Griechenland: Athen schreckt auch vor Lügen nicht mehr zurück

Griechenland: Athen schreckt auch vor Lügen nicht mehr zurück

von Silke Wettach

Griechenlands Premier Tsipras hofft beim Treffen in Brüssel auf dringend benötigtes Geld. Kanzlerin Merkel machte die Hoffnungen zunichte. Angesichts der prekären Lage versteigt sich Vizepremier Dragasakis in Lügen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht nicht davon aus, dass das Sondertreffen zu Griechenland am Rande des EU-Gipfels am Donnerstagabend einen Durchbruch bringen wird. „Es ist natürlich völlig klar, dass eine Lösung für Griechenlands Probleme schon heute Abend in Brüssel niemand erwarten kann“, sagte sie am Donnerstagvormittag im Bundestag.

Auch bei ihrem Treffen mit Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag in Berlin rechnet sie nicht mit entscheidenden Fortschritten. Tsipras hat dagegen seit Tagen klar gemacht, dass er sich von den Gesprächen eine „politische Lösung“ erhoffte.

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Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

  • Die Rückzahlungen 2015

    Die griechische Regierung muss in diesem Jahr noch rund 17 Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. Der größte Batzen entfällt dabei mit rund 8,1 Milliarden Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Daneben stehen Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB), private Gläubiger sowie die Partner aus der Eurozone aus. Ungeachtet der Verlängerung des Hilfsprogramms mit den Euro-Partnern ist bisher unklar, wie Finanzminister Yanis Varoufakis die Mittel aufbringen will. Vor allem im Juli und August stehen Rückzahlungen über mehrere Milliarden Euro an. Es folgt eine Auflistung darüber, was Griechenland in welchem Monat dieses Jahres zahlen muss.
    Rundungsdifferenzen möglich, Quelle: Eurobank Athen, eigene Berechnungen (Reuters)

  • März

    Rund 1,5 Milliarden an den IWF, 75 Millionen Zahlungen an andere - insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

  • April

    450 Millionen an IWF, 275 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 0,7 Milliarden Euro.

  • Mai

    750 Millionen plus 196 Millionen an IWF, sowie 77 Millionen für bilaterale Kredite - insgesamt rund 1 Milliarden Euro.

  • Juni

    1,5 Milliarden an IWF plus 280 Milliarden an EZB und andere - insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

  • Juli

    450 Millionen an IWF, 3,5 Milliarden an EZB, 700 Millionen an Zinsen für EZB - insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro.

  • August

    Rund 170 Millionen an IWF, 3,2 Milliarden an EZB und andere Notenbanken, 190 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

  • September

    1,5 Milliarden Euro an IWF.

  • Oktober

    450 Millionen an IWF, 200 Millionen an andere - insgesamt 0,65 Milliarden Euro.

  • November

    150 Millionen an IWF, 77 Millionen bilaterale Kredite - rund 0,23 Milliarden Euro

  • Dezember

    1,1 Milliarden Euro an IWF.

Unterdessen wird die Lage in Athen immer prekärer. Am Freitag muss Griechenland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 336 Millionen Euro zurückzahlen. Seit Tagen ist offensichtlich, dass die griechische Regierung an allen Ecken und Enden Geld zusammenkratzt. Rund 200 Millionen Euro an europäischen Baumwollsubventionen, für die die griechische Regierung in Vorleistung hätte gehen müssen, wurden nicht ausgezahlt. Medienberichten zufolge hat das Verteidigungsministerium den Lohn von Werftarbeitern nicht überwiesen.

Die Kapitalflucht nimmt zu

Außerdem soll die Regierung versuchen, sich Mittel von öffentlichen Versorgern wie dem Stromunternehmen Dei auszuleihen. Besonders bedenklich: Griechen ziehen ihre Guthaben wieder verstärkt ab. Alleine am Mittwoch sollen 350 bis 400 Millionen von Konten abgehoben worden sein. Seit November beläuft sich die Kapitalflucht auf 50 Milliarden Euro, wenn man die Target2-Salden als Berechnungsgrundlage nimmt. Das entspricht 30 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung.

Griechenland Tsipras will Merkel schon früher treffen

Kanzlerin Merkel hat Griechenlands Regierungschef für Montag nach Berlin eingeladen. Doch Tsipras macht Druck: Er will sie und weitere EU-Spitzen schon am Donnerstag in Brüssel treffen.

Alexis Tsipras Griechenland Quelle: REUTERS

Die Ereignisse der vergangenen Tage haben das Ansehen der Regierung beeinträchtigt. Immer mehr Griechen fragen sich, ob die Taktik der neuen Regierung tastsächlich aufgehen wird. Die Zustimmungsrate für die neue Regierung, die Mitte Februar noch bei spektakulären 83,1 Prozent lag, ist auf 59,8 Prozent zurückgefallen, ergab eine Umfrage von Marc für den Fernsehsender Alpha.

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