Gefährliche Parallelen: Europa ist nicht besser als Argentinien

KommentarGefährliche Parallelen: Europa ist nicht besser als Argentinien

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Seit Jahrzehnten schlittert Argentinien von einer Krise in die nächste.

von Frank Doll

Die Entwicklung in der Eurozone ähnelt der von Argentinien in den vergangenen Jahrzehnten. Europa findet keine Lösung für seine wirtschaftliche und politische Krise. Die nächste Zerreißprobe für den Euro rückt näher.

Argentinien sollte Europa eine Warnung sein. Seit Jahrzehnten schlittert das südamerikanische Land von einer Krise zur nächsten. Ende des Monats droht der zweite Staatsbankrott seit 2002. Inkompetente Politiker, instabile Institutionen und eine chaotische Wirtschaftspolitik haben das Land, das nach dem Zweiten Weltkrieg noch zu den reichsten der Erde gehörte, zurückbefördert auf das Niveau eines Entwicklungslandes. Nur der argentinische Fußball behauptet noch seine Position in der Weltspitze.

Viele Faktoren, die für den Niedergang Argentiniens gesorgt haben, finden sich auch in der Eurozone. Realitätsverlust und Reformunfähigkeit der Eliten haben für einen enormen Wohlstandsverlust weiter Teile der Bevölkerung gesorgt. Das Festhalten am Status quo schreibt diese Entwicklung fort.

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Das Centre for Economic Policy Research, ein Netzwerk von 800 Ökonomen, definiert Rezessionen ähnlich wie das National Bureau of Economic Research in den USA. Demnach steckt die Eurozone seit dem vierten Quartal 2011 in einer Rezession. Die seit Juli 2011 stetig fallenden Unternehmensgewinne und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit bestätigen diese Einschätzung. Entgegen den Aussagen von nationalen Regierungen und Brüsseler Eurokraten hat sich in der Eurozone nichts zum Besseren gewendet. Ganz im Gegenteil. Das kleine spanische Exportwunder hat sich längst wieder verflüchtigt, in Portugal und in Italien schrumpfte die Industrieproduktion im Mai gegenüber dem Vormonat um 3,6 Prozent und 1,2 Prozent.

Die Anordnung kam per Gericht: 1,3 Milliarden Euro muss Argentien an amerikanische Hedgefonds zahlen. Doch was bedeutet dieses Urteil für die Zukunft des Landes? Fondsmanager Stefan Riße sucht nach Antworten.

Die Bindung des heimischen Peso an den Dollar in den Neunzigerjahren hatte Argentinien endgültig ruiniert. Die Fehlkonstruktion Euro wirkt für die Krisenländer ähnlich desaströs. Inzwischen stottert aber auch der deutsche Wachstumsmotor. Ein exogener Schock reichte, und die Eurokrise kochte wieder hoch. Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren vor allem selbst geschwächt. Peter Ramsauer (CSU), Präsident des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, bringt das so auf den Punkt: „Wir sind dabei, unsere Energiekosten zu erhöhen, unsere Sozialkosten zu erhöhen und unsere Investitionen herunterzufahren. Damit gefährden wir die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft Deutschlands.“

Die Bürger in der Eurozone laufen Gefahr, ihre Rücklagen zu verlieren. Die argentinische Regierung konnte einen Staatsbankrott schon im Oktober 2008 und im April 2012 nur mit dem Griff in die privaten und staatlichen Rentenkassen abwenden. Spanien und Irland haben das ebenfalls gemacht. In Spanien sind zudem die gesamten Rücklagen des Rentensystems in heimischen Staatsschuldpapieren angelegt. Länder mit hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Anteil an Rentnern an der Erwerbsbevölkerung stehen in den nächsten Jahren vor nahezu unlösbaren Finanzierungsproblemen ihrer Rentensysteme. Dazu gehören Griechenland, Italien, Portugal und Frankreich. Diese Länder müssen schon heute zwischen 11 und 14 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung zur Finanzierung aufbringen. Nach der Rentenreform findet auch Deutschland bald Einlass in diesen Klub.

