Griechenland: Griechische Wirtschaft wächst schneller als gedacht

Griechenland: Griechische Wirtschaft wächst schneller als gedacht

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Positive Botschaft aus Athen: Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands ist im vergangenen Quartal erneut deutlich gestiegen

Positive Botschaft aus Athen: Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands ist im vergangenen Quartal erneut deutlich gestiegen - und übertrifft damit die Erwartungen. Die Interimsregierung nimmt derweil ihre Arbeit auf.

Die griechische Wirtschaft wächst noch schneller als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,9 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Freitag in Athen mitteilte. Damit wurde das Ergebnis einer ersten Schätzung von 0,8 Prozent nach oben revidiert. Zu Jahresbeginn hatte es ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben, nachdem bislang von Stagnation die Rede war.

Angekurbelt wurde die Wirtschaft im Frühjahr vom steigenden Konsum. Dieser zog um 1,1 Prozent an. Dagegen investierten die Unternehmen deutlich weniger: Hier gab es einen Einbruch von 10,6 Prozent. Die Exporte wuchsen minimal, während die Importe deutlich schrumpften.

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Alexis Tsipras und die Schuldenkrise

  • Januar 2015

    Das Syriza-Linksbündnis unter Tsipras gewinnt die vorgezogenen Neuwahlen mit gut 36 Prozent. Seine Popularität verdankt er der Ablehnung des mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparkurses. Tsipras schmiedet ein umstrittenes Regierungsbündnis mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen.

  • Februar

    Die Euro-Finanzminister verlängern das Hilfsprogramm von Ende Februar bis Ende Juni 2015.

  • März

    Tsipras trifft zu seinem ersten offiziellen Besuch in Berlin ein. Mit einer Reformliste will er bei Kanzlerin Angela Merkel für sich werben.

  • Mai

    Die Krise im pleitebedrohten Griechenland verschärft sich. Das Tauziehen um Reformen geht weiter. Tsipras gerät in der eigenen Partei unter Druck, weil der linke Flügel gegen weitere Zugeständnisse an die Geldgeber ist.

  • Juni

    Tsipras kündigt vor dem entscheidenden Treffen der Eurogruppe ein Referendum über die Sparvorschläge der Geldgeber an und zieht damit deren Ärger auf sich. Kurz vor dem Auslaufen des zweiten Hilfspakets bittet er um ein drittes Hilfsprogramm unter dem Euro-Rettungsschirm ESM.

  • Juli

    Tsipras will nach dem Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger neue Verhandlungen. Bei einer Abstimmung im Parlament über das Spar- und Reformprogramm verfehlt er deutlich eine eigene Mehrheit, doch die Opposition stimmt überwiegend mit Ja. Sein Finanzminister Gianis Varoufakis tritt zurück. Kurz darauf entlässt Tsipras zahlreiche Regierungsvertreter seines linken Partei-Flügels. Beim Ja des Parlaments zu einem zweiten Reformpaket verfehlt er aber wiederum die eigene Mehrheit.

  • 11. August

    Tsipras kann die Experten der Gläubiger überzeugen: In den Verhandlungen über weitere Finanzhilfen bis zu 86 Milliarden wird eine Grundsatzeinigung erzielt. Aber der linke Syriza-Flügel läuft Sturm gegen die Sparmaßnahmen.

  • 14. August

    Bei der Abstimmung über das neue Hilfsprogramm verfehlt Tsipras erneut eine eigene Mehrheit seiner Koalition. Aus Regierungskreisen heißt es, er wolle nach Zahlung der ersten Tranche der Finanzhilfe die Vertrauensfrage stellen.

  • 19. August

    Der Bundestag stimmt weiteren Krediten zu. Die Euro-Finanzminister bewilligen die erste Kredittranche von 26 Milliarden Euro.

  • 20. August

    Tsipras will nach Angaben aus Regierungskreisen zurücktreten, um den Weg für vorgezogene Parlamentswahlen am 20. September zu ebnen. Er erhofft sich dadurch ein frisches Mandat, ehe die harten Sparmaßnahmen des neuen Sparprogramms greifen.

Die internationalen Geldgeber und die Regierung in Athen erwarten trotz der guten ersten Jahreshälfte eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach 2015 um gut zwei Prozent schrumpfen. Ein Grund dafür sind die seit Ende Juni geltenden Kapitalverkehrskontrollen. Derzeit können die Griechen maximal 420 Euro die Woche abheben. Zudem schlossen die Banken für drei Wochen. Nach sechsjähriger Talfahrt war das Bruttoinlandsprodukt 2014 erstmals wieder gewachsen.

Freytags-Frage Wird Tsipras Europa dauerhaft verändern?

Griechenlands Ministerpräsident sucht durch Neuwahlen stärkeren Rückhalt für die Verhandlungen mit seinen Gläubigern. Dann ist zu befürchten, dass er bei den Reformen seinen Ermessensspielraum konsequent nutzt.

Alexis Tsipras Quelle: REUTERS

Griechenland hat eine neue Regierung

Politisch gibt es in Athen währenddessen weiter Bewegung: Die geschäftsführende Ministerpräsidentin Vassiliki Thanou berief am Freitag ihre Minister ins Kabinett. Die Übergangsregierung wird amtieren, bis nach den Wahlen am 20. September eine neue Regierung gebildet ist. Es wird damit gerechnet, dass ihr zurückgetretener Vorgänger Alexis Tsipras und seine Syriza-Partei die Wahl gewinnen. Fraglich ist jedoch, ob er alleine regieren kann. Die neue Regierung sollte noch am Freitag vereidigt werden.

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Thanou hatte bereits am Donnerstag ihren Amtseid geleistet. Als Finanzminister benannte die 65-Jährige Giorgos Houliarakis, einen Akademiker, der bereits im griechischen Unterhändlerteam an den Verhandlungen mit den internationalen Kreditgebern teilgenommen hatte. Thanou, die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, ist die erste Frau an der Spitze einer griechischen Regierung.

Tsipras war vergangene Woche nach kaum sieben Monaten im Amt zurückgetreten, weil Mitglieder seiner Syriza-Partei die Sparmaßnahmen für das Rettungspaket nicht hatten mitragen wollen. Er hatte mit seinem Rücktritt auf Neuwahlen spekuliert, um sich so ein stärkeres Mandat für seine Politik zu sichern. Die griechische Regierung muss die Sparmaßnahmen im Gegenzug für das bis zu 86 Milliarden schwere Rettungspaket umsetzen.

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