Griechenland: Geldgeber verärgert über Athens Hinhaltetaktik

Griechenland: Geldgeber verärgert über Athens Hinhaltetaktik

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Jeroen Dijsselbloem

von Silke Wettach

Die griechische Regierung hatte den Eindruck erweckt, die Finanzminister der Eurozone würden schon an diesem Montag frisches Geld für Athen freigeben. Stattdessen wollen die von ihrem griechischen Kollegen Yanis Varoufakis endlich eine klare Ansage zum griechischen Kurs.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem war der Ärger deutlich anzusehen. „Die Zeit rennt uns davon“, sagte er auf dem Weg zum Treffen der Finanzminister der Eurozone in Brüssel. Der Grund für seine schlechte Laune: Vor mehr als zwei Wochen haben sich Griechenland und die internationalen Geldgeber nach mühsamen Verhandlungen auf eine Verlängerung des Hilfsprogramms um vier Monate geeinigt.

Doch seitdem ist sehr wenig passiert. „Die Gespräche haben noch nicht einmal begonnen“, sagte Dijsselbloem und meinte damit die Verhandlungen zwischen den Institutionen der Troika und Griechenland.

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Die internationalen Geldgeber rätseln weiterhin, wie sich die linksgerichtete Regierung von Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis die kommenden Monate eigentlich vorstellen. „Es ist sehr wichtig, dass Varoufakis heute sagt, in welche Richtung er geht“, mahnte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici.

Die schrägsten Varoufakis-Zitate

  • Zur Troika

    "Die monumentale Aufgabe, vor der wir stehen, liegt darin, den Geist der Troika zu vertreiben, ihre Mentalität auszulöschen und ihre Macht in Europa, nicht nur in Griechenland, zu beenden."

  • Zu griechischen Rückzahlungen

    "Heute zu sagen, dass die Griechen zahlen müssen, was mir vernünftig erscheint, heißt, dass die üblichen Opfer noch mehr leiden müssen. Das ist eine Einstellung Auge um Auge, Zahn um Zahn, eine Art biblische Wirtschaft, die jeden in Europa hilflos macht."

  • Zu Krediten

    "Zu jedem verantwortungslosen Kreditnehmer gehört ein verantwortungsloser Kreditgeber. Vor 2010 hat das im Überfluss vorhandene Kapital in Griechenland einen Tsunami an Schmarotzer-Krediten ausgelöst."

  • Zur Austerität

    "Im Mittelalter haben „Ärzte“ Aderlässe verschrieben, die oft eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten auslösten, auf die der „Arzt“ mit weiteren Aderlässen reagiert. Das ist die Art von Gedankengang, die perfekt die Einstellung Europas zeigt: Je mehr die Austerität scheitert, desto mehr wird von ihr verschrieben."

  • Zu Demokratie

    "Wenn wir in Europa unter einem Defizit leiden, dann ist es ein Defizit an Demokratie. Davon profitieren schwarze Mächte, die Demokratie und Menschenrechte aushöhlen wollen."

  • Zu Zivilisation

    "Europas heutige Haltung ist eine Bedrohung für die Zivilisation, wie wir sie kennen."

  • Zu Angela Merkel

    "Merkel ist die mit Abstand scharfsinnigste Politikerin in Europa. Da gibt es keinen Zweifel. Und Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz."

Varoufakis, der am Montag zur Abwechslung einmal vorzog zu schweigen, kann sich auf einen frostigen Empfang einstellen. Seine Äußerungen vom Wochenende hatten bei den Partnern für hochgradige Irritation gesorgt. Vor allem seine Drohung, im Zweifel ein Referendum abzuhalten, hat seine Kollegen verärgert.

Offiziell nicht auf der Tagesordnung

Das griechische Finanzministerium versuchte, die Äußerung einzufangen und stellte klar, dass es sich nicht um eine Volksabstimmung zum Verbleib im Euro handele. Doch ein Referendum zur Haushaltspolitik, wie es das Ministerium uminterpretierte, ergibt herzlich wenig Sinn.

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Im Schuldenstreit mit Griechenland gibt es Hoffnung auf Bewegung: Es sollen neue Gespräche über Reformen und einen Sparkurs aufgenommen werden. Am Freitag will sich Tsipras zu einem Spitzentreffen in Brüssel einfinden.

Eine fast abgelaufene Sanduhr vor einer Griechenlandflagge Quelle: dpa

Für viele Minister der Eurozone waren die Aussagen vom Wochenende ein weiterer Beleg, dass Yanis Varoufakis seinen Kommunikationsstil ändern sollte. „Wir sollten weniger reden und mehr handeln“, riet der luxemburgische Finanzminister Pierre Gremegna am Montag.

Eine Debatte über die prekäre Finanzlage Athens steht in Brüssel offiziell nicht auf der Tagesordnung. Aber über die leere griechische Finanzkasse werden die Minister unweigerlich reden müssen. „Wir haben Geld, um Renten und Gehälter der öffentlichen Bediensteten zu zahlen“, hatte Varoufakis übers Wochenende im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ betont. Aber es ist nicht klar, wie Griechenland die im März fälligen Beträge an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen will.

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