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kolumne Gbureks Geld-Geklimper: Von der Inflation zur Repression

Kolumne von Manfred Gburek

Die Schuldenkrise erfordert drastische Gegenmaßnahmen. Anleger sind gut beraten, sich darauf vorzubereiten.

Eines kann man Mario Draghi sicher nicht vorwerfen: Tatenlosigkeit. Seit der Italiener vor bald 100 Tagen an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) aufrückte, kramt er tief im Instrumentenschrank. Schließlich brennt es im Euroraum lichterloh - und nicht wenige sehen in der EZB den einzigen potenten Retter im Kampf gegen Schuldenkrise, drohenden Bankenkollaps und Rezession. „Realistisch gesehen verfügt gegenwärtig nur noch die Geldpolitik über die Mittel, die Wirtschaft zu beleben“, sagt etwa Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Bild: dpa

Inflation, dieses Thema rückt wieder mehr ins Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise, seit die letzten Lohnabschlüsse ohne großes Tamtam über die Bühne gegangen sind. Doch es wäre zu kurz gesprungen, als Begründung allein das zusätzliche Salär für Flugzeug-Einparker, Krankenschwestern oder Müllmänner heranzuziehen. Denn was sich an inflationärem Potenzial zusammenbraut, ist viel komplexer – und wird die Geldanlage von uns allen in den kommenden Jahren stärker beeinflussen, als uns lieb sein kann.
Beginnen wir mit dem Herrn, dem die "Bild"-Zeitung bereits vor Amtsantritt eine Pickelhaube auf den Kopf montierte, was offenbar an preußische Tugenden erinnern sollte, zu denen auch eine stabile Währung gehörte: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Der revanchierte sich denn auch freundlich bei der "Bild"-Chefetage mit den Worten: „Mir hat das gut gefallen. Das Preußische ist ein gutes Symbol für den Auftrag der EZB: Preisstabilität zu wahren und die europäischen Sparer zu beschützen.“

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Die EZB muss weiter expansiv bleiben

Wirklich nett formuliert, doch was heißt das schon? Auf die "Bild"-Frage, ob der Betrag von nahezu einer Billion Euro, den die EZB zuletzt in Umlauf gebracht hat, nicht die Inflation schüre, antwortete Draghi, das viele Geld sei zu großen Teilen ja gar nicht in den Wirtschaftskreislauf geflossen, sondern Banken hätten damit alte Verbindlichkeiten abgelöst. Folglich sei das Geld mit Blick auf die Inflation „gleichsam neutralisiert. Dieser Vorgang schürt nicht die Inflation.“

Geldflut der EZB Die Eine-Billion-Euro-Frage

Die Zentralbank hat Europas Banken die unvorstellbare Summe von einer Billion Euro verschafft. Wer am meisten davon profitiert, wohin das Geld fließt, wo neue Blasen drohen.

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Schön wär's, aber das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Denn die Banken können zumindest einen Teil des Geldsegens anderweitig einsetzen, statt alles für die eigene Umschuldung zu verwenden. Und angenommen, die Konjunktur im Euroraum spaltet sich weiter, so dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren mit zwei oder sogar drei Prozent wächst, während die italienische und spanische in ähnlicher Größenordnung schrumpft (von der griechischen und portugiesischen ganz zu schweigen): Dann wird die für alle Euroländer zuständige EZB ihre expansive Geldpolitik nicht mal eben aufteilen können, indem sie Deutschland bremst und für die Südländer Vollgas gibt. Im Zweifel wird sie expansiv ausgerichtet bleiben müssen, falls sie nicht riskieren will, dass Italien, Spanien & Co. in die Deflation abrutschen.

Anleger werden enteignet

Daraus ergibt sich für Deutschland ein gewisses Inflationspotenzial. Anhand der steigenden Preise für Wohnimmobilien in deutschen Metropolen zeichnet es sich ja bereits ab. Das heißt, Großanleger unter Führung von Family Offices verabschieden sich von niedrig verzinslichen Bundesanleihen, Tages- und Festgeldern, um ihr Glück beim vermeintlichen Betongold zu suchen. Die Masse der Anleger bleibt indes sowohl den gerade erwähnten liquiden Geldanlagen als auch den auf diesen basierenden Instrumenten zur Altersvorsorge treu und nimmt Renditen in Kauf, die nach Abzug der Inflationsrate im Minus landen. Bezeichnend ist, dass deutsche Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden zum Beispiel in Höhe von nur 2,4 Milliarden Euro in notierten Aktien und 17,6 Milliarden Euro in Immobilien angelegt haben, dagegen 67,9 Milliarden Euro in börsennotierten Anleihen, 133,8 Milliarden Euro in Darlehen und 158,4 Milliarden Euro in Bankanleihen.

