Gbureks Geld-Geklimper: Draghis neuer Instrumentenkasten

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Draghis neuer Instrumentenkasten

Kolumne von Manfred Gburek

Die EZB steht vor ihrer nächsten Mammutaufgabe, sie muss wieder einmal die Banken im Euroraum retten. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht absehbar.

Diese Schlagzeile gibt zu denken: „Rege Nachfrage von Privatanlegern nach Griechenlandanleihe“. So jubelte am vergangenen Dienstag die Börse Stuttgart. Ja sind denn die Anleger von Sinnen? Haben sie die Skandale um S&K, Prokon, Infinus – und wie die Versprecher hoher Renditen sonst noch heißen mögen – schon wieder so schnell vergessen? Der Vergleich eines Eurolands mit dubiosen Anlagefirmen mag manchen Lesern verwegen vorkommen. Aber ist er es wirklich? Immerhin musste auch Griechenland einen mit 4,75 Prozent im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen um ein Mehrfaches höheren Zins anbieten, um Anleger aus der Reserve zu locken.

Schuldenkrise Investoren reißen sich um Griechenland-Anleihen

Die Rückkehr der Griechen an die Kapitalmärkte ist gelungen. Die Auktion der fünfjährigen Staatsanleihen war rund sechsfach überzeichnet – obwohl das Land weiter tief in der Krise steckt.

Griechenland hat am Kapitalmarkt Geld eingesammelt. Quelle: dpa

Die Zeit zweistelliger Renditen für griechische Staatsanleihen mit dem Hoch bei über 30 Prozent vor gerade mal zwei Jahren ist vorbei. Mehr noch, jetzt zeichnet sich sogar eine Wiederholung der Zinskonvergenz im Euroraum ab, wie wir sie bereits während der Nullerjahre erlebt haben. Das heißt, die Renditen der Staatsanleihen nähern sich wieder an. Wem das die Griechen, aber auch Italiener, Spanier, Portugiesen und so weiter zu verdanken haben, liegt auf der Hand: EZB-Chef Mario Draghi, der nicht müde wird, zu betonen, „alle verfügbaren Instrumente“ einzusetzen, um „einen hohen Grad an geldpolitischer Akkomodierung beizubehalten“. Mit anderen Worten, um den Euro zu erhalten, koste es, was es wolle.

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Zinsentscheid Welche Maßnahmen der EZB noch bleiben

Die Europäische Zentralbank ändert den Leitzins nicht. Aber schon nächsten Monat könnte sie auf die niedrige Inflationsrate reagieren. Welche Instrumente die EZB diskutiert, wie wahrscheinlich sie sind.

EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: rtr

Eines der Instrumente, das zum Einsatz kommen könnte, bestünde im Kauf von Staatsanleihen durch die EZB nach dem Muster von Quantitative Easing in den USA. Sogar das Volumen macht schon die Runde: 1 Billion Euro pro Jahr mit dem Ziel, die Inflation von derzeit 0,5 Prozent um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen und damit dem Inflationsziel der EZB von etwas unter 2 Prozent näher zu kommen. Auch negative Einlagezinsen und Liquiditätshilfen für Banken stehen zur Debatte. Anleihekäufe dürften sich nicht so stark auswirken wie in den USA, weil Kredite im Euroraum überwiegend von Banken vergeben werden, während sie drüben in erster Linie über den Kapitalmarkt funktionieren.
Also tüfteln die Leute in der EZB gerade Methoden aus, um das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Im Mittelpunkt: verschiedene Instrumente, um den Banken zu helfen. Denn das europäische Bankensystem droht zu erstarren, und marode Institute dürfen nach dem Motto „too big to fail“ (zu groß, um pleite zu gehen) nicht so einfach von der Bildfläche verschwinden. Oder um einen weiteren passenden Begriff zu verwenden, der das System treffend widerspiegelt: „moral hazard“. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass sogenannte systemische bzw. systemrelevante Banken nach Herzenslust zocken können, weil sie eine implizite Staatsgarantie genießen.

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