Gerüchte in Griechenland: Varoufakis vor baldiger Ablösung

Gerüchte in Griechenland: Varoufakis vor baldiger Ablösung

, aktualisiert 26. April 2015, 15:04 Uhr

In Athen verdichten sich nach Informationen der heimischen Presse Gerüchte, dass der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis bald ersetzt werden könnte.

Varoufakis habe „jede Glaubwürdigkeit verloren“, Dies berichtete am Sonntag die Athener Wochenzeitung „To Vima“. Während der Tagung der Eurogruppe am Freitag in Riga sei festgestellt worden, dass Varoufakis einmal mehr „unvorbereitet“ vor seinen Kollegen erschienen und völlig isoliert sei. „Wir wissen nicht, ob der Ministerpräsident (Alexis Tsipras) ihn „opfern“ wird“, in der Hoffnung das Land zu retten, hieß es in einem Kommentar der „To Vima“. Die Frage laute eigentlich, ob Tsipras selbst begreife, wie ernst die Situation im Land ist. Varoufakis reagierte am Sonntag mit einem Statement im Kurznachrichtendienst Twitter. Darin benutzte er einen Ausdruck des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt vom Jahr 1936, „sie sind alle (seine Gegner) einstimmig in ihrem Haß gegen mich und ich heisse ihren Haß willkommen“, meinte Varoufakis.

Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

  • Die Rückzahlungen 2015

    Die griechische Regierung muss in diesem Jahr noch rund 17 Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. Der größte Batzen entfällt dabei mit rund 8,1 Milliarden Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Daneben stehen Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB), private Gläubiger sowie die Partner aus der Eurozone aus. Ungeachtet der Verlängerung des Hilfsprogramms mit den Euro-Partnern ist bisher unklar, wie Finanzminister Yanis Varoufakis die Mittel aufbringen will. Vor allem im Juli und August stehen Rückzahlungen über mehrere Milliarden Euro an. Es folgt eine Auflistung darüber, was Griechenland in welchem Monat dieses Jahres zahlen muss.
    Rundungsdifferenzen möglich, Quelle: Eurobank Athen, eigene Berechnungen (Reuters)

  • März

    Rund 1,5 Milliarden an den IWF, 75 Millionen Zahlungen an andere - insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

  • April

    450 Millionen an IWF, 275 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 0,7 Milliarden Euro.

  • Mai

    750 Millionen plus 196 Millionen an IWF, sowie 77 Millionen für bilaterale Kredite - insgesamt rund 1 Milliarden Euro.

  • Juni

    1,5 Milliarden an IWF plus 280 Milliarden an EZB und andere - insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

  • Juli

    450 Millionen an IWF, 3,5 Milliarden an EZB, 700 Millionen an Zinsen für EZB - insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro.

  • August

    Rund 170 Millionen an IWF, 3,2 Milliarden an EZB und andere Notenbanken, 190 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

  • September

    1,5 Milliarden Euro an IWF.

  • Oktober

    450 Millionen an IWF, 200 Millionen an andere - insgesamt 0,65 Milliarden Euro.

  • November

    150 Millionen an IWF, 77 Millionen bilaterale Kredite - rund 0,23 Milliarden Euro

  • Dezember

    1,1 Milliarden Euro an IWF.

Auch im Kreis der Eurogruppe ist er ein ein Außenseiter. Seine Kollegen essen Lachs und Barsch, Varoufakis wählt die Isolation. Von dem Starrummel, der den ehemaligen Wirtschaftsprofessor aus Australien wegen seines lockeren Auftretens und seiner revolutionär klingenden Thesen in den vergangenen Monaten umgab, ist nicht mehr viel zu spüren. Schon vor der Sitzung der Eurogruppe am Freitagmorgen würdigen sich der griechische Minister und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, keines Blickes, obwohl sie im Hotel nur eine Armlänge voneinander entfernt am Frühstücksbuffet stehen. Gesprächsstoff gäbe es genug, denn die EZB ist der letzte Rettungsanker es Staates.

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Die schrägsten Varoufakis-Zitate

  • Zur Troika

    "Die monumentale Aufgabe, vor der wir stehen, liegt darin, den Geist der Troika zu vertreiben, ihre Mentalität auszulöschen und ihre Macht in Europa, nicht nur in Griechenland, zu beenden."

  • Zu griechischen Rückzahlungen

    "Heute zu sagen, dass die Griechen zahlen müssen, was mir vernünftig erscheint, heißt, dass die üblichen Opfer noch mehr leiden müssen. Das ist eine Einstellung Auge um Auge, Zahn um Zahn, eine Art biblische Wirtschaft, die jeden in Europa hilflos macht."

  • Zu Krediten

    "Zu jedem verantwortungslosen Kreditnehmer gehört ein verantwortungsloser Kreditgeber. Vor 2010 hat das im Überfluss vorhandene Kapital in Griechenland einen Tsunami an Schmarotzer-Krediten ausgelöst."

  • Zur Austerität

    "Im Mittelalter haben „Ärzte“ Aderlässe verschrieben, die oft eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten auslösten, auf die der „Arzt“ mit weiteren Aderlässen reagiert. Das ist die Art von Gedankengang, die perfekt die Einstellung Europas zeigt: Je mehr die Austerität scheitert, desto mehr wird von ihr verschrieben."

  • Zu Demokratie

    "Wenn wir in Europa unter einem Defizit leiden, dann ist es ein Defizit an Demokratie. Davon profitieren schwarze Mächte, die Demokratie und Menschenrechte aushöhlen wollen."

  • Zu Zivilisation

    "Europas heutige Haltung ist eine Bedrohung für die Zivilisation, wie wir sie kennen."

  • Zu Angela Merkel

    "Merkel ist die mit Abstand scharfsinnigste Politikerin in Europa. Da gibt es keinen Zweifel. Und Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz."

Stunden später berichten Draghi sowie die Verantwortlichen von EU-Kommission, Eurogruppe und Rettungsfonds ESM mit ernsten Mienen über die festgefahrenen Verhandlungen im Schuldenstreit und drängen die griechische Regierung erneut zur Eile. Varoufakis betritt anschließend gut gelaunt die Bühne in der lettischen Nationalbibliothek, dem Tagungsort der Eurogruppe. Es habe gewaltige Fortschritte gegeben, sagt er. Die Flasche sei eher halbvoll als halbleer. Dann geißelt Varoufakis erneut die Auflagen für sein Land und Fehler, die bei den Hilfsprogrammen begangen worden seien.

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Die Sichtweise der anderen 18 Finanzminister ist eine andere. So fordert der slowenische Ressortchef Dusan Mramor hinter verschlossenen Türen einem Vertreter der Euro-Zone zufolge, sich auf einen Plan B vorzubereiten. Mit "Plan B" ist die mögliche Staatspleite und ein Austritt Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsraum gemeint. Andere Insider berichten aus der Sitzung, dass sich mehrere Minister bei den Ausführungen Varoufakis' die Ohren zuhielten, mit den Augen rollten oder diese lieber gleich ganz schlossen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem, dessen Verhältnis zu Varoufakis schon seit der ersten gemeinsamen Pressekonferenz in Athen vor rund drei Monaten kühl ist, bezeichnet die Gespräche anschließend als "sehr kritisch".

"Er ist völlig isoliert", sagt ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone später über Varoufakis. Diese Isolation ist den ganzen Tag spürbar, bis der Minister am Abend allein zur Brücke am Fluss spaziert. Es ist ein weiter Weg über die Düna. Ein kalter Wind weht.

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