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Euro oder Gold

Viele Anleger vertrauen nicht mehr dem Euro und sehen in Gold den wahren Wert – sie liegen damit auf lange Sicht goldrichtig. Bekam man im Jahr 2000 für 100 Euro immerhin noch knapp elf Gramm Feingold, sind für die gleiche Summe jetzt nur etwas mehr als zwei Gramm drin.

Für die meisten Anleger kommt es noch schlimmer, denn sie werden zu Opfern der finanziellen Repression und damit zum Teil enteignet. Dieser Begriff geht zurück auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als die USA ihre Staatsschulden mithilfe niedrigst verzinslicher Anleihen abbauten, zu deren Kauf der Staat institutionelle Anleger wie Versicherer, Pensionskassen und Banken verpflichtete. Die Anleihen waren mit Zinsen unter der damaligen Inflationsrate ausgestattet. Obendrein blieb das 1933 eingeführte Verbot von privatem Goldbesitz bestehen.

Die Folterinstrumente der Politik

Alles Schnee von gestern? Ganz sicher nicht, denn die internationale Schuldenkrise ist schon so weit fortgeschritten, dass nach den Berechnungen der Analysten von Feri Finance eines der folgenden drei Szenarien - oder eine Kombination von zwei oder drei – unausweichlich erscheint: 1. Steuererhöhungen einschließlich Sparmaßnahmen mit Deflation als Folge, so dass sich dann Liquidität als beste Anlage anbietet. 2. Finanzielle Repression mit Zwangsmaßnahmen und gesetzlichen Eingriffen als Instrumenten, so dass Anlegern nichts anderes übrig bleibt, als flexibel zu reagieren, um sich vor dem Schlimmsten zu schützen. 3. Inflation, die entweder nur geduldet oder bewusst gewollt wird, so dass sich die Flucht in Sachwerte anbietet.

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„Höhere Inflationsraten sind ein Bestandteil der Lösung für die Staatsschuldenkrise“, meint Joachim Fels, Chefvolkswirt der Bank Morgan Stanley. Der Vermögensverwalter Kurt von Storch drückt sich noch drastischer aus: „Die Politik hat verschiedene Instrumente in ihrem Folterkasten, um die Anleger dazu zu bringen, Anleihen trotz negativer Realzinsen zu kaufen.“ Dann zählt er auf, was alles möglich wäre, von Kapitalverkehrskontrollen und Sondersteuern über Zwangsanleihen bis zum Verbot von Goldbesitz. Aber sagt er nicht „die Politik“ statt „die EZB“? Sicher besteht formell ein Unterschied zwischen beiden, aber in Wahrheit hat die EZB bei der Bekämpfung der Staatsschuldenkrise im Euroraum längst die Regie und damit auch ein politisches Mandat übernommen. Sie sorgt mit ihrer lockeren Geldpolitik dafür, dass die Nominalzinsen niedrig und die Realzinsen negativ bleiben, was für Anleger an sich schon Folter genug ist. Die eigentlichen Folterinstrumente überlässt sie der Politik, die sicher nicht mehr lange damit warten wird, sie einzusetzen.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.04.2012, 16:27 UhrOeconomicus

    @Joker1

    ... und dazu benötigen eine Entstaatlichung (nicht Privatisierung) unserer Sozialsysteme bspw. in Form kommunaler Genossenschaften.

    Wer überschlägig nachrechnet, welche Beiträge für Arbeitslosenversicherung aufgebracht werden, wird feststellen, dass bei den Versicherten vielleicht gerade mal die Hälfte ankommt.

    Soviel zu den miserablen Staatsverwaltern unserer Zukunft

  • 12.04.2012, 10:56 Uhrraentnaer

    Wie stellte Schlesinger in seinem kürzlichen FAZ-Interview "sinn"gemäss fest:
    Der Liquiditätsüberhang gleicht dem in Kriegszeiten.
    Wenn nicht mal dem "Allmächtigen" Lloyd Blankfein etwas neues
    dazu einfällt, geht die Geschichte ihren bekannten Weg:
    Fiskalische Repression, um obiges mal zu adressieren.

  • 12.04.2012, 10:53 UhrJoker1

    Was die Politiker hier anrichten ist skandalös.
    Nicht nur Inflation nach der Währungsreform 2002, nein,
    weitere Enteignung, kein Plan für die Renten- und Sozialkassen,
    kein Infrastrukturprogramm für dringend notwendige Investionen.
    Die Beamtenblase und Politkaste, sowie die Milliardäre und Millionäre müssen endlich in die Sozialkassen einzahlen, zwangsweise, damit ein Fiasko und Revolution vermieden werden kann.
    Der Staatshaushalt muss auf den Prüfstand. Der Euro muss weg!
    Auslandseinsätze der BW müssen gestrichen werden. Der Wasserkopf in
    Brüssel sollte "ausgedünnt" werden. Raus aus den Rettungsschirmen.

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