Gbureks Geld-Geklimper: EZB und Bundesbank geraten in Konflikt

kolumneGbureks Geld-Geklimper: EZB und Bundesbank geraten in Konflikt

Kolumne von Manfred Gburek

Der Bundesbank-Gewinn ist eingebrochen. Die Folgen: Finanzminister Wolfgang Schäuble muss Abstriche am Bundesetat machen, deutsche Steuerzahler finanzieren Euroländer.

Schlimm genug: Der Gewinn der Deutschen Bundesbank ist im vergangenen Jahr auf 643 Millionen Euro zusammengeschrumpft, ein Rückgang um fast 71 Prozent verglichen mit dem Vorjahr und um fast 90 Prozent verglichen mit dem Rekordjahr 2008. Und das, obwohl der Zinsertrag netto um über 33 Prozent gestiegen ist. Aber was noch schwerer wiegt: Der Abwärtstrend der Gewinnkurve ist offensichtlich nicht mehr aufzuhalten, Ergebnis eines aus „Finanzoperationen, Abschreibungen und Risikovorsorge“ bestehenden hohen Negativpostens, der sich nicht mal eben ins Positive drehen lässt. Ein Blick in die Bundesbank-Bilanz lässt da kaum Hoffnung aufkommen, besteht ihr mit Abstand größter Posten auf der Aktivseite doch in den zurzeit heiß diskutierten, 2011 um gut 42 Prozent gegenüber 2010 gestiegenen Target2-Salden. Zum Vergleich: Deren rechnerischer Wert macht inzwischen fast das Zweieinhalbfache des Bundesbank-Goldes aus. Ihr steiler Anstieg von der Nulllinie begann erst 2007, hat also mit der damals einsetzenden internationalen Finanzkrise zu tun. Und weil deren Ende längst nicht abzusehen ist, werden wir uns wohl noch lange mit Target2 beschäftigen müssen.

Bundesbank-Präsident spielt Risiko herunter

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Der Klarheit halber erscheint es zunächst zweckmäßig, den entscheidenden Begriff zu definieren. Wie gut, dass da aus der jüngsten Zusammenarbeit von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mit der FAZ seine folgende Definition entstand: „Target2 ist sozusagen das Leitungsnetz, in dem Liquidität im Euroraum zirkuliert. Mit diesem Zahlungssystem wird in der Währungsunion grenzüberschreitend Zentralbankgeld zwischen den nationalen Notenbanken übertragen.“ Auslöser ist jeweils die Überweisung von Zentralbankgeld aus einem Land in ein anderes, woraus Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) entstehen. Die mit Abstand größten Forderungen sind bei der Bundesbank hängengeblieben.

Weidmann hält die Kritik an den Target2-Salden für „nicht sachgerecht“ mit der Begründung, sie enthielten „kein eigenständiges Risiko“, weil er „ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd“ hält. Der Knackpunkt besteht indes darin, dass die im Euroraum zirkulierende Liquidität vor allem durch Refinanzierungsgeschäfte nationaler Notenbanken mit Geschäftsbanken zustande kommt und solche Geschäfte sich im Zuge der Finanzkrise nach Weidmanns Berechnungen auf über 1,1 Billionen Euro mehr als verdoppelt haben, dass ihre mittlere Laufzeit von wenigen Wochen auf fast drei Jahre gestiegen ist und dass der Anteil der problematischen Peripherieländer des Euroraums an der Refinanzierung von einem Sechstel auf etwa zwei Drittel zugenommen hat, wodurch ihre Target2-Verbindlichkeiten mittlerweile über 750 Milliarden Euro ausmachen.

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