Gbureks Geld-Geklimper: Jetzt ist Liquidität Trumpf

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Jetzt ist Liquidität Trumpf

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Die lockere Geldpolitik der EZB pusht die Kurse von Aktien und Anleihen nach oben.

Kolumne von Manfred Gburek

Die lockere Geldpolitik hat ihre Schuldigkeit getan, die Kurse von Aktien und Anleihen nach oben gepuscht, aber der Wirtschaft in Europa wie auch in Amerika nur bedingt geholfen. Nun drohen Konsequenzen.

Aktien angeschlagen, Anleihen problematisch, US-Wirtschaftsdaten enttäuschend, Gold auf dem Weg zur Erholung, was sollen Anleger jetzt tun? Liquide bleiben oder werden! Liquidität, dieser Begriff wird uns in den kommenden Monaten immer wieder verfolgen: Weil die extrem lockere Geldpolitik von EZB und Fed zur Überbewertung von Anleihen und Aktien geführt hat, weil ihre Wirkung nur noch gering ist, weil Großanleger jetzt mit dem Verkauf umfangreicher Aktienpakete beginnen und weil von der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds Mitte April bereits entsprechende Signale ausgegangen sind.

Das „fiat money“, Geld aus dem Nichts, könnte seine kurstreibende Wirkung an den Börsen zwar theoretisch weiter entfalten, aber dazu müssten Mario Draghi und Janet Yellen dem Patienten Wirtschaft in der Praxis eine zusätzliche Dosis Geld verabreichen. Denn der Patient gibt sich mit der bisherigen Dosis nicht mehr zufrieden. Doch das Duo Draghi/Yellen hat ein Problem: Geldpolitik als Konjunktur-Stimulanz bleibt umstritten; schließlich ist das viele „fiat money“ bisher nachweisbar weniger der produzierenden Wirtschaft als als den Börsenspielern zugute gekommen.

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Ökonomen zu den Staatsanleihenkäufen der EZB

  • Hans-Werner Sinn, ifo Institut

    "Die EZB sollte keine Staatspapiere kaufen, denn dann würde sie die Zinsen der Wackelstaaten weiter drücken und sie anregen, sich noch mehr zu verschulden. Der Kauf wird von Artikel 123 des EU-Vertrages zu Recht verboten, weil er einer verbotenen Monetisierung der Staatsschulden gleichkommt. Man sollte auch bedenken, dass selbst die US-Notenbank Fed keine Staatspapiere von Gliedstaaten kauft. Kalifornien, Illinois oder Minnesota stehen am Rande der Pleite, und doch hilft die Fed ihnen nicht mit Krediten. Es ist schlichtweg unakzeptabel, dass die EZB meilenweit über die Fed hinausgeht, obwohl Europa den gemeinsamen Bundesstaat noch gar nicht gegründet hat. Die EZB-Politik treibt die Staaten Europas in Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse und wird längerfristig nichts als Streit und Spannungen erzeugen."

  • Marcel Fratzscher, DIW

    "Die EZB verfehlt ihr Mandat der Preisstabilität und ist dabei, ihr wichtigstes Gut zu verlieren: ihre Glaubwürdigkeit. In letzter Instanz ist der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ein notwendiges Übel, um ihrem Mandat gerecht zu werden. Je zögerlicher die EZB handelt, desto weniger effektiv ihre Geldpolitik und desto höher die Risiken."

  • Michael Heise, Allianz Group

    "Ich sehe derzeit keine Deflationsgefahren, die Staatsanleihekäufe rechtfertigen könnten. Ohne die notwendigen Anpassungsprozesse in den Peripherieländern und dem ökonomisch vorteilhaften Ölpreisrückgang läge die aktuelle Inflationsrate in etwa um einen Prozentpunkt höher, als es derzeit der Fall ist. Die Jagd nach Rendite und die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten würden weiter erhöht, der Anreiz, fürs Alter langfristig zu sparen, würde weiter vermindert."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Seit Anfang 2009 ist der Zuwachs der Geldmenge M3 mit durchschnittlich 1,7 Prozent weit hinter dem Referenzwert von 4,5 Prozent zurückgeblieben, den einst EZB und Bundesbank für sinnvoll hielten. Entsprechend schwächelt die Konjunktur, während der Preisauftrieb auch ohne Öl gefährlich nah an die Deflation herankommt. In dieser Lage muss die EZB mit einer Offenmarktpolitik gegenhalten, also mit dem Kauf von Anleihen auf dem offenen Markt, der auch Staatsanleihen umfassen sollte."

  • Volker Wieland, Sachverständigenrat

    "Es ist nicht notwendig, nun auch noch mit breit angelegten Staatsanleihekäufen auf den Ölpreisverfall zu reagieren. Die EZB sollte nicht nur auf Deflationsrisiken schauen, sondern auch berücksichtigen, dass sie als Käufer von Staatsanleihen den Regierungen zusätzlichen Anreiz gäbe, notwendige Strukturreformen aufzuschieben."

Liquidität ist erstens Geld, zweitens Liquidierbarkeit und drittens Zahlungsfähigkeit. Mit Liquidität bezeichnet man aber auch die Marktbreite. Deutsche Bundesanleihen und amerikanische Treasuries sind in diesem Sinn sehr liquide, viele Anleihen deutscher Mittelständler und Rollover-Staatstitel griechischer Banken dagegen so gut wie illiquide. Und nun zeichnet sich auch noch ab, dass die Marktbreite von bisher liquiden internationalen Anleihen immer mehr zu wünschen übrig lässt – eines der beim Währungsfonds am heißesten diskutierten Themen.

Die größte Gefahr geht von Anleihen aus

Wenn weiter nach vorn blickende Großanleger jetzt mit dem Verkauf umfangreicher Aktienpakete beginnen, nutzen sie also die noch vorhandene Liquidität der Märkte aus – und bewirken damit, dass die Kurse fallen. Das ist zuletzt besonders gut sichtbar am Dax-Verlauf zu erkennen, ansatzweise auch bei amerikanischen Aktien, während die Aktienkurse in Japan und China relative Stärke zeigen. Die größte Gefahr geht von den Anleihemärkten aus. Dort zocken kaum kontrollierte Hedgefonds gern mit Derivaten. Es dürfte wohl nur einen geringen Anstoß von dieser Seite brauchen, und schon wäre die Liquidität allseits auf eine harte Probe gestellt.

Gbureks Geld-Geklimper Die zerstörerische Kraft der Zinsen

Die negativen Folgen der niedrigen Zinsen zeichnen sich immer deutlicher ab. Die weitere Entwicklung ist bereits programmiert.

Sparschweine Quelle: dpa

Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden oder gestorben, so lautet ein unter Börsianern gängiger Spruch. Wenn jetzt Großanleger mit umfangreichen Aktienverkäufen beginnen, handeln sie danach. Solange Kurse sich einigermaßen oben halten, weil andere Anleger im Hinblick auf die kommende Kursentwicklung optimistisch sind und deshalb dagegenhalten, können Börsen als liquide gelten. Knicken die Kurse dagegen ein, werden die Börsen zunehmend illiquide. Wer bis dahin noch nicht verkauft hat, erleidet folglich einen doppelten Schaden: erstens wegen des Kursverfalls und zweitens, weil die Marktenge zur Streckung der Verkäufe über Wochen, wenn nicht sogar Monate zwingt. Insofern sind flexible private Anleger verglichen mit Fondsmanagern im Vorteil.

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