Grexit: Juncker: Griechen müssen im Euro bleiben

exklusivGrexit: Juncker: Griechen müssen im Euro bleiben

Bild vergrößern

Jean-Claude Juncker

von Silke Wettach und Christian Schlesiger

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnt die EU-Mitgliedsstaaten vor einem Austritt der Griechen aus dem Euro.

„Es geht nicht nur um währungspolitische und wirtschaftliche Gründe, sondern auch um die Würde der Griechen“, sagte Juncker der WirtschaftsWoche. „Man kann sie nicht einfach aus der Währungsunion hinauswerfen. Die Griechen haben natürlich lernen müssen, dass der Solidarität des einen die Solidität des anderen gegenüberstehen muss.“

Gleichzeitig verteidigt der Kommissionspräsident die Währung gegenüber Skeptikern, die den Euro als Spaltpilz der EU sehen. „Der Euro ist nicht ursächlich schuld daran, dass sich die Europäische Union auseinanderbewegt“, sagte Juncker der WirtschaftsWoche. „Wir würden uns ohne Euro in einem Währungskrieg befinden.“

Anzeige

Die Reformliste der Griechen

  • Die Pläne

    Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur will die Regierungskoalition in Athen mit einem Mix aus Steuererhöhungen, Privatisierungen und Rückzahlungen von Steuersündern Geld in die leeren Staatskassen spülen. Die internationalen Geldgeber haben die Umsetzung konkreter Reformen zur Bedingung für die Auszahlung ausstehender Hilfsgelder gemacht.

  • Rentenreform

    Zu den Plänen der griechischen Regierung gehört auch eine Rentenreform. Wichtigste Maßnahme: Arbeitnehmer sollen künftig erst im Alter von 67 Jahren in Rente gehen können. Eine Rente mit 62 Jahren soll es nur für jene geben, die mindestens 40 Jahre lang gearbeitet haben. Dieses Vorhaben gilt als besonders heikel, weil es zu den zentralen Wahlversprechen des Linksbündnisses zählte, dass die Renten nicht angetastet werden sollen.

  • Letzte Chance für Steuersünder

    Zudem wollen die Steuerbehörden in den kommenden Tagen alle Griechen, die Schwarzgeld ins Ausland überwiesen haben, aufrufen, sich beim Finanzamt zu melden. „Wir wissen, wer sie sind, und geben ihnen eine letzte Chance, sich zu retten“, sagte ein hoher Beamter im Finanzministerium der Deutschen Presse-Agentur. In Athen liegen bereits die Listen Tausender Griechen vor, die in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 100.000 Euro ins Ausland überwiesen haben.

  • Finanzielle Erleichterungen

    In Athen liegen bereits die Listen Tausender Griechen vor, die in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 100 000 Euro ins Ausland überwiesen haben. Bereits in der Nacht zum Samstag hatte das griechische Parlament erhebliche Erleichterungen für Personen und Unternehmen beschlossen, die mit ihren Steuern und Zahlungen an Sozialkassen im Rückstand sind. Steuerzahlern, die noch im März ihre Schulden begleichen, werden Bußgelder und Verzugszinsen erlassen. Auch sind zeitlich gestreckte Ratenzahlungen möglich.

  • So hoch sind die Ausstände

    Athen hofft darauf, auf diese Weise bis zu 8,9 Milliarden Euro in die Kassen zu spülen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen bereits mehr als 100.000 Steuerzahler elektronisch bei den Steuerbehörden angemeldet haben, dass sie von dem neuen Gesetz Gebrauch machen wollen. Die tatsächlichen Außenstände sind allerdings viel höher: Laut Finanzministerium schulden rund 3,7 Millionen Griechen und 447.000 Unternehmen dem Staat etwa 76 Milliarden Euro.

  • Höhere Mehrwertsteuern

    Darüber hinaus will Athen die Mehrwertsteuer für Touristeninseln in der Ägäis erhöhen - wie beispielsweise Mykonos und Santorin. Diese Pläne will Finanzminister Varoufakis aber offenbar doch nicht umsetzen. Auch für Hotels sollte die Mehrwertsteuer angehoben werden, ebenso wie die Steuern auf Tabakwaren und Alkohol. Unklar ist noch, wie die Regierung ihr Versprechen erfüllen will, die Reichen zur Kasse zu bitten.

Das europäische Währungssystem hätte den Irakkrieg, die Attentate vom 11. September, die Finanzkrise und die Ukrainekrise nicht überlebt, so Juncker. „Es wäre von diesen Ereignissen gesprengt worden, und jede Zentralbank würde ihre eigene Geldpolitik ohne disziplinierende Wirkung des Euro machen.“

Zudem forderte Juncker die Mitgliedsstaaten zu mehr Bescheidenheit auf. „In 20 Jahren wird kein einziges EU-Land mehr am G7-Tisch sitzen. Unsere Bevölkerungen schrumpfen so sehr, dass unser Anteil an der Weltbevölkerung Ende des 21. Jahrhunderts nur noch vier Prozent betragen wird“, so Juncker gegenüber der WirtschaftsWoche. Anfang des 20. Jahrhunderts habe der Anteil bei 20 Prozent gelegen. „Das müsste zu Bescheidenheit einladen. Wir denken immer, wir sind die Herren der Welt, aber wir sind es offensichtlich nicht. Europa ist der kleinste Kontinent.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%