Görlachs Gedanken: Die Antwort auf Terrorismus lautet Barmherzigkeit

kolumneGörlachs Gedanken: Die Antwort auf Terrorismus lautet Barmherzigkeit

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Wie sollten wir auf Folter, Terror und Tod in Europa darauf reagieren?

Kolumne

Fanatische Islamisten bringen Folter, Terror und Tod nach Europa. Wie sollten wir darauf reagieren? An Ostern gaben gleich zwei Päpste die Antwort: Mit Barmherzigkeit - sonst droht uns der moralische Bankrott.

Das Christentum hat mehr mit Wirtschaft zu tun als gemein hin bekannt ist. Seine Lehre bezeichnet es freimütig als "Heils-Ökonomie" und meint damit: Was in der Geschichte zwischen Gott und dem Menschen geschieht, unterliegt einer gewissen Metrik, hat einen bestimmten Sinn: der Mensch glaubt, Gott gewährt dafür ewiges Leben. Auf dem Weg zu Gott gibt es gerade Wege, Umwege und Irrwege. Die Geschichte der Welt ist für Christen in diesem Sinne ein Epos, ein Drama.

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Papst Franziskus hat gerade an Ostern wieder darauf aufmerksam gemacht, dass es vor allem die Barmherzigkeit ist, mit der Gott in diesem ökonomischen Thriller operiert. Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, der als Priester und Bischof täglich die Nöte der Menschen in Argentinien vor Augen hatte, der als erste Amtshandlung die Flüchtlinge in Lampedusa besucht und einigen in Europa Gestrandeten nun am Gründonnerstag die Füße gewaschen hat, sagte in seiner Predigt am Ostersonntag deutlich: „Angesichts der geistigen und moralischen  Abgründe der Menschheit, angesichts der Leere, die sich in den Herzen zeigt und Hass und Tod hervorbringt, kann nur eine unendliche Barmherzigkeit uns Rettung bringen.“

Auch sein Vorgänger, der deutsche Philosoph auf dem Stuhl Petri, Joseph Ratzinger, äußerte sich kurz vor dem Osterfest in einem Interview in ähnlicher Weise: „Erst da, wo Barmherzigkeit ist, endet die Grausamkeit, endet das Böse, endet die Gewalt.“ Es war ökonomisch geradezu geboten, dass sich gleich zwei Nachfolger Petri zu diesem Thema äußerten, Das zeigt, wie wichtig es ist und was alles für unsere Kultur und unser Zusammenleben daran hängt. Es geht dabei wirklich nicht nur um einen religiösen Narrativ, der in der Gegenwart für viele eher mythologische Züge enthält.

Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University. Quelle: Lars Mensel / The European

Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University, wo er im Government Department zum Konzept des Abendlands arbeitet. Er ist ferner Senior Fellow des Carnegie Council for Ethics in International Affairs, Kommentator für die New York Times und Herausgeber des Online-Magazins www.saveliberaldemocracy.com.

Photo Credit: David Elmes, Harvard University

Bild: Lars Mensel / The European

In der Debatte um die Flüchtlinge, die dem amtierenden Papst sehr am Herzen liegen, wird nicht mehr viel von Barmherzigkeit, sondern von Gerechtigkeit gesprochen: es geht den Europäern um Schengen, um Dublin, also Recht, das für Gerechtigkeit sorgen soll: welches Land nimmt wie viele Flüchtlinge auf? Wie werden die Außengrenzen dergestalt effektiv geschützt, dass die Flüchtlinge nicht dazu zwingen, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Auch in Deutschland geht es um Recht. So forderte beispielsweise der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, dass die Container, die Flüchtlinge bezogen, den dafür geltenden Normen und Regeln voll entsprechen sollten. Es gehe zu allererst darum, Gesetze umzusetzen.

Was sagen die Päpste dazu? „Es ist die Barmherzigkeit, die uns zu Gott hinzieht, während die Gerechtigkeit uns vor ihm erschrecken lässt,“ sagte Benedikt XVI. Ja, nackte Gerechtigkeit ist absolut, gnadenlos, unbarmherzig. Wenn wir nur an objektiven Maßstäben gemessen würden, keiner, so die biblische Botschaft, könnte sich jemals als Gerechten ansehen. Das Sprechen von der Herrschaft des Rechts darf in diesem christlichen Sinne kein Fetisch werden. Was konkret heißt: bevor Flüchtlinge draußen im Kalten, auf der nassen und schlammigen Erde ungeschützt schlafen müssen, sollen sie in trockenen, sauberen Containern übernachten dürfen, auch wenn diese nicht unter voller Berücksichtigung aller Vorschriften aufgebaut werden können.

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