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Globalisierung: Mit Europa geht es abwärts

von Silke Wettach

Nicht nur die Schuldenkrise bremst die Europäische Union. Kompetenz-Wirrwarr und ihr unbekanntes und machtloses Spitzenpersonal sorgen dafür, dass sie in der Weltpolitik eine Nebenrolle spielt.

José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellte bei seiner Ankunft auf dem G20-Gipfel klar: „Wir kommen mit Sicherheit nicht hierher, um uns belehren zu lassen.“ Quelle: REUTERS

Was für einen Unterschied drei Jahre ausmachen können. Im Frühjahr 2009, beim Nato-Gipfel im Elsass, klang US-Präsident Barack Obama bescheiden, fast schon ein bisschen devot. Er sei gekommen, um zuzuhören und nicht um zu dozieren, sagte er und schmeichelte: „In Amerika wird Europas Führungsrolle in der Welt nicht richtig verstanden.“

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Im Frühsommer 2012, als die 20 mächtigsten Industrienationen zusammenkamen, war der Ton ein ganz anderer. Schon vor dem G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos streute die US-Regierung eifrig, das schlechte Krisenmanagement der Europäer sei das größte Risiko für die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellte bei seiner Ankunft erst einmal gereizt klar: „Wir kommen mit Sicherheit nicht hierher, um uns belehren zu lassen.“ Und Bundeskanzlerin Angela Merkel ergänzte, auch andere Teile der Welt hätten ihre Hausaufgaben zu machen.

José Manuel Barroso - Präsident der EU-Kommission

Er sagt es immer wieder: Die EU kann sich in der Welt nur Gehör verschaffen, wenn sie mit einer Stimme spricht. Aber oft steht auch er einer einheitlichen Außenpolitik im Weg.

Bild: dpa

Seit Ausbruch der Schulden- und Bankenkrise hat Europa eine Flut von wohlmeinenden Ratschlägen aus aller Welt erhalten. Aber so vorgeführt wie in Los Cabos, wo sich die Gespräche fast ausschließlich um Europas Desaster drehten, wurde die Europäische Union wohl noch nie. Der globale Einfluss des kleinsten Kontinents der Erde nähert sich in diesen Tagen seiner geografischen Größe an. In der weltweiten Hackordnung der Mächte ist die Europäische Union um einige Plätze nach unten gerutscht – und das nicht nur, weil sie die Probleme der Währungsunion nicht in den Griff bekommt.

System sichern

Die Folgen sind gravierend: Schrumpft Europas Einfluss in der Welt, beeinträchtigt das die künftige Wirtschaftsleistung. Es könnte der Beginn einer Abwärtsspirale sein.

Für Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, steht nichts weniger als das europäische Sozialmodell auf dem Spiel. „In der heutigen Welt, in der technologische Revolutionen die Geschwindigkeit der Globalisierung diktieren, müssen wir ausreichend Einfluss haben, wenigstens unser System zu sichern“, sagt der Franzose, einst rechte Hand des Euro-Schöpfers und EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors. „Es geht darum, dass unser System weiterhin als eine Möglichkeit besteht, nicht darum, es anderen aufzudrängen – die Zeiten dazu sind längst vorbei.“

Diagramm: Schwellenländer arbeiten sich nach vorn
Diagramm: Schwellenländer arbeiten sich nach vorn (zum Vergrößern bitte klicken)

Der Abwärtstrend zeigte sich schon vor der Euro-Krise. Seit Jahren sagen Ökonomen voraus, die schnell wachsenden Schwellenländer würden an Europa vorbeiziehen. Befinden sich mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien aktuell noch vier EU-Länder unter den zehn größten Volkswirtschaften der Erde, werden es nach Berechnungen von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers im Jahr 2050 nur noch zwei sein. Deutschland rutscht von Platz fünf auf Platz neun ab. „Wir schwimmen entweder zusammen oder gehen einzeln unter“, beschwört Barroso die Einheit der EU.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.08.2012, 22:00 UhrVergleichkanadischerStaatenbund

    Artikel ganz aus der Sicht des EAD bzw der Bürokratie in den europäischen Aussenämtern geschrieben.

    Für die Bürger in Europa ist der Verglich von Indikatoren wie Kaufkraftentwicklung pro Kopf (und nicht kumuliert wie in der Graphik des Artikels), Arbeitslosenrate, Verteilung des Wohlstands (Gini Koeffizient) mit anderen Regionen (zum Beispiel Nordamerika) lohnenswerter.
    Eine 'Lösung der Eurokrise' bestünde auch darin den Wohlstand der Nordländer an die Südländer zu verpfänden um für deren Schulden geradezustehen.

    Im Vergleich der Entwicklung dieser Indikatoren zu anderen Weltregionen sind Parlamentarier bei den Wahlen zu messen.

  • 26.07.2012, 17:45 Uhrthamouz

    "Leider ist die EU ein Sammelbecken für Aussortierte u. Machtgeile, die keine Ahnung haben." Zitat von "esboern", dem man nur beipflichten kann. Kein Unternehmen der Wertschoepfung koennte sich solch ein teueres Kasperletheater leisten.
    Es wird allerhoechste Zeit fuer die EU - Behoerden, -kommissionen und das "Parlament", beinahe haette ich "Palaverment" geschrieben, Bilanz zu ziehen : Kosten und erbrachte Leistung. Gurken mit geringerem Kruemmungsradius ist die Glanzleistung der Europaeischen Union, die war wenigsten als Witz sein Geld wert, alles andere folgt dem Spruch : Sie schlucken Gold und reden Blech!

    Deshalb : Aufloesen und Kosten sparen! Jetzt!

  • 22.07.2012, 19:37 Uhrallesverloren

    Die Geschichte mit der Telefonnummer hat schon lange einen Bart. Kissinger ist schlau genug zu wissen, dass seine Frage unsinnig ist. Genauso gut könnte er nach einer afrikanischen oder lateinamerikanischen oder asiatischen Telefonnummer fragen.

    Europa hat zumindest damit begonnen, seine Hausaufgaben zu machen. Der US-amerikanische Kongress hat vielleicht nur eine Telefonnummer, dennoch braucht man dort nicht anzurufen, da sich dort niemand um die Probleme zu kümmern scheint.

    Ich mache mir um Europa weniger Sorgen, als um viele andere Welt-Regionen, insbesondere weniger Sorgen als um die USA.

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