Griechenland: Hans-Werner Sinn fordert Rückkehr zur Drachme

Griechenland: Hans-Werner Sinn fordert Rückkehr zur Drachme

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Der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die Griechenland-Rettungspolitik für gescheitert. Die Wiedereinführung der Drachme sei der "sozial verträglichste Weg".

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hält in der Griechenland-Krise die Wiedereinführung der nationalen Währung Drachme für die beste Lösung. Dies sei auch „der sozial verträglichste Weg“, sagte Institutspräsident Hans-Werner Sinn in Berlin.

Als Folge der damit verbundenen Abwertung der Landeswährung zum Euro von schätzungsweise 50 Prozent oder mehr würde sich die griechische Wirtschaft erholen können. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte man Griechenland die Möglichkeit geben, in den Euroverbund zurückzukehren, fügte Sinn hinzu.

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Zwischen Streit und Einigung: Die Griechenland-Krise

  • Was die Gläubiger wollen

    Euroländer und der IWF sagen, dass sie nicht weiter Milliarden an Rettungsgelder in einen Staat pumpen können, der sich nicht modernisieren will.
    Griechenlands Problem wurde ursprünglich dadurch ausgelöst, dass sich das Land vor einem Jahrzehnt - in den guten Zeiten - sozusagen mit billigen Krediten vollfraß. Folglich sollte es sich jetzt darauf konzentrieren, Kosten zu senken. Die bisherigen Hilfen für Griechenland liegen bei 240 Milliarden Euro. Seit die Zahlung der Rettungsgelder 2010 begann, hat Athen Einschnitte bei Pensionen, staatlichen Jobs und Sozialausgaben vorgenommen, staatliche Vermögenswerte veräußert und Steuern erhöht.
    Weitere Hilfen machen die Gläubiger von Reformen für effizientere Staatsverwaltung und Unternehmensregeln abhängig. So soll Athen unter anderem zahlreiche Steuerfreibeträge abschaffen, Massenentlassungen bei in Schwierigkeiten steckenden Unternehmen leichter machen und ein umfassendes Privatisierungsprogramm neu auflegen.
    Um sicher zu sein, dass Athen die Kredite auch zurückzahlen kann, wollen die Gläubiger Zusagen, dass diese Extra-Reformen auch durchgeführt werden.

  • Was Griechenland will

    Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras kam hauptsächlich mit einem Versprechen an die Macht: Die Sparmaßnahmen zu beenden, auf die sich vorherige Regierungen eingelassen hatten. Tsipras argumentiert, dass die Maßnahmen umgestaltet werden müssten, um das Wachstum zu stimulieren. Es dürfe nicht nur um Schuldenabbau gehen. Er macht die Einschnitte für eine humanitäre Krise im Land verantwortlich: Die Wirtschaft ist um ein Viertel geschrumpft, mehr als 25 Prozent der Menschen sind arbeitslos und sogar noch mehr ohne Krankenversicherung.
    Bei den neuen Reformvorschlägen konzentriert sich Tsipras hauptsächlich auf die Bekämpfung von Steuerflucht der Reichen. Dem Staat wird das aber nur begrenzt mehr Geld einbringen, denn der größte Teil der massiven Steuerschulden entfällt auf normale Haushalte und bankrotte Unternehmen. Andere Maßnahmen wie weitere Privatisierungen oder eine Lockerung von Arbeitsschutzregeln lehnt die Tsipras-Regierung ab.

  • Das Fazit

    Um eine drohende Pleite abzuwenden, muss ein Kompromiss her. Volkswirtschaftlern zufolge ist die Eurozone besser vor finanzieller Instabilität geschützt, wenn Griechenland den Euroverbund verlässt. Herabstufungen der Bonitätsnote und ein Anstieg der Kreditzinsen in den vergangenen Wochen haben an den Märkten außerhalb Griechenlands wenig Panik ausgelöst. Für Griechenland würde ein Ausstieg aus der Eurozone zumindest kurzfristig großes wirtschaftliches Chaos bedeuten.
    Um einen Deal zu erreichen, hat die Regierung in Athen einigen vordem von ihr abgelehnten Maßnahmen zugestimmt, beispielsweise einer andauernden Aufsicht von außen über die Staatsfinanzen.
    Der Schlüssel könnte am Ende in Tsipras' Popularität liegen, meint Gianis Palaiologos, ein angesehener griechischer Finanzkommentator. Demnach könnte der Regierungschef einen Kompromiss eingehen, einige kostensparende Reformen im Gegenzug zu bescheideneren Haushaltszielen akzeptieren.

Der Professor erinnerte daran, dass die Schulden Griechenlands in den vergangenen fünf Jahren von 48 Milliarden auf heute 330 Milliarden Euro gestiegen seien. „Das Experiment ist gemacht worden, und es ist gescheitert“, sagte Sinn. Die Arbeitslosigkeit sei im selben Zeitraum von 11 auf 26 Prozent gestiegen. „Man findet keine besonderen Gründen, um das fortzusetzen.“

Für Deutschland betrage der maximale Ausfall 87 Milliarden Euro, unabhängig davon, ob Griechenland den Euro behalte oder nicht. Bei einem Austritt aus der Eurozone habe Griechenland „eine gute Ausgangsposition“. Denn 110 bis 115 Milliarden Euro, die sich die griechische Zentralbank über ELA-Notkredite selbst geschaffen habe, blieben dann in der Hand griechischer Banken oder Privatleute. „Wenn Griechenland austritt, kommt man an dieses Geld nicht mehr heran“, sagte Sinn.

Griechenland Yanis Varoufakis fordert Schuldenschnitt

Der letzte Akt im griechischen Schuldendrama rückt näher und er sieht für Athen nicht gut aus. Nach dem Scheitern eines Vermittlungsversuchs können nur noch die Euro-Finanzminister das Schlimmste verhindern.

Yanis Varoufakis beharrt auf einem Schuldenschnitt für Griechenland. Quelle: REUTERS

Die Abkürzung ELA steht für den englischen Begriff Emergency Liquidity Assistance. Es handelt sich um Notkredite, die von den nationalen Notenbanken eigentlich nur an solvente Banken vergeben werden dürfen, wenn diese kurzfristig keine Möglichkeit zur Finanzierung über den Markt haben.

Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos zeigte sich indessen zuversichtlich, dass sein Land in der Euro-Zone bleiben wird. Gleichzeitig rief er am Montag alle politischen Kräfte Griechenlands zur Zusammenarbeit auf. Die Griechen hätten „Großes und Wichtiges“ gemacht, wenn sie kooperierten, meinte Pavlopoulos. „Ich will Ihnen versichern: Der Kurs des Landes in Europa und in der Eurozone wird fortgesetzt“, sagte Pavlopoulos im Staatsfernsehen (ERT1). Der Staatspräsident wird am 7. Juli zu einem Antrittsbesuch nach Deutschland reisen. Pavlopoulos war im Februar gewählt worden.

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