Griechenland: "Europe's Bad Cops"

Griechenland: Wolfgang Schäuble – der Harte

"Europe's Bad Cops"

Doch um der Kanzlerin zu helfen, muss Schäuble von Europas Zuchtmeister wieder zu Europas treuestem Parteisoldaten werden. Er darf also nicht mehr vom Grexit raunen, sondern muss unter seinen Leuten für das Kompromisspaket werben, das die Kanzlerin und er verhandelt haben.

Das wird ihm nicht leicht fallen, denn aus seiner Sicht dürfte auch das letzte Angebot an Athen zu großzügig sein. Schäuble sieht sich durch die endlosen Konsultationen, ob und wie noch einmal Hilfe nach Athen fließen solle, durchaus persönlich beleidigt.

Nach seiner Auffassung beruht die europäische Integration auf Regeln, die eingehalten werden müssen. Und die aktuelle griechische Regierung, vom Rabauken Yanis Varoufakis bis zum geschmeidiger auftretenden, aber in der Sache ebenfalls unnachgiebigen Regierungschef Alexis Tsipras, hielten sich schlicht nicht an diese Regeln.

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Schäuble weiß, dass die nötige Übertragung weiterer Kompetenzen auf europäische Institutionen in der Währungsunion noch Utopie bleibt und das System daher auf Kooperation angewiesen ist. „Europa baut auf gegenseitigem Vertrauen auf. Damit muss man vernünftig umgehen, das macht die aktuellen Verhandlungen mit Griechenland so anstrengend“, sagte er vor kurzem der WirtschaftsWoche.

Was ihm das Einlenken aber leichter machen wird? Die Kanzlerin hat sich sehr angestrengt zu zeigen, wie sehr sie Schäuble schätzt und braucht. Sie hat abwägender argumentiert als ihr Minister, ist aber inhaltlich nicht von seinem Kurs abgewichen – bis zur historischen Nachtsitzung in Brüssel, bei der Staatschefs gewöhnlich unter sich bleiben, Schäuble aber an Merkels Seite saß. „Europe’s bad cops“ schrieb das Brüsseler Internetportal Politico über das deutsche Duo.

Merkel weiß: Ohne Schäuble ist sie in Sachen Euro derzeit in ihrer Partei sehr alleine, wohl zu alleine. Für den Finanzminister, der es - auch wegen Merkel - nie ins Kanzleramt geschafft hat, ist das eine späte Genugtuung, ein Triumph. Es ist seine ganz persönliche Belohnung.

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