
Was für einen Unterschied drei Jahre ausmachen können. Im Frühjahr 2009, beim Nato-Gipfel im Elsass, klang US-Präsident Barack Obama bescheiden, fast schon ein bisschen devot. Er sei gekommen, um zuzuhören und nicht um zu dozieren, sagte er und schmeichelte: „In Amerika wird Europas Führungsrolle in der Welt nicht richtig verstanden.“
Im Frühsommer 2012, als die 20 mächtigsten Industrienationen zusammenkamen, war der Ton ein ganz anderer. Schon vor dem G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos streute die US-Regierung eifrig, das schlechte Krisenmanagement der Europäer sei das größte Risiko für die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellte bei seiner Ankunft erst einmal gereizt klar: „Wir kommen mit Sicherheit nicht hierher, um uns belehren zu lassen.“ Und Bundeskanzlerin Angela Merkel ergänzte, auch andere Teile der Welt hätten ihre Hausaufgaben zu machen.
Bild: dpaJosé Manuel Barroso - Präsident der EU-Kommission
Er sagt es immer wieder: Die EU kann sich in der Welt nur Gehör verschaffen, wenn sie mit einer Stimme spricht. Aber oft steht auch er einer einheitlichen Außenpolitik im Weg.
Bild: REUTERSHerman Van Rompuy - Präsident des europäischen Rats
Als US-Außenminister spottete Henry Kissinger, er wisse nie, wen er in der EU anrufen müsse. 00 32 22 81/97 29 lautet jetzt die Antwort – doch erfahren würde er vermutlich nicht viel.
Bild: dpaCatherine Ashton - Europäische Außenministerin
Als unauffällig und unerfahren wurde die Britin seit ihrem Amtsantritt kritisiert. Die Mitgliedstaaten machen es ihr allerdings nicht leicht. Im Zweifel setzen sie auf nationale Diplomatie.
Bild: dpaMartin Schulz - Präsident des Europäischen Parlaments
Der streitbare Sozialdemokrat möchte dem EU-Parlament zu mehr Einfluss verhelfen. Aber schon im Brüsseler Machtgefüge fällt ihm das schwer – darüber hinaus erst recht.
José Manuel Barroso - Präsident der EU-Kommission
Er sagt es immer wieder: Die EU kann sich in der Welt nur Gehör verschaffen, wenn sie mit einer Stimme spricht. Aber oft steht auch er einer einheitlichen Außenpolitik im Weg.
Seit Ausbruch der Schulden- und Bankenkrise hat Europa eine Flut von wohlmeinenden Ratschlägen aus aller Welt erhalten. Aber so vorgeführt wie in Los Cabos, wo sich die Gespräche fast ausschließlich um Europas Desaster drehten, wurde die Europäische Union wohl noch nie. Der globale Einfluss des kleinsten Kontinents der Erde nähert sich in diesen Tagen seiner geografischen Größe an. In der weltweiten Hackordnung der Mächte ist die Europäische Union um einige Plätze nach unten gerutscht – und das nicht nur, weil sie die Probleme der Währungsunion nicht in den Griff bekommt.
System sichern
Die Folgen sind gravierend: Schrumpft Europas Einfluss in der Welt, beeinträchtigt das die künftige Wirtschaftsleistung. Es könnte der Beginn einer Abwärtsspirale sein.
Für Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, steht nichts weniger als das europäische Sozialmodell auf dem Spiel. „In der heutigen Welt, in der technologische Revolutionen die Geschwindigkeit der Globalisierung diktieren, müssen wir ausreichend Einfluss haben, wenigstens unser System zu sichern“, sagt der Franzose, einst rechte Hand des Euro-Schöpfers und EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors. „Es geht darum, dass unser System weiterhin als eine Möglichkeit besteht, nicht darum, es anderen aufzudrängen – die Zeiten dazu sind längst vorbei.“

Der Abwärtstrend zeigte sich schon vor der Euro-Krise. Seit Jahren sagen Ökonomen voraus, die schnell wachsenden Schwellenländer würden an Europa vorbeiziehen. Befinden sich mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien aktuell noch vier EU-Länder unter den zehn größten Volkswirtschaften der Erde, werden es nach Berechnungen von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers im Jahr 2050 nur noch zwei sein. Deutschland rutscht von Platz fünf auf Platz neun ab. „Wir schwimmen entweder zusammen oder gehen einzeln unter“, beschwört Barroso die Einheit der EU.
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