Geldpolitik: Anleihekäufe der EZB wären für Deutschland gefährlich

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Geldpolitik: Anleihekäufe der EZB wären für Deutschland gefährlich

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Was macht die Europäische Zentralbank (EZB) als nächstes? Anleihekäufe? Oder die Wiederbelebung des Marktes für Kreditverbriefungen (ABS)?

von Saskia Littmann

Die Diskussion um mögliche Anleihekäufe der EZB nimmt weiter Fahrt auf, einig sind sich Europas Zentralbanker längst nicht. Für Deutschland allerdings droht Gefahr, denn statt Deflation lauert hier die Inflation.

Zentralbanker sind nicht gerade für ihre klare Kante zu diesem oder jenem Thema bekannt. Mehr Diplomat als Klartexter lavieren sie sich durch ihre geldpolitischen Entscheidungen – immer darauf bedacht, mit ihren Aussagen sowohl das Gusto der Märkte zu treffen als auch das der Politik. In Europa ist die Sache noch komplizierter, schließlich müssen die Währungshüter nicht die Interessen eines Landes vertreten, sondern gleich 24 Länder würdig vertreten.

Die jetzige Situation ist daher kaum mehr als ein erneuter Beweis für das Hin und Her in der zerklüfteten geldpolitischen Entscheidungsfindung in Europa. Während Ende letzter Woche konkrete Modellrechnungen zu einem möglichen Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) auftauchten, sind am Montag schon einige Mitglieder des 24-köpfigen EZB-Rats damit beschäftigt, den Karren wieder umzudrehen – rasche Maßnahmen seien nicht zu erwarten, heißt es.  

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Der Auslöser

Schon nach dem letzten Zinsentscheid am Donnerstag machte EZB-Präsident Mario Draghi deutlich, wie sehr die Zentralbank bereit sei, mit unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen gegen die niedrigen Inflationsraten vorzugehen. Gleich mehrfach zitierte Draghi: „Der EZB-Rat ist sich einstimmig einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen“. Um erst gar keine Spekulationen aufkommen zu lassen, betonte der Italiener, dass alle Ratsmitglieder hinter dieser Aussage stünden. Fragen, ob die konservative Bundesbank expansive Maßnahmen mittragen könnte, erstickte der EZB-Chef so im Keim.  

Gbureks Geld-Geklimper Von wegen Deflation – Inflation!

"Was nicht sein kann, das nicht sein darf." Niemand will Deflation, also wird sie von den Notenbanken bereits auf Verdacht bekämpft – unter Inkaufnahme der Inflation.

Niemand will Deflation, also wird sie von den Notenbanken bereits auf Verdacht bekämpft – unter Inkaufnahme der Inflation. Quelle: dapd

Und klar ist: Ewig kann Draghi sich auf seinen Mantra-Satz "Wir sind bereit, zu handeln" nicht stützen. Irgendwann erwartet der Markt tatsächlich eine Reaktion. Spätestens dann, wenn die Inflationsrate in der Euro-Zone entgegen der Erwartungen in den nächsten Monaten nicht steigt. Im März lag die Teuerungsrate nur noch bei 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar betonte auch Draghi mehrfach, der niedrige Wert sei aufgrund von Sondereffekten zu erklären - zu Ostern steigen traditionell die Preise, das Fest lag letztes Jahr im März, diesmal gehen die Kinder erst im April auf Eiersuche. Allerdings glaubt kaum einer daran, dass allein das des Rätsels Lösung ist.

Umso glaubhafter schien die Ankündigung, die EZB hätte die Folgen eines Wertpapierkaufprogramms konkret durchgespielt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte am Freitag berichtet, es gehe dabei um ein Kaufvolumen von einer Billion Euro, welches innerhalb eines Jahres eingesetzt werden solle. Im Idealfall, so die Modellrechnung, könne die Inflationsrate damit um 0,8 Prozentpunkte angekurbelt werden. Verliefe der Plan allerdings nicht ideal, wären es wohl nur 0,2 Prozentpunkte. Eine eher magere Ausbeute bei gleichzeitig hohem Risiko. Bei einem solchen Anleihekaufprogramm erwirbt die Notenbank Wertpapiere und pumpt auf diese Weise Geld in den Wirtschaftskreislauf. Die US-Notenbank Fed macht das seit Jahren, zuletzt reduzierte sie ihre Anleihekäufe sukzessive. Befürworter findet der Kauf-Plan in der Finanzwirtschaft. Sollten sich die Preisperspektiven in der Euro-Zone tatsächlich eintrüben, "wäre wohl ein Aufkaufprogramm von marktgängigen Wertpapieren seitens der EZB eine angemessene und meines Erachtens auch wirksame Reaktion", schrieb Deutsche Bank-Co-Chef und Bankenverbandspräsident Jürgen Fitschen in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

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