Gbureks Geld-Geklimper: Startschuss für die Dicke Bertha

ThemaEZB

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Startschuss für die Dicke Bertha

Bild vergrößern

Am 22. Januar gibt der EZB-Rat Details zum Kauf von Staats- und sonstigen Anleihen bekannt.

Kolumne von Manfred Gburek

Der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB ist praktisch beschlossen. Jetzt beginnt das große Zittern, ob das angepeilte Inflationsziel in absehbarer Zeit zu erreichen ist.

Kein Stress durch den Europäischen Gerichtshof: Ihr Generalanwalt hat den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB für rechtens erklärt, basta. Die angemahnten Bedingungen dafür sind Formsache, etwa wenn er die Verhältnismäßigkeit und eine stichhaltige Begründung fordert. Als wenn gravierende Entscheidungen üblicherweise unverhältnismäßig und unbegründet ausfielen! Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn das umfangreiche abschließende Urteil dazu im Herbst veröffentlicht wird, dürften die Formalitäten ohnehin längst von den Ereignissen überholt sein. Das nächste wichtige Ereignis steht uns ja schon am 22. Januar bevor, wenn der EZB-Rat Details zum Kauf von Staats- und sonstigen Anleihen bekanntgeben wird.

Anzeige

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

  • Worum es geht

    Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins überraschend auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. In der anschließenden Pressekonferenz kündigte Zentralbank-Chef Mario Draghi zudem an, dass die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen wird. Ökonomen und Händler sagten dazu in ersten Reaktionen:

  • Hans-Werner Sinn, ifo-Präsident

    "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten."

  • Ralf Umlauf, Helaba

    "Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet."

  • Eugen Keller, Metzler Bank

    "EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband BDB

    "Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die EZB hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering. Auf der anderen Seite wächst mit den Aktivitäten der EZB die Gefahr, dass die in mehreren Euro-Ländern dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden."

  • Marco Bargel, Postbank-Chefvolkswirt

    "Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden."

  • Carsten Brzeski, ING

    "Beginnt jetzt auch EZB-Chef Mario Draghi damit, Geld aus dem Hubschrauber abzuwerfen? Wenn Draghi um 14.30 Uhr mit der Pressekonferenz beginnt, wissen wir mehr. Dann wird sich zeigen, ob die Zinssenkung nur das Vorspiel für weiteres geldpolitisches Feuerwerk sein wird oder er damit den bequemsten Weg wählte, um unkonventionelle Maßnahmen in großem Stil ohne Gesichtsverlust abzuwenden."

  • Ein Aktienhändler

    "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hat kaum einer gerechnet. Bei der Senkung der Zinsen handelt es sich zwar nur noch um Nuancen, aber das ist ein wichtiges Signal an die Kapitalmärkte, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, was nötig ist."

Und dann? Fraglos wird es zu einer neuen hitzigen Debatte über diese von den einen als inflationstreibende Schandtat gebrandmarkte, von den anderen als notwendig erachtete Maßnahme kommen. Doch mit Debatten lässt sich keine Geldpolitik betreiben.

Viel spannender ist es, der Frage nachzugehen, was die EZB aus Anlass und im Gefolge ihrer Entscheidung vom 22. Januar unternehmen wird, um die Eurozone auf die Spur zu bringen. Die Spur soll bekanntlich zu einer Inflation von etwas unter zwei Prozent führen, zu einem Ziel, das in Anbetracht der aktuellen Inflation von minus 0,2 Prozent unerreichbar erscheint. Und dennoch, EZB-Chef Mario Draghi hält eisern an diesem Ziel fest. Machen wir uns also auf spannende Monate gefasst!

Harte Kritik an Weidmann und Stark

Draghi erhält zunehmend Unterstützung aus der Wissenschaft, zuletzt vehement von Adalbert Winkler, Professor an der Frankfurt School of Finance & Managemant. Der warnt vor Deflation, ja er meint sogar, es gebe Leute in führenden Positionen, die von Deflationsphobie besessen seien. Winkler watscht in einem Atemzug Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wegen dessen Auslassungen zum Inflationsziel ab und lässt am früheren EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wegen dessen Warnungen vor der lockeren EZB-Geldpolitilk kein gutes Haar.

Und er warnt, dass mit der bisherigen Geldpolitik allein keine steigenden Inflationsraten herbeigezaubert werden können. Sein Credo: „Sofern die EZB angesichts der Nullzinsgrenze ihrem Mandat nachkommen will, muss sie ihre Bilanz ausweiten. Dies kann nur über den Kauf risikobehafteter privater Papiere oder von Staatsanleihen erfolgen.“

Markus C. Kerber "Das Euro-Projekt ist eine Falle"

Markus C. Kerber, Professor für Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik, erneuert vor dem EuGH seine Vorwürfe gegen die EZB. Er sagt: Die Notenbank betreibt Staatsfinanzierung und verlängert das Leiden der Euro-Zone.

Quelle: dpa, dapd

Dazu wird es dann wohl kommen. In Erwartung dessen und weil die Nullzinspolitik schon eine ganze Weile anhält, ist viel Geld in Aktien, Immobilien und weitere Anlagen geflossen, die man allenthalben für Sachwerte hält. Dem schließt sich der Staatsanleihenkauf nahtlos an. Über dessen Wirkung lässt sich trefflich spekulieren.

Insofern ist eine Aussage von Draghi hilfreich, als er neulich auf eine mögliche Blasenbildung angesprochen wurde: „Obwohl wir diese Möglichkeit für die Zukunft nicht ausschließen können, sehen wir derzeit keine spekulativen Blasen.“ Soll wohl heißen: Sofern das viele Geld keinen anderen Weg findet, etwa in produktive Anlagen oder in den Konsum, fließt es vor allem in Aktien und Immobilien.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%