Griechenland: Der Mythos vom Wachstum

AnalyseGriechenland: Der Mythos vom Wachstum

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Optimistische Prognosen helfen Griechenlands krisengebeutelter Wirtschaft nicht weiter.

von Silke Wettach

Die Geldgeber haben versucht, die griechische Wirtschaft gesundzubeten. Doch offensichtlich optimistische Prognosen helfen dem Land nicht weiter.

Zufriedene Gesichter auf Malta: Bei ihrem informellen Treffen in Valletta haben sich die Finanzminister der Eurozone mit Griechenland grundsätzlich darüber verständigt, welche Voraussetzungen das Land erfüllen muss, damit die nächste Hilfstranche von sieben Milliarden Euro ausgezahlt werden kann.

Griechenland benötigt die Mittel, bevor im Juli Rückzahlungen an die Gläubiger anstehen. Vertreter der Troika werden nun in Kürze nach Griechenland zurückkehren und vor Ort die Umsetzung des Programms prüfen.

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Den Sitzungsteilnehmern war anzumerken, dass sie das Treffen als Erfolg werteten. In den Tagen zuvor war in Athen die Nervosität gewachsen. Regierungschef Alexis Tsipras, der in Meinungsumfragen rund 20 Prozentpunkte hinter dem Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis liegt, hatte einen Sondergipfel gefordert, um eine Einigung zu erzielen. Erinnerungen an das Jahr 2015 mit seinen vielen Krisensitzungen kamen hoch.

Europäische Union Die nächste Stufe der Griechenlandrettung

Frische Milliarden nur gegen Reformen. Das diskutieren die Euro-Finanzminister in Malta, offenbar gibt es einen Durchbruch. Doch es geht um mehr. Die Europäer verhandeln, wie es nach dem dritten Hilfspaket weitergeht.

Frische Milliarden für Griechenland. Quelle: dpa Picture-Alliance

Eine Eskalation wie damals konnte vermieden werden, aber um Griechenland steht es alles andere als gut. Das Land ist weit entfernt davon, zu einem andauernden Wirtschaftswachstum zurückzukehren. Das wird nun offensichtlich – nachdem die Geldgeber lange genug so getan haben, als ob sich Griechenlands Wirtschaft nachhaltig erhole.

Fünf Krisen, die die EU schon überlebt hat

  • Frankreich-Veto

    Als Großbritannien 1963 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft der sechs Gründerstaaten beitreten will, legt Frankreichs Präsident Charles de Gaulle sein Veto ein. Großbritannien sei weder politisch noch wirtschaftlich reif, argumentiert er. Erst sein Nachfolger Georges Pompidou bringt die Wende. Der Beitritt der Briten gelingt 1973 - zehn Jahre nach dem ersten Antrag.

    Quelle: dpa

  • Eurosklerose

    Von Mitte der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre schwächelt die Gemeinschaft wirtschaftlich und politisch. Von „Eurosklerose“ ist die Rede. Die Konkurrenz aus den USA und Japan macht dem europäischen Markt zu schaffen. Die Mitgliedsländer versuchen, ihre Märkte zu schützen und nationale Interessen durchzusetzen. Die Krise wird überwunden durch neuen Schwung nach den Beitritten von Spanien und Portugal und dem Plan eines gemeinsamen europäischen Binnenmarkts.

  • Ablehnung des Maastrichter Vertrages

    Es soll der Startschuss zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sein. Doch die Dänen sagen in einem Referendum Nein zum Vertrag von Maastricht und setzen das politische Europa 1992 unter Schock. Elf Monate vergehen, bis ein Kompromiss mit Sonderrechten ausgehandelt wird, dem die Dänen zustimmen.

  • Santer-Kommission

    Mehrere Mitglieder der vom Luxemburger Jacques Santer geführten EU-Kommission müssen sich einem Misstrauensvotum im Europäischen Parlament wegen möglicher Betrugsaffären stellen. Ein von „fünf Weisen“ erstellter „Bericht über Betrug, Missmanagement und Vetternwirtschaft“ besiegelt kurz darauf das Schicksal der Santer-Kommission. Das gesamte Kollegium tritt im März 1999 zurück.

  • Scheitern der EU-Verfassung

    Mehr Demokratie und Transparenz - darum geht es 2005 in dem mühsam ausgehandelten „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ der damals 25 EU-Staaten. Doch die Franzosen und die Niederländer lehnen die EU-Verfassung bei Volksabstimmungen ab. An ihre Stelle tritt letztlich 2009 der Vertrag von Lissabon, der ähnliche Ziele verfolgt.

In einem Jahr, in dem in den beiden größten Ländern der Eurozone Wahlen anstehen, haben die Geldgeber das Publikum sichtbar in die Irre geführt. Offiziell geht die EU-Kommission immer noch davon aus, dass Griechenlands Wirtschaft in diesem Jahr um 2,7 Prozent wachsen wird.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte diese Zahl zuletzt im Februar noch bestätigt, obwohl IWF-Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand schon zu Jahresbeginn zugaben, dass die Prognose reichlich hoch gegriffen war.

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