Griechenland: Gehen am Freitag in Athen die Lichter aus?

Griechenland: Gehen am Freitag in Athen die Lichter aus?

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Eine griechische Euro-Münze. Am Freitag wird für Griechenland ein Kredit fällig. Aber die Kassen sind leer

Griechenland muss zum Ende der Woche einen Kredit über rund 300 Millionen Euro zurückzahlen. Das Problem: Die Kassen sind leer. Wie es nun weitergeht.

Europa verhandelt auf Hochtouren mit Griechenland. Das Euro-Krisenland steht einmal mehr vor der Zahlungsunfähigkeit. Am Freitag muss ein Kredit in Höhe von rund 300 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückgezahlt werden. Das geht nur, betont die griechische Regierung, wenn sie frisches Geld bekommt.

Doch Europa zögert die Freigabe der letzten Freigabe der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm hinaus. Der Grund: Versprochene griechische Reformen liegen auf Eis. Nach einem Telefonat zwischen dem griechischen Premier Alexis Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend treffen sich ab Montagnachmittag Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Berlin. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schuldenstreit.

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Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

  • Grexit

    Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

  • Graccident

    Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht. Mittlerweile taucht die Wortschöpfung auch als „Grexident“ auf.

  • Anleihe

    Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

  • T-Bill

    Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

  • Schuldenschnitt

    Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

  • Rettungsschirm

    Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

  • Troika

    In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Wie stehen die Chancen, dass Europa erneut zur Hilfe eilt?

An einem Euro-Aus der Griechen haben die Euro-Retter kein Interesse. Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte den G7-Gipfel am Wochenende nutzen, um sich als Klimaretterin und internationale Macherin darzustellen. Negative Meldungen aus Athen kann sie da nicht gebrauchen. Die Europäische Union sehnt sich nach Stabilität, ein Grexit könnte das Gegenteil bedeuten. So warnte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Wochenende eindringlich vor dem Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion. „Diese Vorstellung, dass wir dann weniger Sorgen und Zwänge haben, wenn Griechenland den Euro abgibt, teile ich nicht“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

So laufen die Verhandlungen auf Hochtouren. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande sollen am Sonntag rund 35 Minuten telefoniert  haben. Die drei Politiker seien sich einig gewesen, dass schnell eine Lösung gefunden werden müsse, so ein griechischer Regierungssprecher. Die Stimmung bei dem Gespräch sei sehr gut gewesen.

Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

  • Die Rückzahlungen 2015

    Die griechische Regierung muss in diesem Jahr noch rund 17 Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. Der größte Batzen entfällt dabei mit rund 8,1 Milliarden Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Daneben stehen Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB), private Gläubiger sowie die Partner aus der Eurozone aus. Ungeachtet der Verlängerung des Hilfsprogramms mit den Euro-Partnern ist bisher unklar, wie Finanzminister Yanis Varoufakis die Mittel aufbringen will. Vor allem im Juli und August stehen Rückzahlungen über mehrere Milliarden Euro an. Es folgt eine Auflistung darüber, was Griechenland in welchem Monat dieses Jahres zahlen muss.
    Rundungsdifferenzen möglich, Quelle: Eurobank Athen, eigene Berechnungen (Reuters)

  • März

    Rund 1,5 Milliarden an den IWF, 75 Millionen Zahlungen an andere - insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

  • April

    450 Millionen an IWF, 275 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 0,7 Milliarden Euro.

  • Mai

    750 Millionen plus 196 Millionen an IWF, sowie 77 Millionen für bilaterale Kredite - insgesamt rund 1 Milliarden Euro.

  • Juni

    1,5 Milliarden an IWF plus 280 Milliarden an EZB und andere - insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

  • Juli

    450 Millionen an IWF, 3,5 Milliarden an EZB, 700 Millionen an Zinsen für EZB - insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro.

  • August

    Rund 170 Millionen an IWF, 3,2 Milliarden an EZB und andere Notenbanken, 190 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

  • September

    1,5 Milliarden Euro an IWF.

  • Oktober

    450 Millionen an IWF, 200 Millionen an andere - insgesamt 0,65 Milliarden Euro.

  • November

    150 Millionen an IWF, 77 Millionen bilaterale Kredite - rund 0,23 Milliarden Euro

  • Dezember

    1,1 Milliarden Euro an IWF.

Gehen in Athen die Lichter aus, wenn Griechenland bis Freitag kein neues Geld bekommt?

Griechenland muss am Freitag eine IWF-Kredittranche bedienen. Deshalb hatte die Regierung in Athen auf eine Einigung vor diesem Datum gesetzt, um endlich Klarheit zu schaffen und die Zitterpartie zu beenden. Der fällige IWF-Kredit ist mit einer Höhe von 300 Millionen Euro überschaubar, das Geld dafür offenbar sogar noch vorhanden bzw. könnte vom den Griechen zusammengekratzt werden. Der griechische Wirtschaftsminister George Stathakis sagte der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“, es bestehe keine Gefahr, dass Griechenland die Tranche nicht bedienen könne oder sie auf einen späteren Zeitpunkt im Juni verschieben müsse.

Am Freitag gehen also nicht die Lichter aus. Selbst bei einem Zahlungsverzug gegenüber dem IWF wäre dies „nicht zwangsläufig das Ende des Landes in der Währungsunion“, sagt Commerzbank-Experte Christoph Weil. Der europäische Rettungsfonds ESM werde kaum von seinem Recht Gebrauch machen, seine Hilfen umgehend zurückzufordern.

Wozu dann die Aufregung?

Griechenland will die Deadline um den IWK-Kredit nutzen, um zu einer dauerhaften Lösung der Schuldenkrise zu kommen und die letzte Kredittranche aus dem Hilfsprogramm über 7,2 Milliarden Euro zu erhalten. Dies ist auch nötig, schließlich stehen Ende des Monats weitere Zahlungsverpflichtungen an. Insgesamt bekommt alleine der IWF Im Juni knapp 1,6 Milliarden Euro zurück.

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