Griechenland: Für Griechenland geht es bergab

Griechenland: Für Griechenland geht es bergab

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Das Treffen in Brüssel brachte keine Lösung im griechischen Schuldenstreit.

von Tim Rahmann

Bei einem Treffen in Brüssel haben Angela Merkel, Francois Hollande und Alexis Tsipras keine Lösung für das griechische Schuldendrama gefunden. Dafür reagieren nun andere.

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und so machte der deutsche Aktienindex am Mittwochnachmittag einen großen Sprung, nachdem Gerüchte über das Parkett kursierten, Deutschland könnte im Schuldenstreit mit Griechenland einlenken; eine Einigung schien plötzlich möglich.

Tatsächlich trafen sich in Brüssel – am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels – Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zu einem gut zweistündigen Krisengespräch. Das Ergebnis: Man wolle die Gespräche fortführen und intensivieren. Weiter im Dialog zu bleiben - das ist derzeit der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich Geldgeber und Pleitestaat einigen können.

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Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

  • Grexit

    Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

  • Graccident

    Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht. Mittlerweile taucht die Wortschöpfung auch als „Grexident“ auf.

  • Anleihe

    Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

  • T-Bill

    Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

  • Schuldenschnitt

    Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

  • Rettungsschirm

    Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

  • Troika

    In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Mit Blick auf die Gerüchte vom Mittwoch, nach denen Merkel zu einer Einigung bereit sei, wenn Griechenland sich zumindest zu einer größeren Reform bekenne, sagte ein Sprecher der Bundesregierung: "Deutschland akzeptiert nur einen Vorschlag der drei Institutionen. Alles andere ist frei erfunden." Merkel hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass auf oberster politischer Ebene nur allgemeine Gespräche, aber keine konkreten Verhandlungen über Wege zur Lösung der Schuldenkrise stattfinden könnten.

Die Verhandlungen könne Griechenland nur mit den sogenannten Institutionen führen, die früher als Troika bezeichnet wurden. Dies sind der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission. Gleichwohl sei die Bundeskanzlerin kompromissbereit und handele nach dem Motto: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Ziel sei weiterhin, Griechenland im Euroraum zu halten.

Vor seinem Treffen mit Merkel und Hollande sprach Tsipras auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Nach Angaben der griechischen Regierung vereinbarten die beiden Politiker für Donnerstag weitere Gespräche. Zuletzt hatte sich Juncker über den schleppenden Verlauf der Verhandlungen verärgert geäußert und Tsipras ein Treffen verweigert.

Dass sich der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, hingegen tendenziell zuversichtlich zeigte und betonte, nur noch wenige Punkte seien zu klären, offenbart das Hickhack im Schuldendrama – und macht deutlich, wie unterschiedlich die Positionen und Erwartungshaltungen der Euro-Rettungspolitiker sind.

 

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