Gerhard Cromme: Im Herbst schlägt Frankreichs "Stunde der Wahrheit"

exklusivGerhard Cromme: Im Herbst schlägt Frankreichs "Stunde der Wahrheit"

von Roland Tichy und Andreas Wildhagen

Spätestens im Herbst entscheidet sich das Schicksal der französischen Wirtschaft. Außerdem mahnt Aufsichtsrat Gerhard Cromme an, dass sich Deutschland und Frankreich möglichst bald über eine gemeinsame deutsch-französische Energiewirtschaft einigen müssen.

Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef der Dax-Konzerne Siemens und ThyssenKrupp, erwartet, dass spätestens im Herbst für die französische Wirtschaft „die Stunde der Wahrheit“ schlägt. „Bis dahin muss Frankreich weitere 60 Milliarden Euro Staatsschulden umfinanzieren. Dann müssen die Märkte von der Konsolidierungspolitik Frankreichs überzeugt sein“, sagte er der WirtschaftsWoche.

Deshalb glaubt Cromme auch nicht daran, dass Hollande große soziale Wohltaten in Frankreich umsetzen kann. „Die Chance, dass er den französischen Staatshaushalt für Wahlgeschenke groß aufblähen kann, sehe ich nicht.“ Cromme erwartet, dass Hollande zunächst einen Kassensturz macht. „Danach wird er dem französischen Volk erklären, dass die finanzielle Lage schwierig ist und dass man eben nicht alles umsetzen kann oder mehr Zeit braucht.“

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Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens und ThyssenKrupp Quelle: dpa

Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens und ThyssenKrupp

Bild: dpa

Cromme, Mitorganisator des deutsch-französischen Unternehmertreffens in Evian, sieht bei Hollande großen Realitätssinn und erwartet schon bald eine neue deutsch-französische Achse. „Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande werden von nun an ganz schnell ein funktionierendes europäisches Duo werden, davon gehe ich aus“, sagte Cromme. „Es gibt keine Alternative zur Achse Berlin–Paris. Das war die Botschaft des Antrittsbesuches des französischen Präsidenten in Berlin. Kanzlerin Merkel ist eine ausgesprochene Pragmatikerin. Und so, wie ich Präsident Hollande kennengelernt habe, geht er nicht ideologisch und kurzfristig orientiert, sondern unaufgeregt und vorausschauend an die Dinge heran.“

Einigung in Energiepolitik notwendig

Zudem hält Cromme es nicht für sinnvoll, dass beide Länder weiterhin unterschiedliche Strategien in der Energiepolitik verfolgen. „Bei der künftigen Energiepolitik muss mehr der globale Blickwinkel beachtet werden, und auch da müssen sich Merkel und Hollande intensiv beraten“, sagte Cromme im Interview mit der WirtschaftsWoche.

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Cromme kritisiert Konstruktionsfehler in der Energiewende und die rein nationale Ausrichtung des Programms. „Die Franzosen können uns mit ihrer starken Energiewirtschaft helfen“, so Cromme. „Wir sehen, dass die deutschen Energiepreise zu den höchsten in den Industrieländern zählen, die Netze nicht ausreichen und die Versorgung seit der Energiewende nicht immer sicher ist.“ Zudem kritisiert Cromme eine einseitige Ausrichtung. „Anstatt aufeinander abgestimmte Zielkorridore für Sauberkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit zu definieren und dies einem Monitoring zu unterwerfen, liegt der Fokus bisher alleine auf Sauberkeit. Das belastet die Industrie im globalen Wettbewerb erheblich.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Frankreich brüskiert mit der kurzfristigen Entscheidung für einen Atomausstieg. Deshalb rechnet Cromme damit, dass Präsident François Hollande in seinem nächsten Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel die Frage klären wird, „wieso in Deutschland die Energiewende und der Ausstieg aus der Kernenergie an einem Wochenende und ohne die Konsultation mit dem europäischen Partner Frankreich durchgepeitscht wurde“.

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