Griechenland: Freude über teure Freunde

Griechenland: Freude über teure Freunde

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Dimitris Rallis ist Botschafter Griechenlands in Berlin.

von Henning Krumrey

Der Sieger der Griechenland-Wahl, Antonis Samaras, freut sich auf die nächste Finanzspritze. Wenn sie denn kommt. Angela Merkel bleibt erst einmal gelassen.

Dimitris Rallis wundert sich immer mal wieder über die Deutschen, doch derzeit ist der Botschafter Griechenlands in Berlin erst recht politisch verwirrt. Keine drei Monate ist es her, da hielt die politische Klasse in der Hauptstadt nichts von Antonis Samaras, dem Vorsitzenden der konservativen Nea Demokratia. Der sei stur und stemme sich vehement gegen den Reformkurs, den der damalige Ministerpräsident Papandreou mühsam durchs Parlament brachte und damit schließlich Neuwahlen auslöste. Und nun setzten die Deutschen bei der Neuauflage der Wahlen alle ihre Hoffnungen just auf jenen Samaras. Rallis staunt.

Fürs erste haben sich die Hoffnungen der Bundesregierung und auch der führenden Parteien erfüllt: Die Griechen haben bei der Abstimmung am Sonntag den europafreundlicheren Parteien eine Mehrheit beschert. Zwar ist auch die reformfeindliche Linksbewegung Syriza gestärkt aus den Wahlen hervorgegangen, aber das Ruder dürften nun jene Kräfte übernehmen, die wenigstens die von der Eurozone verlangten Anpassungsprogramme nicht grundsätzlich in Frage stellen. Entsprechend freudig - zumindest bis zum nächsten Eklat - begrüßten deshalb Politiker fast aller Parteien das Resultat. Das Bekenntnis zu Euro und Europa sei ein gutes Zeichen für den Kontinent.

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Urnengang ein Schritt zur Krisenbewältigung

Für die Bundesregierung ist der Wahlausgang Gelegenheit, wenigstens einmal kurz durchzuatmen, denn das Resultat aus Athen führt nicht zu sofortigen Turbulenzen. Ohnehin registriert Kanzlerin Angela Merkel mit einer Art realistischem Gleichmut, dass jedes anstehende Ereignis in Sachen Eurokrise im Vorhinein zur alles entscheidenden Schicksalsfrage stilisiert werde und danach – wenn nämlich die Welt doch nicht untergegangen ist – eher als Lappalie erscheint.

So auch diesmal: Statt der Grundsatzentscheidung kontinentalen Ausmaßes ist der Urnengang an der Ägäis nun wieder nur ein weiterer Schritt auf dem unendlich erscheinenden Weg der Krisenbewältigung. Allerdings verweisen die Experten der Bundesregierung darauf, dass sich die Lage an der Eurofront und insbesondere mit Blick auf Griechenland deutlich verändert habe.

Zwar hatte Wahlsieger Samaras angekündigt, mit den europäischen Partnern über eine Streckung der Anpassungsprogramme verhandeln zu wollen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, will Samaras zwei Jahre mehr Zeit. Diese Fristverlängerung würde die EU 16 Milliarden Euro mehr kosten. Doch in Berlin sieht man die Griechen eines wichtigen Druckmittels beraubt: Seit dem Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger, der mit einer Umschichtung der Rest-Verbindlichkeiten auf lange Laufzeiten einher ging, stünden keine großen privaten Kreditpakete mehr zur Rückzahlung an. Folglich könnten selbst weitere plötzlich auftretende Zahlungsprobleme Griechenlands die Finanzmärkte nicht mehr ins Chaos stürzen. Allenfalls fehle der Regierung in Athen Geld, um Rechnungen im Inland zu begleichen oder die Gehälter der Beamten zu überweisen – und das sollten die Griechen doch bitte sich ausmachen.

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