Geldpolitik: Geldschwemme der Notenbanken bringt nichts

KommentarGeldpolitik: Geldschwemme der Notenbanken bringt nichts

von Frank Doll

Gelddrucken kann die ökonomische und politische Realität auf Dauer nicht außer Kraft setzen. In Italien und Griechenland drohen bereits wieder Regierungskrisen und in Frankreich läuft ein linker Scharfmacher verbal Amok.

Am japanischen Aktienmarkt kann man derzeit sehr gut beobachten, was passiert, wenn Notenbanken die Finanzmärkte manipulieren. Das Versprechen des neuen japanischen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda von Anfang April, notfalls unbegrenzt Liquidität bereitzustellen, trieb den Nikkei zunächst innerhalb von 50 Tagen auf knapp 16.000 Punkte. Doch im anschließenden Kurszusammenbruch verlor das Marktbarometer dann binnen nur 20 Tagen rund 22 Prozent. Damit waren alle seit Anfang April aufgelaufenen Indexgewinne wieder futsch.

Nach offizieller Lesart befindet sich der japanische Aktienmarkt nach dem jüngsten Einbruch in einer Baisse. Offenbar lässt sich mit Gelddrucken die ökonomische Realität dauerhaft nicht außer Kraft setzen. Die unverantwortliche Politik der Notenbanken führt zu Kapitalvernichtung, Wohlfahrtsverlusten und zu einer gesellschaftlich ungesunden Vermögensumverteilung und -konzentration. Diese Erkenntnis sollte sich vielleicht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gemüte führen, bevor sie wieder die Politik der EZB verteidigt.

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Euro-Skulptur vor der EZB Quelle: dpa

Die ökonomische Realität in der Euro-Zone ist mehr als deprimierend. Nach gut dreijähriger Krise weisen die wirtschaftlichen Indikatoren unverändert nach unten. Die Schulden der Euro-Peripherie sind heute weniger tragbar als jemals zuvor in der Krise. Dennoch liegen die Renditen der Staatsanleihen dank der monetären Staatsfinanzierung und dem Versprechen der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen auf die eigene Bilanz zu nehmen, in der Nähe ihrer zyklischen Tiefstände. Langfristig sind die Schulden der Euro-Peripherie aber auch mit Hilfe der EZB nicht zu tragen. Willem Buiter, für Europa zuständiger Chefvolkswirt der Citigroup, rechnet für Zypern, Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Slowenien und Spanien bis 2017 mit einer Restrukturierung der Schulden.

Griechenland hat die Krise bereits wieder eingeholt. Die Kurse zehnjähriger griechischer Staatsanleihen büßten gegenüber ihrem jüngsten Hoch bereits rund 17 Prozent ein. Schlimmer hat es den griechischen Aktienmarkt erwischt. Der ASE steht nach dem brutalen Kurseinbruch der vergangenen Wochen für 2013 unter Wasser. Zwischenzeitlich lag der Athener Aktienindex mit 28 Prozent im Plus. Parallelen mit den Ereignissen am japanischen Aktien- und Anleihenmarkt sind nicht zu übersehen. Die Renditen von Staatsanleihen der EU-Peripherie könnten in den vergangenen Tagen durchaus eine Trendwende nach oben vollzogen haben. Die Geduld der Märkte ist eben nicht endlos.

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