Griechenland: Griechenland schuftet fürs Comeback

Griechenland: Griechenland schuftet fürs Comeback

Das Euro-Pleiteland kann erste Erfolge verzeichnen. Doch alleine können die Griechen die Wende nicht schaffen. Folgt ein weiterer Schuldenschnitt?

Zwei Jahre lang lagen die Baustellen brach. Jetzt buddeln die Bagger und Bulldozer wieder. In langwierigen Verhandlungen mit Banken und Baukonzernen hat die griechische Regierung eine neue Finanzierung für vier Autobahnprojekte auf die Beine gestellt. Damit können die Arbeiten an Griechenlands größtem Infrastrukturprogramm mit einem Investitionsvolumen von rund fünf Milliarden Euro endlich weitergehen.

Es bewegt sich was im Krisenland – endlich. „Jene, die noch vor einem Jahr auf Griechenlands Abschied vom Euro wetteten, setzen jetzt auf den Erfolg des Landes“, sagt Ministerpräsident Antonis Samaras.

Anzeige

IWF Griechenland-Hilfsprogramm war ein Fehler

Ein Brüsseler Think Tank hat sich die Griechenland-Hilfe genau angesehen und festgestellt: Europa hat einen großen Fehler gemacht. Auch der IWF ist von seiner Rettungsstrategie nicht mehr überzeugt.

Eine Ein-Euro-Münze auf einer Fahne der Europäischen Union Quelle: dapd

Gestern „Grexit“, jetzt „Grecovery“? Erstmals seit der Ausgabe im Februar 2012 fiel die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen Mitte Mai unter neun Prozent. Der Kurswert ist seit Juni 2012 um 350 Prozent gestiegen. Im Juni 2012 drohte Griechenland ins politische Chaos abzustürzen, das Land stand kurz vor dem Staatsbankrott. Jetzt behauptet sich die Drei-Parteien-Koalition besser als erwartet. Streiks und gewaltsame Proteste sind weitgehend abgeebbt.

Griechenlands Baustellen 2013

  • Haushaltskonsolidierung

    Griechenland muss gemäß dem neuen Sparprogramm den Staatshaushalt um 13,5 Milliarden Euro bis Ende 2014 entlasten. Weitere 3,4 Milliarden Euro sollen anschließend bis 2016 eingespart werden. Das Programm sieht vor, Renten und Löhne zu kürzen, das Rentenalter auf 67 Jahre anzuheben und Staatsbedienstete zu entlassen. Nur so wird Athen die Voraussetzungen für weitere Hilfszahlungen erfüllen können.

    Das Ziel der Troika (EU, IWF, EZB) ist es, den Schuldenstand des Landes auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Doch davon ist Athen nach wie vor weit entfernt: Die Verbindlichkeiten des Landes belaufen sich auf über 165 Prozent des BIP. 2022 soll Griechenland dieses Ziel erreichen – zwei Jahre mehr, als ursprünglich von der Troika geplant. Doch 2013 dürfte es weiter schwierig für das schuldengeplagte Land werden. Allein, weil die Wirtschaft wohl zwischen 4,2 bis 4,5 Prozent schrumpfen wird.

  • Kampf dem Steuerbetrug

    Die CD, mit Namen von 2000 Griechen mit Schweizer Geldkonten, die zwei Jahre lang verschwand und nun den sozialistischen Ex-Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hinter Gitter bringen könnte, zeigt: Griechenland muss den Steuerbetrug konsequenter angehen. Das sieht auch eine Mehrheit der griechischen Bevölkerung so. 68 Prozent kritisierten in einer Umfrage der Tageszeitung "To Vima", dass ihre Regierung den Steuerbetrug nicht konsequent bekämpft.

  • Privatisierung

    Die Regierung in Athen muss die Privatisierung von Staatsbesitz weiter vorantreiben. Im vergangenen Jahr hatte der Hellenic Republic Asset Development Fund (HRADF), die Privatisierungsanstalt des griechischen Staates, zahlreiche Vorhaben auf dem Weg gebracht. Doch nur eine Handvoll von Projekten sind tatsächlich über die Bühne gegangen. Was noch zu privatisieren ist: Flughäfen, Regierungsgebäude, maritime Häfen, die staatliche Pferderenn Wetten-Gesellschaft.

  • Neugliederung der Verwaltung

    Die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst wird 2013 weiter abnehmen. Insgesamt sollen bis Ende des Jahres 25.000 Arbeiter weniger für den Staat arbeiten. Zahlreiche Organisationseinheiten und Behörden müssen fusionieren oder geschlossen werden.

Vertrauen zu Samaras

Auch im Ausland sammelt Samaras Punkte. Dem 62-Jährigen schlug anfangs bei den EU-Partnern viel Skepsis entgegen – wegen seiner wenig konstruktiven Rolle als Oppositionsführer in den ersten beiden Krisenjahren. Inzwischen hat sich Samaras Vertrauen aufgebaut. „Griechenland ist wieder auf dem Radar der Investoren“, stellte er selbstbewusst fest, bevor er kürzlich mit einer Unternehmerdelegation nach China und Aserbaidschan reiste. Chinesische Logistikkonzerne zeigen Interesse an griechischen Flug- und Seehäfen, die demnächst privatisiert werden sollen, das staatliche aserbaidschanische Ölunternehmen Socar gilt als Favorit für die Übernahme des griechischen Gasnetzbetreibers Desfa.

Die Ratingagentur Fitch stufte Griechenlands Kreditwürdigkeit auf die Note „B-“ herauf. Die Agentur honorierte damit vor allem die Erfolge bei der Haushaltskonsolidierung. Nach dem Rekord-Fehlbetrag von 15,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Haushalt 2009, wird Griechenland in diesem Jahr voraussichtlich ein Minus von nur noch 4,2 Prozent ausweisen. Beim Defizitabbau liegt das Land vor dem Plan.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%