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8 Kommentare zu Gefährliche Parallelen: Europa ist nicht besser als Argentinien

  • Schuld sind die Verantwortlichen.Die Verantwortlichen sind die Bundestagsabgeordneten.-
    nur-die wissen nichts davon .-
    Die sind so durchwabert von Gutmenschentum und Herzensgüte,mit der sie alle umarmen,ob Mörder oder Terrorist – tolerant sein zu jedem-das ist die Devise.-Dazu die apokalyptische Energiewende :Wir verspielen gerade all unsere wirtschaftlichen Erfolge: Gewerkschafts-Chef Michael Vassiliadis geißelt die ruinöse "Subventionsmaschinerie der Energiewende“ und "politische Dekadenz". Wollen wir unsere Industrie überhaupt noch?...
    Die Regierung verprelle Zukunftsfirmen, fördere stattdessen Uralt-Technik und gebe "eine Installationsgarantie für Sonnenkollektoren oder Windräder."..."Das Erneuerbare Energien Gesetz ist unfassbar teuer und unfassbar ungerecht. Es ist die größte Umverteilungsmaschinerie, die dieses Land je gesehen hat." Und was hat es den mit Milliarden beschenkten Sonnen- oder Windenergiefirmen genützt? Die meisten sind inzwischen pleite – oder stehen kurz davor....
    Wenn wir diese Demokratie-besser Ochlokratie- nicht reformieren,geht sie den Bach runter.
    Wenn die USA die Ausweisung des CIA-Mannes als Wutreaktion eines Kindes bezeichnen-
    der Zeit-Korrespondent Hansen sich verabschiedet mit dem Satz: Werdet endlich erwachsen,
    so sind dies korrekte Hinweise auf eine vorhandene Infantilität.
    Ich selbst weise seit Jahren auf das Kindergartenniveau des Bundestags hin.„ Deutschland im Wahn“ amazon e-book
    Wir brauchen hier den Führerschein für den Bundestag.-
    Eine Bundestagsreifeprüfung-durchgeführt gemeinsam bei allen Abgeordneten durch eine neutrale Kommission-gebildet von den Parteien selbst..

    Wenigstens die Grundbegriffe der Verantwortungsethik müssen vorhanden sein.
    .-

  • Warum sollte es Europa besser gehen? Da sind ähnliche Bastler am Werk wie in Argentinien. Gesteuert von der Finanzwirtschaft. Mit nur einem Ziel: möglichst viel Geld aus dem Land rauszuholen!

  • @Frank Doll

    Zitat: “ Die langfristigen Kosten des Rentenpakets werden auf 285 Milliarden Euro oder 10,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung geschätzt.“

    Was ist das für ein Vergleich? Statistik für Anfänger? Herr Gerd Bosbach hätte seine Freude daran. Es werden die über Jahre aufsummierten Aufwände (über welchen Zeitraum eigentlich?) mit dem aktuellen jährlichen BiP verglichen. Warum nicht einfach auf 1000 Jahre hochrechnen und dann verkünden:

    „Die langfristigen Kosten des Rentenpakets werden auf ein mehrfaches der deutschen Wirtschaftsleistung geschätzt“ ?

    Da passt dann auch sehr gut der nachfolgende Bezug zum Versicherungswirtschaftslobbyisten Bernd Raffelhüschen dazu:

    Wikipedia: Die Nebentätigkeiten Raffelhüschens in der Versicherungswirtschaft haben wiederholt zu Kritik geführt, da er als Wissenschaftler die kapitalgedeckte private Altersvorsorge propagiert. So ist Raffelhüschen Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe sowie der Volksbank Freiburg. Des Weiteren ist er als wissenschaftlicher Berater für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf tätig.
    …..
    Neben der Kritik an Raffelhüschens Nebentätigkeiten für die private Versicherungswirtschaft wird auch die Kofinanzierung seines Institutes kritisch betrachtet. Zu den Sponsoren zählen u. a. die HDI-Gerling Pensionsmanagement AG, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die Süddeutsche Krankenversicherung a.G., die Union Asset Management Holding AG sowie der Verband der privaten Krankenversicherung e. V.. Als weiterer Kritikpunkt gilt sein mediales Auftreten als unabhängiger Experte, ohne dass er seine berufliche Verknüpfung mit den Versicherungsunternehmen kenntlich macht.


    Oder hier:

    Raffelhüschen bei Monitor als ertappter Lobbyist der Versicherungswirtschaft

    (http://www.nachdenkseiten.de/?p=1079)

    Logisch, dass die Versicherungswirtschaft die umlagenfinanzierte Rente am liebsten abschaffen würde!

    Tut mir leid, aber Seriosität sieht anders aus.

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