Gbureks Geld-Geklimper: Die nächste Krise kommt bestimmt

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Die nächste Krise kommt bestimmt

Kolumne von Manfred Gburek

Wir haben uns an Finanz-, Wirtschafts- und sonstige Krisen gewöhnt. Leider auch daran, dass sie angeblich zu bewältigen sind. Ein großer Irrtum.

Es war im Januar 2010, als ich zufällig einen alten Bekannten traf. Er hatte sich inzwischen vom Journalismus verabschiedet, was wegen der Krise vieler Medien sicher eine kluge Entscheidung war, und wurde zu einem mehr oder weniger erfolgreichen Vermögensverwalter.

Auf meine Frage, wie er die Krise einschätze, stellte er mir die Gegenfrage: „Krise? Welche Krise? Schau dich um. Siehst du das Restaurant da drüben? Ich komme von dort, kein Platz mehr frei.“ Unser anschließendes Gespräch mit viel pro und kontra Krise verlief unentschieden.

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Euro-Krise Aussitzen geht nicht mehr

Gut fünf Jahre nach Ausbruch der Schuldenkrise spielt Berlin immer noch auf Zeit und hofft auf ein Wunder. Doch allmählich fliegt der Bundesregierung ihre Euro-Krisenpolitik um die Ohren.

Vor dem EuGH wird das umstrittene OMT-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen unter die Lupe genommen. Quelle: dpa

2010 sollte ein Jahr des Aufbruchs werden. Vermögensverwalter, Banker und Politiker gingen jedenfalls davon aus, dass das Schlimmste überstanden war: Finanz- und speziell Bankenkrise dank Geldschwemme abgehakt, Pleitebank Lehman Brothers nur noch ein Erinnerungsposten, Wirtschaftskrise überwunden, Auftragsbücher allmählich wieder gefüllt und Aktienkurse auf Höhenflug.

Bis im Frühjahr 2010 die nächste Krise hereinbrach, kurz Eurokrise genannt: Griechenland wegen alter und neuer Schummeleien auf der Anklagebank, Anleihen der Euroländer im Sinkflug (außer deutschen Bundesanleihen), Flucht in Dollar und Gold.

Aus Anleihen wird Fallobst

Diese Krise hatte sich bereits 2009 angedeutet: Nachdem die Renditen von Anleihen der Euroländer von 2001 bis 2008 wie ein Ei dem anderen geglichen hatten – die sogenannte Konvergenz -, war damit seit 2009 Schluss. Vor allem griechische und portugiesische Anleihen rentierten bis weit ins Jahr 2012 pleiteverdächtig hoch zweistellig.

Das verhieß nichts Gutes, denn im Zuge des Renditeanstiegs sausten die Anleihenkurse wie Fallobst nach unten. Doch dann, im Juli 2012, bereitete EZB-Zampano Mario Draghi dem Spuk ein Ende: Er versprach, die EZB werde alles Denkbare – implizit offenbar auch alles Undenkbare – unternehmen, um den Euro zu retten.

Und siehe da, Renditen und Anleihenkurse gehorchten ihm. Die alte Konvergenz ist zwar bis heute noch nicht wieder hergestellt, aber Draghi gibt sich zumindest bei jeder Gelegenheit – wie zuletzt erst wieder vor wenigen Tagen – allerhand Mühe, sie herbei zu beschwören.

Thomas Mayer "Nach der Finanzkrise droht die Geldkrise"

Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Instituts, plädiert für eine radikale Reform unseres Geldsystems.

Thomas Mayer, Volkswirt und Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Die Eurokrise ad acta zu legen, wäre dennoch leichtsinnig. Allein schon ein Blick auf die Entwicklung des Euro im Vergleich zum erstarkten Dollar während der vergangenen Monate spricht Bände. Dass man uns trotzdem die Euro-Schwäche als Konjunkturprogramm verkaufen will, weil ein schwacher Euro angeblich den Export belebt, ist ganz einfach dreist.

Deutsche Exporte haben während der vergangenen Jahrzehnte immer wieder neue Rekordhöhen erreicht, während die Mark und später zeitweise auch der Euro gestiegen sind. Dass so etwas anderen Euroländern nicht gelungen ist, liegt an deren Strukturschwäche.

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