt für dieses sehr wichtige Refinanzierungsinstrument der Banken.

  • EZB zahlt keine Zinsen mehr

    Draghi hat den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken auf null gesenkt. Die Geldhäuser sollen ihre überschüssige Liquidität lieber an Konkurrenten verleihen – oder als Kredite an die Realwirtschaft geben. So will er den Geldmarkt wiederbeleben.

  • Strengere Aufsicht

    Draghi hat es satt, von nationalen Aufsehern beschummelt zu werden. Er will auf wichtige Bankdaten zugreifen können.

Harte Kanzlerin kontra Weich-Euro-Männer

Solche Vorschläge zu unterbreiten, ist eine Sache, sie durchzusetzen, eine andere. Dennoch: Wenn EZB-Chef Mario Draghi, wie neulich in London geschehen, dem Euro die Treue schwört, ist das nichts anderes als eine Absichtserklärung mit dem Hintergedanken an einen von den drei PSM-Vorschlägen oder an eine Mischung daraus. Und wenn Kanzlerin Angela Merkel als die zurzeit  wichtigste europäische Politikerin im Kampf gegen die Schuldenkrise einfach nur schweigt, signalisiert das: Mögen die anderen Staats- und Regierungschefs der Eurozone sie noch so sehr verbal herausfordern, am Ende wird sie Ähnliches im Schilde führen wie Mario Draghi.

Nur gibt es da noch einen gewissen Unterschied: Während Draghi sich bis auf Weiteres allein als Geldpsychologe auf internationalem Parkett zu betätigen braucht, um die Gemüter zu beruhigen, denkt Merkel schon an den Bundestagswahlkampf in gut einem Jahr. Sie kann die Gemüter potenzieller Wähler nicht einfach nur dadurch beruhigen, dass sie den Euro wortgewaltig verteidigt; das hat sie schon zur Genüge getan. Sie ist vielmehr gut beraten, aus wahltaktischen Gründen so lange zu schweigen, bis einer ihrer Gegner in Europa und anderswo Fehler begeht, die sie zur eigenen Profilierung ausschlachten kann, und sich dem Wahlvolk als harte Kanzlerin zu präsentieren, die es den Weich-Euro-Männer mal so richtig zeigt.

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