Griechenland-Krise: Was passiert mit griechischen Pleite-Banken?

Griechenland-Krise: Was passiert mit griechischen Pleite-Banken?

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Eine Griechin ist vor einer zerbrochenen Steinplatte der Nationalbank zu sehen.

von Mark Fehr

Griechenlands Banken stehen vor der Kernschmelze. Kann die Aufsicht sie kontrolliert herunterfahren? Eine Vertreterin der frisch gegründeten Europäischen Abwicklungsbehörde versucht sich mit ersten Antworten.

Während die Pleite Griechenlands die dortigen Banken in den Zusammenbruch treibt, arbeitet die Europäische Union mit Hochdruck an Brandmauern, die das Geld von Sparern und Steuerzahlern bei solchen größtanzunehmenden Finanzunfällen schützen sollen. Beeindruckend ist die Liste mit Projekten, sowohl der angefangenen als auch der vollendeten.

Ein kurzer Überblick: Im November 2014 hat die Europäische Zentralbank das Oberkommando als Aufseherin über die rund 120 bedeutendsten Bankengruppen der Euro-Zone übernommen.

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Dem voraus ging ein monatelanger, detaillierter Stresstest der direkt zu beaufsichtigenden Großinstitute, bei dem übrigens bloß eine der teilnehmenden griechischen Banken bestand. Weitere regelmäßige Belastungschecks folgen. So will die EZB im laufenden Jahr die deutschen Sparkassen und Volksbanken besonders aufmerksam unter die Lupe nehmen.

Was droht Griechenland und seinen Banken?

  • Warum akzeptiert die EZB keine Hellas-Anleihen mehr?

    Die EZB verleiht Geld nur an Geschäftsbanken, die als Sicherheiten Wertpapiere hinterlegen, denen Ratingagenturen gute Noten geben. Das ist bei Griechenland-Anleihen nicht der Fall. Bislang machten die Währungshüter eine Ausnahme, weil Athen ein EU-Sanierungsprogramm mit harten Reformauflagen durchlief. Diese Grundlage ist nun weggefallen: Die Regierung des linksgerichteten Ministerpräsidenten Alexis Tsipras lehnt das EU-Rettungsprogramm ab. Die EZB begründete ihre Entscheidung damit, dass man im Moment nicht davon ausgehen könne, dass Hellas sein Reformprogramm erfolgreich abschließen wird.

  • Um wie viel Geld geht es?

    Ende Dezember 2014 hatten sich die griechischen Banken rund 56 Milliarden Euro bei der EZB beschafft. Davon entfielen nach Angaben der Commerzbank 47 Milliarden Euro auf kurzfristige Geschäfte, die inzwischen ausgelaufen sein dürften - und die nur wiederholt werden können, wenn die Institute andere Sicherheiten haben als griechische Staatsanleihen. Die übrigen neun Milliarden Euro steckten in Langfristgeschäften. „Das Geld muss zurückbezahlt werden, wenn es in diesem Umfang keine anderen Sicherheiten gibt“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

  • Geht griechischen Banken nun sofort das Geld aus?

    Nein. Die Institute können vorerst bei der griechischen Zentralbank ELA-Notkredite nachfragen. Der EZB-Rat hat dafür ein Volumen von bis zu rund 60 Milliarden Euro bewilligt. Damit könnte das Refinanzierungsvolumen griechischer Banken bei der EZB vollständig in eine ELA-Finanzierung überführt werden, schreiben Ökonomen der BayernLB: „Es wäre aber nur wenig Raum vorhanden, um einen weiteren Abfluss von Einlagen zu kompensieren.“ Ein weiterer Haken für die Banken: EZB-Kredite kosten aktuell 0,05 Prozent, ELA-Notkredite 1,55 Prozent. Der Vorteil für die EZB und Europas Steuerzahler: Sie müssen nicht geradestehen, wenn die Kredite ausfallen. Das Risiko liegt bei der Zentralbank in Athen und damit beim Steuerzahler Griechenlands.

  • Können sich die Banken auf die Notkredite verlassen?

    Nein. Der EZB-Rat kann diesen Geldhahn mit Zwei-Drittel-Mehrheit zudrehen. ELA darf nur an Institute vergeben werden, die zwar vorübergehende Liquiditätsengpässe haben, aber solvent sind. Das wird ohne ein Hilfsprogramm oder zumindest die begründete Erwartung, dass ein neues Programm schnell in Kraft tritt, unwahrscheinlicher. Die Experten der BayernLB sind daher überzeugt: „Sollte sich Griechenland mit seinen Gläubigern bis Ende Februar nicht zumindest auf eine Brückenfinanzierung einigen, ist damit zu rechnen, dass die EZB griechische Banken von der ELA-Finanzierung ausschließt.“

  • Was droht, wenn die EZB auch Notkredite verbietet?

