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Griechenland: Durchhalten statt Rausdrängen

Griechenland: Merkels kalkulierte Umarmung

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Durchhalten statt Rausdrängen

Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnet das Magazin Deutschland. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...

Nichts wäre deshalb aus Sicht des Kanzleramtes schlimmer, als dass Griechenland am Ende kein Geld mehr bekommt, mit ungeahnten Folgen insolvent wird - und sich Merkel vorhalten lassen müsste, sie habe einen Dialog verweigert. Gegen solche Vorwürfe hilft der Satz von Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras: "Dieser Besuch beweist, dass wir die internationale Insolation durchbrechen." Merkel nannte er "eine Freundin des Landes". Das könnte ihre Dämonisierung auch in anderen angeschlagenen Euro-Staaten dämpfen helfen.

Auch wenn Merkel in Athen keine Zusage zum Verbleib des Landes in der Euro-Zone machte, wurde der Besuch als Wink empfunden, dass Griechenland auf die Auszahlung der nächsten Finanztranche hoffen kann. "Die Bundeskanzlerin hat unterstrichen, dass die Opfer nicht umsonst bleiben dürfen", freute sich Samaras. "Ich glaube, dass wir Licht am Ende des Tunnels sehen", betonte Merkel. Wer das aber in Griechenland sehe, dürfe kaum weitere Zahlungen verweigern, so das Kalkül eines griechischen Regierungsvertreters. Auch das Treffen mit deutschen und griechischen Wirtschaftsvertretern soll dazu dienen, die Debatte um einen möglichen Euro-Ausschluss hin zur Frage zu wenden, wie das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden kann.

Die Chronik der Schuldenkrise

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 8. November 2011

    Silvio Berlusconi steht vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 14. März 2012

    Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

  • 09. Juni 2012

    Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

  • 25. Juni 2012

    Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

  • 12. September 2012

    Das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe genehmigt den ESM-Rettungsschirm unter Vorbehalten. Die Bedingung: Es müsse sichergestellt werden, dass die Haftung Deutschlands auf die vereinbarten 190 Milliarden Euro beschränkt bleibe. Ohne erneute Zustimmung Deutschlands - und damit des Bundestags - dürfen keine höheren Zahlungsverpflichtungen begründet werden. Damit kann Deutschland dem permanenten Euro-Rettungsschirm ESM beitreten. Bis zur Entscheidung aus Karlsruhe hatte Deutschland bislang als einziges Euro-Land den Vertrag über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ ESM noch nicht ratifiziert. Erst mit der Beteiligung des größten Mitgliedsstaats kann der Rettungsschirm in Kraft treten.

Fast noch wichtiger aus griechischer Sicht: Deutschland ist nun sogar in die Mitverantwortung für eine erfolgreiche Reformpolitik beim Euro-, EU- und Nato-Partner genommen worden. Die Bundesrepublik wolle mithelfen, das Krankenhausmanagement zu verbessern und die regionalen Verwaltungsstrukturen neu aufzubauen, sagte Merkel. Wenn es schiefgeht, wird ein Teil der Kritik auch in Berlin landen.

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Wie heikel diese Aufgabe ist, zeigt der Blick auf die wütenden Demonstranten in Athen. Samaras mag auf die Unterstützung einer schweigenden Mehrheit im Lande setzen, seine Regierung verspürt aber starken Gegenwind. Griechenlands Führung dürfte also erhebliche Probleme haben, die nötigen 89 Reform-Vorgaben der internationalen Gemeinschaft umzusetzen, auf die auch die Euro-Gruppen als Voraussetzung für weitere Hilfen pocht - trotz aller symbolischen Umarmungen durch die Kanzlerin. (redigiert von Sabine Ehrhardt)

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 10.10.2012, 11:10 UhrValentin

    Merkels Aussagen beim Besuch in GR können von den Griechen auch so
    verstanden werden: ihr bekommt das Geld in jedem Falle auch wenn ihr zum wiederholten male eure Zusagen nicht eingehalten habt.Es ist schon lächerlich wenn Junker ein Ultimatum stellt von dem er weiß daß GR bis dahin die Forderungen nicht erfüllen wird die Gelder aber doch überwiesen werden. Man kann auch ableiten, daß sich Frau Merkel für dauernde Transferleistungen entschieden hat, sie muß es ja nicht bezahlen u. so wie die Umfragen (getürkt?) zeigen wird ihre Beliebtheit noch steigen. Wer so naiv oder nicht informiert ist soll sein blaues Wunder in Zukunft auch erleben.

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