Griechenland-Krise: Warum ein Grexit Europa keine Ruhe bringt

GastbeitragGriechenland-Krise: Warum ein Grexit Europa keine Ruhe bringt

Bild vergrößern

Geht die Rechnung für Griechenland auf?

Die WirtschaftsWoche fordert in ihrem Zehn-Punkte-Plan den Grexit. Doch die Hoffnung auf ein Ende des Schreckens nächtelanger Verhandlungen würde nicht in Erfüllung gehen. Eine Replik.

Von Gezerre mit der griechischen Regierung ermüdet erwärmen sich immer mehr deutsche Politiker, Journalisten und Ökonomen für den Grexit. Sie sehen darin das sprichwörtliche Ende mit Schrecken, das Europa einen Schrecken ohne Ende erspart.

Diesem Tenor folgt auch die WirtschaftsWoche mit ihrem Zehn-Punkte-Plan zum Umgang mit Griechenland. Grexit-Befürworter der ersten Stunde wie Hans-Werner Sinn preisen ohnehin schon länger die Vorzüge flexibler Wechselkurse bei der Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit.

Anzeige

PremiumGriechenland-Krise Der Zehn-Punkte-Plan für die Euro-Zone

Der Poker um Griechenland bringt die Euro-Zone an ihre Grenzen. Führende Ökonomen haben zusammen mit der WirtschaftsWoche einen Plan entworfen, um den Euro langfristig auf ein gesundes Fundament zu stellen.

Ein Grexit scheint zunehmend unausweichlich. Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Doch die Hoffnung auf ein Ende des Schreckens nächtelanger Verhandlungen würde nach einem Grexit nicht in Erfüllung gehen. Internationale private und staatliche Gläubiger haben Ansprüche, die auch bei einem Euro Austritt weiterhin vertragsgemäß auf Euro lauten. Deren Erfüllbarkeit hinge auch nach einem Grexit an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes - zusätzlich aber am Wechselkurs der neuen Währung.

Ein Ausstieg würde also nichts an den grundsätzlichen Konflikten zwischen Schuldnern und Gläubigern verändern. Die Gläubiger wollen Geld und deshalb Reformen und Wachstum, und die Schuldner wollen genau davon ihre Ruhe.

Zur Person

  • Hans Peter Grüner

    Grüner hat den Lehrstuhl für Economic Policy, Department of Economics an der Uni Mannheim inne. Nach seinem Studium der VWL und Mathematik an der Uni Heidelberg promovierte er an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris mit einer Arbeit über die Glaubwürdigkeit von Zentralbanken und die Lohnsetzung in Europa. Er ist zudem Research Fellow des Centre for Economic Policy Research in London und seit 2006 Adjunct Professor an der Hertie School of Governance in Berlin.

Rückzahlungen sind möglich

Auch eine vertragliche Vereinbarung über die Umstellung von Schulden in eine neue Währung könnte nichts daran ändern, dass die realen Rückflüsse aus dem austretenden Land die Qualität der Politik des Austrittslands gebunden sind. Eine Regierung die spart und Reformen durchführt statt Geld zu drucken kann real mehr zurückzahlen. Am Interesse Europas an einer soliden Haushaltsführung würde sich nichts ändern.

Zu den bestehenden Forderungen der Gläubiger kommen im Fall des Euro-Austritts Forderungen aus dem Target-System hinzu, während sich die Target-Salden bei einer gelungenen Einigung innerhalb der Währungsunion abbauen ließen.

Wirkliche Ruhe kehrt nur bei einem völligen Forderungsverzicht ein. Das wäre allerdings mit Blick auf die Leistungsfähigkeit Griechenlands eine recht großzügige Lösung. Schließlich war das Land bereits auf dem Weg in den Primärüberschuss – Rückzahlungen sind also möglich.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%