Griechenland: Athen wird die IWF-Rate nicht zahlen

Griechenland: Athen wird die IWF-Rate nicht zahlen

, aktualisiert 29. Juni 2015, 23:59 Uhr

Nach den gescheiterten Schulden-Gesprächen hält die griechische Regierung Banken und Börse des Landes für eine Woche geschlossen. Zudem gab sie bekannt, die am Dienstag fällige IWF-Rate werde nicht beglichen. Die Ereignisse im Überblick.


+++23.45 Uhr+++

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Ministerpräsident Tsipras verbindet seine politische Zukunft mit dem Ergebnis des Referendums. Die linksgerichtete Regierung in Athen werde bei der Volksabstimmung zwar ein "Ja" der Bevölkerung respektieren. "Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie ausführen", erklärt Tsipras.

+++22.32 Uhr+++

Tsipras bestätigt in einem Interview des griechischen Staatsfernsehens, dass Griechenland die am Dienstag fälligen Juni-Raten an den IWF nicht zahlen wird. Die Zahlung werde nicht erfolgen, wenn es nicht über Nacht noch eine Einigung mit den internationalen Gläubigern gebe.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    "Letztendlich entscheidet das Referendum am Sonntag darüber, ob Griechenland in der Währungsunion bleibt. Wenn sich die Griechen dafür aussprechen, kann die Staatengemeinschaft ein solch demokratisches Votum nicht übergehen. Dann werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Bei einem negativen Votum kommt es dagegen zum Grexit. (...) Bis dahin tobt ein Nervenkrieg. Die Kapitalverkehrskontrollen reichen zunächst erst einmal aus, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die Kontrollen behindern die Wirtschaft, ebenso wie die von der Syriza geschaffene Unsicherheit. Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland. Für Deutschland spielt das keine Rolle. Nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin."

  • Marc Tüngler, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

    „Natürlich wird der Dax zunächst leiden, aber fundamental ist die Wirtschaft in Takt (...) Der Rückschlag wird nicht von Dauer sein."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Für Griechenland wird es jetzt ganz schwierig. Europa versucht, den Schaden für andere Euro-Länder zu begrenzen. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen. Die EZB hat bereits erklärt, dass sie die Lage an den Finanzmärkten genau verfolgt und notfalls eingreifen wird. Bei größeren Turbulenzen, die der Konjunktur gefährlich werden könnten, könnte die EZB ihre Anleihekäufe zeitlich nach vorne ziehen oder aufstocken. Sie könnte auch Anleihen bestimmter Länder wie Spanien und Italien früher kaufen. Sie könnte noch deutlicher darauf verweisen, dass es das ultimative Sicherheitsprogramm - das sogenannte OMT-Programm - auch noch gibt."

  • Nicolaus Heinen, Deutsche Bank

    "Mit einer solchen Wendung haben nur wenige gerechnet. Kapitalverkehrskontrollen, vor allem aber die hohe Unsicherheit der kommenden Wochen und Monate dürften die letzte Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung in Griechenland zunichte machen. Ein Staatsbankrott Griechenlands bedeutet nicht automatisch Grexit. Im besten Fall könnten die Entwicklungen dieser Tage nun dazu führen, dass Europa einen Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt - ganz so, wie die erste Griechenlandkrise vor fünf Jahren zu einem Rettungsmechanismus für Staaten führte. Spannend bleibt, ob und wie andere populistische Kräfte in Europa von den Entwicklungen profitieren. Die Polarisierung zwischen etabliertem Lager und Populisten dürfte in den kommenden Monaten weiter steigen."

  • Johannes Mayr, BayernLB

    "Weder der Grexit noch die Staatspleite sind zwingend. Es hängt sehr davon ab, wie das Referendum ausgeht. Wenn es zu einer Ablehnung kommt, wäre Griechenland auf schiefer Ebene unterwegs in Richtung Euro-Abschied. Die EZB hat die Kapitalverkehrskontrollen praktisch erzwungen, indem sie die Notfallkredite an griechische Banken nicht weiter erhöht hat. Wenn die EZB sie wieder aufstockt nach einem positiven Votum der Griechen, dann wären sie in diesem Umfang nicht mehr notwendig. Die Folgen für die Wirtschaft sind sehr negativ. Durch die Kapitalverkehrskontrollen werden die Geschäfte von Unternehmen und deren Abwicklung über die Banken behindert. Das dürfte die Konjunktur weiter beschädigen.

    Die direkten Folgen für die Wirtschaft in der Euro-Zone und Deutschland dürften begrenzt sein - Griechenland ist zu klein, die Handelsverflechtungen zu gering. Man muss aber abwarten, wie stark die Marktturbulenzen sein werden. Denn die könnten auf die Realwirtschaft durchschlagen."


+++19.37 Uhr+++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält die Folgen, wenn das Hilfsprogramm ausläuft, für beherrschbar. Das werde ohne eine „dramatische, unkontrollierbare Zuspitzung“ ablaufen, sagt Schäuble laut Teilnehmern in einer Sondersitzung der Unionsfraktion. Er sehe keine Gefahr für eine Ansteckung anderer Euro-Länder. Hätten die Geldgeber den Wünschen der griechischen Regierung einfach nachgegeben, hätte die Eurozone „jede Substanz“ verloren. „Europa muss gelassen, klar und entschlossen bleiben“, so Schäuble.

+++19.00 Uhr+++

Unionsfraktionschef Volker Kauder schließt weitere Hilfen für Griechenland nach dem Referendum nicht aus. „Wenn das Ergebnis der Volksbefragung vorliegt, werden wir abzuwarten haben, was Griechenland sich dann vorstellt“, so Kauder. Das zweite Hilfsprogramm für das akut pleitebedrohte Land laufe nach dem Abbruch der Verhandlungen definitiv in der Nacht zum Mittwoch aus. Griechenland stehe es aber frei, sich nach dem Referendum am 5. Juli um ein neues Hilfspaket nach den Regeln des Euro-Rettungsschirms ESM zu bemühen. „Auch dort gilt dann Leistung und Gegenleistung“, betont Kauder. Die Tür sei nicht zu. „Aber die Bedingungen für ein Hilfsprogramm haben sich nicht geändert.“ Die Regeln in Europa würden nicht durch eine Volksabstimmung in Griechenland entschieden.

+++18.26 Uhr+++

Griechenland wird nach Angaben eines Regierungsvertreters die am Dienstag fällige IWF-Kreditrate von 1,6 Milliarden Euro nicht zahlen. Damit wäre Griechenland das erste Industrieland, das bei dem Internationalen Währungsfonds in Zahlungsrückstand gerät.

Athen lässt Börsen beben Ist der Griechenland-Börsencrash nur verschoben?

Die Börsen haben sich von ihrem Einbruch am Morgen etwas erholt, der vorläufige Crash hat sich zu mittleren Kursverlusten gemausert. Nun heißt es für Anleger abwarten. Dabei könnten sich Einstiegschancen ergeben.

DAX fällt wegen Griechenland um 4 Prozent. Quelle: dpa Picture-Alliance

+++18.01 Uhr+++

Dem Dax haben die Griechenland-Wirren den größten Tagesverlust seit Jahren eingebrockt. Ein Crash an Europas Börsen blieb wie von Experten erwartet am aber aus. Der Dax schließt 3,56 Prozent schwächer bei 11.083,20 Punkten. Am Freitag hatte sich der deutsche Leitindex noch mit einem satten Wochenplus von mehr als 4 Prozent aus dem Handel verabschiedet.

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