Griechenland: Generalstreik hat begonnen

Griechenland: Generalstreik hat begonnen

Aus Protest gegen den harten Sparkurs der Regierung in Athen haben am Donnerstag umfangreiche Streiks in Griechenland begonnen. Der Generalstreik, wie ihn die Gewerkschaften nennen, sollte 24 Stunden dauern.

In Griechenland hat am Donnerstag der erste Generalstreik gegen die Sparpolitik der linken Syriza-Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras begonnen. Die öffentlichen Verkehrsmittel standen größtenteils still - unter anderem fiel die Metro in Athen aus, Busse und Straßenbahnen fuhren nur stark eingeschränkt, Fähren blieben in den Häfen. Zudem blieben Museen, Schulen und Apotheken geschlossen. In staatlichen Krankenhäusern wurde der Betrieb durch Notfallpersonal aufrechterhalten.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    "Letztendlich entscheidet das Referendum am Sonntag darüber, ob Griechenland in der Währungsunion bleibt. Wenn sich die Griechen dafür aussprechen, kann die Staatengemeinschaft ein solch demokratisches Votum nicht übergehen. Dann werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Bei einem negativen Votum kommt es dagegen zum Grexit. (...) Bis dahin tobt ein Nervenkrieg. Die Kapitalverkehrskontrollen reichen zunächst erst einmal aus, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die Kontrollen behindern die Wirtschaft, ebenso wie die von der Syriza geschaffene Unsicherheit. Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland. Für Deutschland spielt das keine Rolle. Nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin."

  • Marc Tüngler, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

    „Natürlich wird der Dax zunächst leiden, aber fundamental ist die Wirtschaft in Takt (...) Der Rückschlag wird nicht von Dauer sein."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Für Griechenland wird es jetzt ganz schwierig. Europa versucht, den Schaden für andere Euro-Länder zu begrenzen. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen. Die EZB hat bereits erklärt, dass sie die Lage an den Finanzmärkten genau verfolgt und notfalls eingreifen wird. Bei größeren Turbulenzen, die der Konjunktur gefährlich werden könnten, könnte die EZB ihre Anleihekäufe zeitlich nach vorne ziehen oder aufstocken. Sie könnte auch Anleihen bestimmter Länder wie Spanien und Italien früher kaufen. Sie könnte noch deutlicher darauf verweisen, dass es das ultimative Sicherheitsprogramm - das sogenannte OMT-Programm - auch noch gibt."

  • Nicolaus Heinen, Deutsche Bank

    "Mit einer solchen Wendung haben nur wenige gerechnet. Kapitalverkehrskontrollen, vor allem aber die hohe Unsicherheit der kommenden Wochen und Monate dürften die letzte Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung in Griechenland zunichte machen. Ein Staatsbankrott Griechenlands bedeutet nicht automatisch Grexit. Im besten Fall könnten die Entwicklungen dieser Tage nun dazu führen, dass Europa einen Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt - ganz so, wie die erste Griechenlandkrise vor fünf Jahren zu einem Rettungsmechanismus für Staaten führte. Spannend bleibt, ob und wie andere populistische Kräfte in Europa von den Entwicklungen profitieren. Die Polarisierung zwischen etabliertem Lager und Populisten dürfte in den kommenden Monaten weiter steigen."

  • Johannes Mayr, BayernLB

    "Weder der Grexit noch die Staatspleite sind zwingend. Es hängt sehr davon ab, wie das Referendum ausgeht. Wenn es zu einer Ablehnung kommt, wäre Griechenland auf schiefer Ebene unterwegs in Richtung Euro-Abschied. Die EZB hat die Kapitalverkehrskontrollen praktisch erzwungen, indem sie die Notfallkredite an griechische Banken nicht weiter erhöht hat. Wenn die EZB sie wieder aufstockt nach einem positiven Votum der Griechen, dann wären sie in diesem Umfang nicht mehr notwendig. Die Folgen für die Wirtschaft sind sehr negativ. Durch die Kapitalverkehrskontrollen werden die Geschäfte von Unternehmen und deren Abwicklung über die Banken behindert. Das dürfte die Konjunktur weiter beschädigen.

    Die direkten Folgen für die Wirtschaft in der Euro-Zone und Deutschland dürften begrenzt sein - Griechenland ist zu klein, die Handelsverflechtungen zu gering. Man muss aber abwarten, wie stark die Marktturbulenzen sein werden. Denn die könnten auf die Realwirtschaft durchschlagen."

Mehr als ein Dutzend Inlandsflüge fiel aus. Zwei Demonstrationen waren in Athen geplant. Arbeiter und Angestellte protestieren mit dem eintägigen landesweiten Streik gegen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen. Der Arbeitnehmerflügel von Syriza hatte zu einer regen Beteiligung aufgerufen.

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Quelle: Getty Images, Montage

Tsipras hatte im Januar die Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, die Politik seiner Vorgänger zu beenden, die im Gegenzug für Finanzhilfen für das überschuldete Land von den Gläubigern verlangte Sparmaßnahmen umsetzten. Im Laufe des Frühsommers geriet Griechenland aber an den Rand des Staatsbankrotts, der wohl ein Ausscheiden aus dem Euro zur Folge gehabt hätte.

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Tsipras akzeptierte schließlich die Bedingungen für ein weiteres Rettungsprogramm, das einen Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro hat und über drei Jahre laufen soll. Im September gewann er dennoch vorgezogene Neuwahlen.

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