Geldpolitik: Kurz vor der Rezession

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Geldpolitik: Das monetäre System ist pure Fiktion

Kurz vor der Rezession

Freytags Frage Wem dient die Geldpolitik?

Die Notenbanken kämpfen angeblich gegen die Inflation. Dabei sorgen alle ihre Maßnahmen für die Finanzierung unsolide gerechneter Haushalte und der Verschleppung von Reformen. Das schließt auch die EZB mit ein.

huGO-BildID: 37188302 ARCHIV - Zahlreiche Euro-Banknoten, aufgenommen am 03.01.2014 in Frankfurt am Main (Hessen). Am 27.05.2014 findet in Sintra (Portugal) der Abschluss von Notenbank-Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) unter dem Motto «Geldpolitik in einer sich verändernden Finanzwelt» Foto: Daniel Reinhardt/dpa (zu dpa vom 27.05.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Die Zwangsversteigerungen werden wohl bald wieder zunehmen. Noch nie seit ihrer Gründung vor über 100 Jahren blieb die US-Notenbank Fed in einer wirtschaftlichen Erholung so lange expansiv wie in der aktuellen. Trotzdem scheint die US-Volkswirtschaft nach fünf Jahren extremer geldpolitischer Lockerung auch nach offizieller Lesart nur noch ein Quartal entfernt zu sein von einer Rezession.

Auch die japanische Wirtschaft überraschte zuletzt negativ. Nach der Anhebung der Mehrwertsteuer schrumpfte die Industrieproduktion im April im Monatsvergleich um 2,5 Prozent, während die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,41 Prozent anzogen und damit das von der Bank of Japan (BoJ) gesetzte Inflationsziel von zwei Prozent deutlich überstiegen.

Die BoJ wird unter diesen Rahmenbedingungen ihr geldpolitisches Extremexperiment nicht fortsetzen können, will sie keine Krise am japanischen Staatsanleihenmarkt riskieren.

Verfahrene Lage

Obwohl die japanische Regierung de facto längst pleite ist, liegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen noch tief bei aktuell 0,6 Prozent. Jeder zweite Yen, den die japanische Regierung derzeit ausgibt, ist auf Pump und entspringt der Notenpresse.

Die Lage in den großen Industrieländern ist inzwischen so verfahren, dass Jürgen Stark, ehemaliger Vize-Präsident der Deutschen Bundesbank und zwischen 2006 und 2012 Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), gar den Kauf von Gold und Silber empfiehlt. Stark kündigte Ende 2011 aus Protest gegen die von der EZB geplanten Ankäufe von Staatsanleihen seinen Rückzug aus der EZB an. Er gilt als Bundesbanker alter Schule und war innerhalb der EZB einer der wenigen Ökonomen mit Durch- und Weitblick.

In den vergangenen Wochen fuhr Stark bei verschiedenen Gelegenheiten schwere Geschütze auf, unter anderem am 10. Mai in einer Rede auf der Konferenz des Ludwig von Mises-Instituts in München. Die Notenbanken, einschließlich der EZB, hätten die Kontrolle über die ökonomische Situation komplett verloren.

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Quelle: rtr

Das monetäre System wäre "pure Fiktion". Die monetären Autoritäten versuchten seit 2008, sich tastend vorwärtsbewegend, eine zweite Pleite à la Lehman zu verhindern, denn einen zweiten Fall Lehman würde das monetäre System nicht überleben. 2011 hätten die Notenbanken durch eine konzertierte Aktion das monetäre System 'in extremis' gerettet.

Stark sieht die aktuellen Probleme im monetären Modell selbst begründet – im Gelddrucken durch die Notenbanken und einer unkontrollierten, von der Ersparnisbildung losgelösten Kreditvergabe der Banken.

Stark empfiehlt daher Bürgern, sich gegen einen möglichen Zusammenbruch des globalen monetären Systems zu schützen und einen Teil der „fiktionalen Ersparnisse"“ in Gold und Silber anzulegen. Eine Kaufempfehlung für Edelmetalle aus dem Mund eines ehemals ranghohen Bundesbankers ist ungewöhnlich und lässt aufhorchen. 

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