_

Griechenland: Die staatlichen Strukturen sind desolat

von Silke Wettach und Gerd Höhler

Geld von den internationalen Kreditgeber gibt es diesmal nur, wenn Griechenland mehr als Versprechen liefert. Doch echte Reformen sind schwierig. Unterstützung von außen kann nur bedingt helfen.

Seit Tagen warten Politiker und Märkte ungeduldig auf den schon häufiger in Aussicht gestellten erfolgreichen Abschluss der quälenden Verhandlungen über Kernelemente eines umfassenden zweiten Hilfspakets für Griechenland. Was dies so schwierig macht: Es geht zwar um ein großes hehres Ziel: nämlich die erdrückende Schuldenlast von über 350 Milliarden Euro für das überschuldete Land auf längere Sicht wieder tragfähig zu machen. Doch bis das große verwinkelte Hilfsgebäude steht, müssen fünf Baustellen abgearbeitet werden - großteils parallel.

Bild: dpa

Rein grammatikalisch ist der Fall klar: Der Begriff „unendliche Geschichte“ lässt sich nicht steigern. Gefühlt dagegen schon, sinniert in diesen Tagen ein Beamter in der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der EU-Kommission in Brüssel. Mit ständig neuen Volten und Wendungen nehme das griechische Drama, das in sein drittes Jahr geht, immer neue ungeahnte Qualitäten an.

Anzeige

Am vergangenen Dienstag etwa, die Spuren der Krawalle vom Sonntag waren in Athen noch nicht beseitigt, beschlossen die Finanzminister der Euro-Zone, Griechenland noch einmal zappeln zu lassen. Sie sagten ihr für Mittwoch anberaumtes Treffen kurzfristig ab, obwohl wenige Stunden zuvor EU-Währungskommissar Olli Rehn noch betont hatte, wie wichtig dieser Termin für Griechenland sei.

Begrenzte Hilfsmöglichkeiten

Diesmal wollen die internationalen Kreditgeber deutlich machen, dass sie es ernst meinen. „Griechenland muss nicht nur Versprechungen machen, sondern auch liefern“, betont Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Ein zweites Rettungspaket für Griechenland werde es nur geben, wenn dem Fass endlich ein Boden eingezogen werde, heißt es seit Wochen aus Berlin. Doch echte Reformen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft dürften sich als erheblich schwieriger erweisen als die bisherigen Sparbemühungen. Und die Möglichkeiten, von außen Hilfe zu bieten, sind begrenzt.

Neues Rettungspaket Willkommen in der Transferunion!

Die Euro-Finanzminister ignorieren die wirtschaftliche Realität und geben ein weiteres Rettungspaket über 130 Milliarden Euro für Athen frei. Damit setzen sie einen Teufelskreis in Gang.

Neues Rettungspaket: Willkommen in der Transferunion!

Schon bevor Griechenland die Milliardenkredite der Hilfspakete erreichten, hat es an finanziellen Zuflüssen nicht gemangelt. Franz-Ulrich Willeke, emeritierter Professor für Volkswirtschaft der Universität Heidelberg, befasst sich seit Jahren mit den wenig transparenten Geldströmen der EU. In mühevoller Kleinarbeit hat er die operativen Ausgaben der EU in Griechenland aufsummiert und die griechischen Beiträge zur EU abgezogen. Nach seinen Berechnungen erhielt Griechenland unterm Strich ab seinem EU-Beitritt 1981 bis 2008 insgesamt 89 Milliarden Euro aus den Brüsseler Kassen. 46 Milliarden Euro davon stammten aus Deutschland. Griechenland hat somit wesentlich höhere Nettoleistungen erhalten als Portugal und Irland; gemessen an der Einwohnerzahl auch deutlich mehr als Spanien.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.02.2012, 14:46 UhrWegweiser

    Die eigentlich Verantwortlichen für diese Politik sitzen aus deutscher Sicht in Berlin. Diese zahlreichen und vielfältigen Fehlentwicklungen können den dafür Zuständigen in Brüssel und auch in Bonn/Berlin niemals verborgen geblieben sein. Der Euro ist in erster Linie ein politisches Projekt, diesem haben sich alle ökonomischen Funktionen einer Währung bedingungslos unterzuordnen. Dabei werden bewußt und vorsätzlich Fehlentwicklungen hingenommen, die Folge ist volkswirtschaftliche Divergenz statt Konvergenz. Man versucht nunmehr mit allen Mitteln diese Währungsunion zu erhalten, gigantische Risiken werden dafür in Kauf genommen, die Folgen haben wir in Deutschland in den letzten 10 Jahren durch die fehlenden Aufwertungsgewinne als fehlende Sozial- und Wohlfahrtsdividende zu spüren bekommen. Die Risiken aus den Target II Finanzierungen, aus dem EFSF, aus dem ESM und der unbegrenzten Zuteilung von Liquiditätsbereitstellungen kommen noch hinzu. Doch auch dies alles wird nicht reichen.

    Weitere erhebliche Belastungen dürften auf die deutsche Volkswirtschaft, nein, besser Sparer, AN, Steuerzahler und Bürger zukommen, die Frage ist wann und in welchem Umfang? Leider kann man davon in den öffentlich-rechtlichen Medien grundsätzlich nichts erfahren. Und somit ist die deutsche Bevölkerung ruhiggestellt bis .......?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Chinesen-Plage in Hongkong
Chinesen-Plage in Hongkong

Quer durch die Kulturen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, des Innenhaltens – im britisch geprägten Hongkong nicht anders...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.