Geldpolitik: Der Euro-Zone droht der Dauerkrisenmodus

Geldpolitik: Der Euro-Zone droht der Dauerkrisenmodus

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Das Tachometer des Eurozonen-Tankers könnte noch eine Weile auf Krise stehen.

von Malte Fischer und Silke Wettach

Die EZB hält die Leitzinsen dauerhaft niedrig. Während die Südstaaten sich so mühsam erholen, leiden die Nordstaaten unter dem niedrigen Einheitszins und taumeln auf neue Blasen und Krisen zu.

Können Worte mächtiger sein als Taten? Durchaus. Man muss nur Notenbanker sein und frei weg von der Leber reden. So wie Jörg Asmussen in der vergangenen Woche. Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärte in einem Interview, die EZB werde ihren Leitzins länger als ein Jahr auf dem aktuellen Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. „Es sind nicht sechs Monate, nicht zwölf Monate, es geht darüber hinaus“, sagte Asmussen – und schickte damit den Euro auf Talfahrt. Binnen weniger Minuten verlor die Gemeinschaftswährung fast einen Cent gegenüber dem Dollar.

In der Kommunikationsabteilung der EZB sorgte Asmussens Äußerung für helle Aufregung. In einer schriftlichen Mitteilung pfiff die EZB ihren Direktor noch am gleichen Tag zurück. Mario Draghi, der Präsident der EZB, hatte Anfang Juli zwar ebenfalls angekündigt, die Leitzinsen für einen ausgedehnten Zeitraum niedrig zu halten. Wie lange dieser Zeitraum sei, habe Draghi aber nicht gesagt, verlautet aus dem Frankfurter EZB-Tower. „Und es war auch nicht die Absicht von Herrn Asmussen, das zu tun“, heißt es in der EZB-Stellungnahme.

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Hoffen auf 2014 So geht es den Euro-Krisenländern

Trotz der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist die Wirtschafts- und Schuldenkrise noch nicht beendet. Die Bestandsaufnahme der WirtschaftsWoche zeigt, wo die Krise noch in vollem Gange ist.

Euro-Münzen von Italien, Spanien, Portugal, Irland und Griechenland Quelle: dpa

Bonsai-Zinsen

An den Märkten sorgen die Andeutungen der Geldpolitiker gleichwohl für Aufregung. „Asmussens Äußerungen spiegeln wohl die Sicht eines Großteils des EZB-Rates wider“, glaubt Christian Schulz, Ökonom bei der Berenberg Bank. Beobachter rechnen damit, dass die EZB die Zinsen noch bis Ende 2014 niedrig halten wird.

Die Politik der Bonsai-Zinsen kommt den Krisenländern entgegen. Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien befinden sich nach wie vor in der Rezession, erst 2014 könnte es etwas besser laufen. Das Interesse der Südländer an möglichst niedrigen Zinsen ist groß. Sie sollen die Investitionen und den Konsum ankurbeln und die Wirtschaft stützen.



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Toxische Wirkung in den Kernländern

Doch was den Krisenländern als geeignete Medizin erscheint, hat in den Kernländern toxische Wirkung. Die Niedrigzinsen fachen im Norden der Währungsunion einen künstlichen Boom an, der mit Fehlinvestitionen, Preisblasen und dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gespickt ist. Während die Krisenländer allmählich ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, drohen die Kernländer diese zu verlieren. Zudem pumpen die Niedrigzinsen nun auch im Norden Preisblasen am Immobilienmarkt auf. In Deutschland steigen die Häuserpreise auf breiter Front. In den Niederlanden ist die Blase bereits geplatzt. Finnland steht kurz davor.

Joachim Fels, Chefökonom der US-Investmentbank Morgan Stanley, fürchtet daher, Europa werde unter dem Regime der Niedrigzinsen von einem Boom-Bust-Zyklus zum nächsten taumeln, von Aufschwungblasen in die Rezession stürzen. Länder wie Deutschland, die heute noch glauben, sie seinen wirtschaftlich fit, können durch das schleichende Gift der niedrigen Zinsen morgen auf der Intensivstation landen. „Deutschland könnte in den nächsten vier bis fünf Jahren das nächste Spanien und Spanien das nächste Deutschland werden“, prophezeit Fels.

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12 Kommentare zu Geldpolitik: Der Euro-Zone droht der Dauerkrisenmodus

  • Dauerkrise oder Rückkehr zu nationalen Währungen - das ist die Alternative.

  • Ich möchte in Deutrschland auch so eine Immobilienblase erleben wie einst Spanien, wo selbst Ungelernte gut bezahlte Jobs auf dem Bau bekamen. Wo bleibt der Boom?

  • Deutschland war zu keiner Zeit der kranke Mann Europas, im Gegenteil. Unsere hohen Kapitalexporte in die Südzone, die niedrigen Zinsen entfachten dort einen künstlichen Boom. Wir hatten trotz kaum vorhandener Binnenkonjunktur die höchsten Kapitalbeschaffungskosten für Unternehmen, die niedrigste Investitionsquote aller entwickelten Industrienationen und die höchsten Leistungsbilanzüberschüsse und die schwächste Realentgeltfindung in der Eurozone.

    Der Euro, sein Erhalt, sein Fortbestand, er wird und wurde erkauft in erster Linie auf Kosten der deutschen Bevölkerung. Und daran dürfte sich nichts ändern. Ein Blick auf die realen Einkommens- und Vermögensentwicklungen, ein Blick auf die kommunalen Finanzen oder auf unsere Infrastrutkur genügt.

    Die Haftungsübernahmerisiken, die Bürgschaftsgaratnien, sie sind gewaltige Zukunftshypotheken für uns selbst. Neben den Dauertransfers für die ökonomische Vollendung der Deutschen Einheit in Höhe von jährlich 100 Milliarden EUR.

    Der ehemalige und zukünftige kranke Mann Europas sollte am 22. September 2013 den Stecker ziehen. Wie Weber und Stark.

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