Gerechtigkeit in der EU: Jugendliche verlieren den Anschluss

Gerechtigkeit in der EU: Jugendliche verlieren den Anschluss

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Eine Studie zur Gerechtigkeit in der EU zeigt: Der Nachwuchs verliert den Anschluss

Jugendliche sind die wahren Verlierer der Krise: Zwar erholt sich die wirtschaftliche Lage in Europa, die junge Generation aber profitiert davon nicht. Auch in Deutschland wird die Kluft zwischen Alt und Jung größer.

Kinder und Jugendliche sind nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die großen Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise der vergangenen Jahre. 26 Millionen oder fast 30 Prozent der unter 18-Jährigen in der Europäischen Union sind demnach von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Besonders hart trifft es dabei Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Dort erhöhte sich die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen seit 2007 um 1,16 Millionen auf 7,6 Millionen.

Die am Dienstag vorgestellte Studie zur sozialen Gerechtigkeit (Social Justice Index) beleuchtet zum zweiten Mal nach 2014 die Entwicklung in allen 28 EU-Staaten anhand von 35 Kriterien. Dafür werteten die Forscher umfangreiche Daten der vergangenen Jahre aus.

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Was macht die EU gegen Jugendarbeitslosigkeit?

  • EU-Fördergelder

    Für die sogenannte Jugendgarantie sind sechs Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 einplant. Auf diese EU-Gelder können die Staaten zurückgreifen, um Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten zu einer Arbeit, einer Ausbildungsstelle oder einem Praktikum zu verhelfen. Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, dass vorgesehene Fördergelder schneller zum Einsatz kommen und schon in den kommenden beiden Jahren verwendet werden. Allerdings steht die endgültige Einigung auf den Finanzrahmen 2014 bis 2020 der Union noch aus.

  • Europäische Investitionsbank

    Schon 2012 hatten die EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen, das Kapital der Hausbank der EU um 10 Milliarden Euro aufzustocken, um sie schlagkräftiger zu machen. EIB-Präsident Werner Hoyer hat nun im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit eine Vorfinanzierung von EU-Initiativen angeboten. „Wir sollten überlegen, das vorzufinanzieren, um rasch Wirkung zu erzielen“, sagte Hoyer der „Welt am Sonntag“.

  • Kampf gegen Kreditklemme

    Die EU verstärkt ihren Kampf gegen die gefährliche Kreditklemme für Mittelständler in südeuropäischen Krisenländern. EU-Kommission und Europäische Investitionsbank (EIB) wollen dafür EU-Töpfe wie Regionalförderung und Forschungsrahmenprogramm mit Geldern der EIB kombinieren, um mehr Bürgschaften zu vergeben.

Deutschland belegt wie bereits bei der ersten Studie trotz großer volkswirtschaftlicher Kraft nur den siebten Platz, konnte seinen Index-Wert seit 2008 - damals war die Erhebung noch nicht so umfassend wie heute - aber von 6,16 auf 6,52 verbessern. Der EU-Schnitt liegt bei 5,63. Spitzenreiter bleibt Schweden (7,23), Griechenland fällt mit 3,61 weiter zurück. Neben einer wachsenden Kluft zwischen Alt und Jung gibt es in der EU damit auch weiterhin ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

So gelten im EU-Durchschnitt derzeit 27,9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen als von Armut oder sozialem Ausschluss bedroht. Damit liegt diese Quote höher als 2007 (26,4 Prozent). Für Spanien, Griechenland, Portugal und Italien weist die Studie einen deutlicheren Befund auf: Der Wert stieg seit 2007 von 28,7 auf 33,8 Prozent.

„Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern“, sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, zur Studie.

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Für Deutschland spricht die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit (7,7 Prozent) im EU-Vergleich und hinter Schweden der zweithöchsten Beschäftigungsquote von 73,8 Prozent. Die Forscher bemängeln allerdings mit 40 Prozent einen zu großen Anteil von atypischen Beschäftigten in Deutschland. Diese Menschen sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht - wegen befristeten Verträgen und niedrigen Lohns.

Der Vorsitzender der Links-Partei, Bernd Riexinger, gibt der Bundesregierung eine Mitschuld an der Entwicklung. „Die unter deutscher Federführung gnadenlos durchgesetzte Austeritätspolitik hat im Süden Europas eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und eine ganze Generation abgehängt“, meinte Riexinger. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell bezeichnete es als Skandal, dass in einem der reichsten Wirtschaftsraume der Welt so viele Kinder und Jugendliche betroffen sind. „Das europäische Spardiktat produziert eine verlorene Generation“, sagte er in Berlin.

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