    Dann dürfte den Banken sehr schnell das Geld ausgehen. „Wenn die EZB ELA abklemmt, haben die Institute keinen Zugriff mehr aus EZB-Liquidität. Das wäre der Rausschmiss, Griechenland würde die Währungsunion faktisch verlassen“, sagt Commerzbank-Experte Krämer. Daher sei die Entscheidung auch eine politische. Experten der UBS sehen das ähnlich: „In dem Moment, in dem die EZB das ELA-Fenster schließt, müssen die Verhandlungspartner entweder sofort Kompromisse finden, oder Griechenlands Banken kommen nicht mehr an Geld.“ Um einen Bankenkollaps zu verhindern, müsse Athen dann umgehend eine eigene Währung einführen: „Das wäre das Ende Griechenlands im Euroraum und könnte eine gefährliche Kettenreaktion in Gang setzen.“

  • Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

    Denkbar wäre, die Laufzeit der Hilfskredite zu verlängern oder den Schuldendienst vorrübergehend auszusetzen. Krämer erwartet, dass am Ende auch die Bundesregierung einem „faulen Kompromiss“ zustimmen würde: „Denn bei einem Austritt Griechenlands schlitterte das Land ins Chaos und die Bundesregierung müsste ihren Wählern erklären, dass die direkt und indirekt auf Deutschland entfallenen Hilfskredite an Griechenland in Höhe von 61 Milliarden Euro verloren wären.“

Auch die Vollendung von Schritt zwei auf dem Weg zur Bankenunion steht bevor. Im Januar hat die europaweit zuständige Bankenabwicklungsbehörde in Brüssel ihre Arbeit aufgenommen. Unter Leitung der ehemaligen BaFin-Chefin Elke König soll der Abwicklungsmechanismus nun betriebsfertig gemacht werden, um im Januar 2016 die Verantwortung zu übernehmen.

Das heißt: Dann entscheidet Brüssel, ob eine kriselnde Großbank in Europa weiterleben darf oder stillgelegt wird. Geld aus dem einheitlichen Bankenrettungsfonds, der ebenfalls in Brüssel verwaltet wird, gibt es nur, wenn zuvor Gläubiger und Eigentümer des betroffenen Geldinstituts ausreichend geblutet haben.

Werden die Brandmauern rechtzeitig fertig?

Bankenpleiten sollen dank dieser Sicherheitsvorkehrungen so schmerzfrei wie möglich für den Rest des Finanzsystems und der Realwirtschaft über die Bühne gehen. Teure nationale Rettungsaktionen wie bei der letzten Krise werden dadurch überflüssig. Wenn die eigene Abwicklung zum realistischen Szenario wird, werden Banker ihre Geschäfte künftig vorsichtiger angehen, um den Fall der Fälle gar nicht erst eintreten zu lassen, so das Kalkül der Konstrukteure des neuen Schutzmechanismus.

ELA-Hilfen für Griechenlands Banken Draghis Warnschuss kommt zu spät

Die EZB hat die ELA-Notkredite erneut verlängert, aber nicht erhöht. Außerdem verschärft sie die Kreditbedingungen für die Darlehen. Das ist gut, reicht aber nicht aus. Denn die Notkredite sind zu recht umstritten.

Griechenlands Banken haben weiterhin geschlossen. EZB hilft mit Notkrediten. Quelle: Bloomberg

Das gedankliche Fundament der europaweiten oder zumindest euro-zonenweiten Bankenunion steht also. Angesichts der Finanzkrise in Griechenland stellt sich allerdings die bange Frage, ob die europäischen Brandmauern überhaupt rechtzeitig fertig werden, bevor die griechischen Banken in Flammen aufgehen. Diese Frage richtete der Moderator des heutigen Symposiums der Bundesbank und der Fachzeitschrift für das gesamte Kreditwesen an die Expertin Joanne Kellermann. Sie ist ständiges Mitglied im Vorstand der neuen Brüsseler Behörde für die Bankenabwicklung unter dem Vorsitz von Elke König.

Ihre Antwort lässt Raum für Interpretationen. „Wir stehen bereit“, sagte Kellermann, wies aber darauf hin, dass der einheitliche Abwicklungsmechanismus wie geplant erst 2016 seine volle Funktionsfähigkeit erhalten werde. Zudem stellte sie klar, dass der europäische Abwicklungsfonds nur zur Verfügung stehe, wenn vorher ein Bail-in erfolgt sei. Sprich: Geld aus dem Fonds fließt nur, wenn die Gläubiger und Eigentümer vorher ausreichend an den Verlusten beteiligt wurden. Darüber hinaus stellen sich weitere dringende Fragen.

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