Griechenland in der Krise: Wirtschaftsberater glauben nicht an den Grexit

Griechenland in der Krise: Vom Hoffnungsträger zur Hassfigur

Wirtschaftsberater glauben nicht an den Grexit

In einem jener Cafés sitzt Jens Bastian. Der deutsche Wirtschaftsberater mit Wohnsitz in Athen glaubt wie viele griechische Kollegen nicht, dass es zu einem „Grexit“ kommen wird – aus politischen Gründen wolle das ja jeder verhindern. Aber er sieht auch nach Tsipras' Reformplänen keinerlei investive Komponenten: „Durch die zahlreichen Steuererhöhungen hat die Regierung einen solchen Spar-Fokus, dass es zu keiner Belebung der Realwirtschaft kommen kann und das Potenzialwachstum für das kommende Jahr viel zu schwach bleibt.“ 

Dabei sei es bei einer Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent nicht entscheidend, ob die Steuern erhöht oder gesenkt werden – viel wichtiger sei es, die Steuerbasis zu verbreitern. „Griechenland braucht eine effizientere Verwaltung, die der notorischen Steuervermeidung den Kampf entgegentritt.“ Der Ökonom schlägt vor: Athen könnte aus EU-Töpfen Mittel mobilisieren, die zweckgebunden sind für die digitale Bekämpfung von Mehrwertsteuerflucht und Nicht-Bezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen. Generell ist auch Jens Bastian klar: „Nur mit Sparen und ohne Investitionen wird die griechische Realwirtschaft nicht auf die Beine kommen.“

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Indessen sind viele Beobachter in Athen einig: Wenn die Griechen mal Licht am Ende des Tunnels sehen, da ein stimmiges Reformpaket nach einer Durststrecke wieder nachhaltiges Wachstum verspricht – dann wären viele auch bereit zu Einschnitten. „Deshalb war es wichtig, dass diese Woche einige Tausend für die EU auf die Straße gegangen sind“, sagt Susanna Vogt von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Den Menschen in Griechenland sei sehr wohl bewusst, dass sich etwas ändern und auch das politische System seine Reformresistenz überwinden müsse. 

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Im Idealfall braucht es auf dem Posten des griechischen Ministerpräsidenten eine charismatische Symbolfigur, die in der Lage ist, zugleich auch Mehrheiten herzustellen – und zwar über die eigene Fraktion hinaus. Tsipras allerdings schafft nicht einmal letzteres. Als Hoffnungsträger ist er daher auch für die Griechen fast verbrannt. Und im Parlament herrschen weiterhin die Populisten. Die merken nicht, wie sie als Politiker insgesamt draußen auf der Straße zunehmend zu Hassfiguren werden. 

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